Wettergefahren-Frühwarnung | Gewitter - Mitteleuropa - 22.07.2015
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Montag, 03. Juli 2017, 16:10 MESZ



Starkregen

Deutschland

29.06.2017


Überschwemmungen in Oranienburg (BB)
© Bernd März


Ende Juni 2017 sorgte Tief "Rasmund III" im Nordosten Deutschlands für konvektiv verstärkte Regenfälle. Dabei kamen beispielsweise in Berlin-Tegel binnen 24 Stunden knapp 200 mm Regen zusammen. In Berlin, Brandenburg und dem südlichen Mecklenburg-Vorpommern wurden Straßen überschwemmt und zahlreiche Keller liefen voll. Es kam zu Behinderungen im Schienen-, Straßen- und Flugverkehr.



300 hPa Wind und Divergenz
29.06., 12 UTC © Wetter3
Am 27.06. etablierte sich über Westeuropa ein ausgedehnter Langwellentrog, dessen Amplitude bis in den Norden von Marokko reichte. In den Langwellentrog waren einige Kurzwellentröge eingelagert, an deren Vorderseite es zu Hebung und damit Druckfall am Boden kam. Eines dieser Tiefs mit Namen "Rasmund" lag an jenem Tag über den Britischen Inseln, ein weiteres entstand im Tagesverlauf über dem Norden Frankreichs und zog anschließend weiter nach Norden in Richtung Belgien. Rückseitig der Kaltfront von Tief "Rasmund" kamen in der Folge kühlere Luftmassen vom Atlantik nach West- und Mitteleuropa voran. Durch die langsame Verlagerung des Langwellentrogs nach Osten lag am 28.06. der Jetstream über Portugal, Spanien und dem westlichen Mittelmeerraum. Stromab drehte die Höhenströmung von westlichen auf südwestlichen Richtungen, Norditalien und der Alpenraum befand sich im Ausströmbereich des Jetstreams. Hier kam es am Abend des 28.06. zur Entstehung eines Bodentiefs. In der Nacht zum 29.06. und am Vormittag jenen Tages lag das Divergenzmaximum über Deutschland, Tschechien und Polen, sodass sich hier ein weiteres Tiefdruckgebiet bilden konnte. Das Tief mit Namen Rasmund III zog am 29.06. von Tschechien bis in den Norden Polens und verstärkte sich dabei von einem Bodendruck von ca. 996 hPa auf unter 990 hPa. In den Südwesten Deutschlands flossen bereits kühlere Luftmassen ein (8 - 10 °C in 850 hPa), im Bereich des Bodentiefs hielt sich noch sehr warme (13 - 15 °C in 850 hPa) und feuchte Luft (57 °C pseudopotentielle Temperatur in 850 hPa). Dabei lag die relative Feuchte in der Troposphäre im Nordosten Deutschlands nahezu durchgehend bei 100 % (siehe Radiosondenaufstieg Lindenberg vom 29.06.). Die niederschlagbare Wasser erreichte sehr hohe Werte von 35 - 40 kg/m^2.

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa pseudopotentielle Temperatur und Bodendruck, Bodendruck mit Fronten, Niederschlagbares Wasser und 700 hPa Vertikalbewegung Europa und Mitteleuropa | Quellen: Wetter3
29.06., 06 UTC 29.06., 12 UTC 29.06., 18 UTC 30.06., 00 UTC

Hebungsprozesse im Bereich des Bodentiefs sorgten am Vormittag des 29.06. im Osten Brandenburgs für die Entstehung von Gewittern in der feuchtwarmen Luftmasse. Da der Hebungsantrieb sehr großräumig vorhanden war, schlossen sich die Gewitter recht schnell zu einer Linie zusammen und verlagerten sich weiter nach Osten in Richtung Berlin. Aufgrund der geringen Verlagerungsgeschwindigkeit hervorgerufen durch eine relativ schwache Höhenströmung hielten sich in den folgenden 12 Stunden die konvektiv verstärkten Regenfälle in Brandenburg, Berlin und im südlichen Mecklenburg-Vorpommern.

Blitzkarte, Niederschlagsmengen und Radiosondenaufstieg | Quellen: lightningmaps.org, DWD, University of Wyoming
Biltze in Deutschland bis 30.06., 00 UTC 24 h-Niederschlag bis 30.06., 06 UTC Radiosondenaufstieg Lindenberg, 29.06., 12 UTC

In weniger als 24 Stunden fielen in Brandenburg, Berlin und im südlichen Mecklenburg-Vorpommern beachtliche Regenmengen. So verzeichnete Berlin-Tegel 196,9 mm an Niederschlag, in Zeesen waren es beispielsweise 149,9 mm. Teilweise konnten auch Mengen über 200 mm gemessen werden (zum Beispiel in Oranienburg, nördlich von Berlin). An vielen Orten fiel binnen 24 Stunden mehr als sonst im ganzen Monat Juni üblich.
Die heftigen Regenfälle sorgten für überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und U-Bahn Stationen. Die Feuerwehr musste allein in Berlin bis zum Morgen des 30.06. wetterbedingt über 1500-Mal ausrücken. Es kam zu Behinderungen im Straßen-, Schienen- und Flugverkehr.

Radar- und Satellitenbildanmitationen | Quellen: sat24.com, DWD
Radarfilm, 22.07., 10 UTC - 23.07., 02 UTC (zur Animation anklicken) Satellitenfilm, 22.07., 10 UTC - 23.07., 02 UTC (zur Animation anklicken)

24-h-Niederschlagsmengen Norddeutschland bis 30.06., 06 UTC
Datenquelle: DWD JavaMap
Ort Bundesland RR24
Berlin-Tegel
Zeesen
Kremmen-Groß Ziethen
Berge/Prignitz
Marwitz (Wasserwerk)
Marnitz
Berlin-Tempelhof
Pritzwalk
Karstädt/Prignitz
Langerwisch
Staaken
Kuhbier
Thyrow
Berlin
Brandenburg
Brandenburg
Brandenburg
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Berlin
Brandenburg
Brandenburg
Brandenburg
Brandenburg
Brandenburg
Brandenburg
196,9 mm
149,9 mm
130,6 mm
124,0 mm
113,2 mm
112,9 mm
112,8 mm
110,0 mm
109,2 mm
106,5 mm
106,0 mm
103,6 mm
103,2 mm
Ort Bundesland RR24
Jühnsdorf-Blankenfelde
Hohenreinkendorf
Klink
Berlin-Buch
Berlin-Kaniswall
Berlin-Schmöckwitz
Picher
Rechlin/Müritz
Berlin-Dahlem
Meyenburg
Bischdorf
Grabow
Pohlitz
Brandenburg
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Berlin
Berlin
Berlin
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern
Berlin
Brandenburg
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Brandenburg
103,0 mm
103,0 mm
100,4 mm
99,3 mm
95,7 mm
95,2 mm
94,4 mm
93,7 mm
93,0 mm
92,7 mm
92,4 mm
91,1 mm
91,6 mm

Text: JW
03. Juli 2017