Wettergefahren-Frühwarnung | Tropischer Wirbelsturm "Matthew" - Karibik - 01.-06.10.2016
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Mittwoch, 05. Oktober 2016, 12:00 MESZ
zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2016, 17:45 MESZ



Tropischer Wirbelsturm
Matthew

Karibik, USA

01.-09.10.2016


Satellitenbild, 03.10.2016 8.45 UTC
Quelle: GOES NASA

Ende September bildete sich sehr weit südlich auf dem Nordatlantik Hurrikan "Matthew". Der Wirbelsturm brachte in der Folge Zerstörung auf den südlichen Inseln der kleinen Antillen und zog über dem Karibischen Meer zwischen Südamerika und der Karibik nach Westen. Dabei intensivierte sich der Hurrikan am 30.09. sehr rasch von einem Kategorie 1 Sturm zu einem Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5. Die Lage bei 13,3 °N machte "Matthew" zum südlichsten Hurrikan der Kategorie 5 der jemals auf dem Nordatlantik beobachtet wurde. Die südliche Zugbahn führte zu kräftigen Regenfällen in Kolumbien und Venezuela. In der Folge verlagerte sich der Sturm nach Norden in Richtung der Großen Antillen und machte am 04.10. als Kategorie 4 Hurrikan Landfall im Südwesten von Haiti. Am Abend erreichte er auch den Osten von Kuba. Auf den Karibikinseln kam es zu großen Zerstörungen infolge von Starkregen und Windböen bis 230 km/h.
Durch den Landfall in Kuba schwächte sich "Matthew" reibungsbedingt kurzzeitig ab, um sich anschließend beim Weg über die Bahamas wieder zu einem Kategorie 4 Hurrikan zu verstärken. Die nordwestliche Zugbahn führte "Matthew" am 07.10. entlang der Ostküste von Florida. Dabei kam es ebenfalls zu Orkanböen, heftigen Regenfällen und einer Sturmflut, die Überschwemmungen in küstennähe zur Folge hatte. Am 08.10. machte "Matthew" Landfall im US-Amerikanischen Bundesstaat South Carolina und bewegte sich in der Folge wieder nach Nordosten auf den Atlantik. Entlang der Küsten von Geogia, South und North Carolina, sowie im Süden von Virgina kam es zu größeren Schäden hauptsächlich durch Überschwemmungen. In North Carolina verzeichneten mehrere Flüsse neue Rekordpegelstände. In den USA kamen 19 Menschen durch den Wirbelsturm ums Leben, in Haiti waren es mindestens 1000. Die Schadensummen belaufen sich nach ersten Schätzungen auf 5 - 7 Milliarden US Dollar.


Entstehung und Entwicklung zum Kategorie 5 Hurrikan

Energiegehalt Ozean Karibik
© AOML NOAA
Mehr als 80 % der Major Hurrikans auf dem Atlantik entstehen aus einer tropischen Welle, die in westlicher Richtung vom afrikanischen Kontinent auf den Atlantik wandert. Auch Hurrikan "Matthew" entstand aus einer östlichen Welle (African Easterly Wave), die am 22.09. die afrikanische Westküste erreichte. In den Folgetagen verlagerte sich das Gebiet mit hochreichender Konvektion weiter nach Westen. Dabei nahm das System eine relativ weit im Süden (zwischen 5° - 10 °N) liegende Zugbahn ein. Zwischen dem 22.09. und dem 25.09. war zunächst keine Intensivierung des konvektiven Systems erkennbar. Bessere Organisation der Gewitterzellen und Zunahme der Windgeschwindigkeit an den folgenden Tagen resultierte schließlich in der Einstufung des konvektiven Systems als tropischer Sturm "Matthew" am 28.09. mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 93 km/h und einem Bodendruck von 1008 hPa. Der Sturm hatte mittlerweile eine nordwestliche Zugrichtung eingenommen und überquerte am 28.09. die kleinen Antillen. Die weiterhin ungewöhnlich südliche Zugbahn führte "Matthew" über die Inseln St. Lucia, St. Vincent und Grenada. Dabei kam es zu kräftigen Regenfällen und Sturmböen, die in Überschwemmungen, Erdutschen und umgestürzten Bäumen resultierten. In St. Lucia fielen an der Wetterstation Hewanorra International Airport 335 mm binnen 13 Stunden. Durch die Überschwemmungen und Erdrutsche waren viele Straßen unpassierbar, die Stromversorgung auf den Inseln fiel für den Großteil der Bevölkerung für längere Zeit aus.

Auf seinem Weg nach Westen im Karibischen Meer zwischen der Karibik und Südamerika legte "Matthew" am 29.09. weiter an Stärke zu und wurde am Ende des Tages als Hurrikan der Kategorie 1 eingestuft mit mittleren Winden von 120 km/h. Aufgrund eines ausgeprägten Höhenrückens über dem Atlantik und östlichen Winden an der Südseite verlagerte sich Hurrikan "Matthew" auch an den Folgetagen weiter nach Westen bei gerade einmal 13 °N. Bei Meeresoberflächentemperaturen von 29 - 30 °C (ca. 0,5 - 1 °C zu warm), einem großen Wärmegehalt in den oberen Ozeanschichten und einem großen Feuchtegehalt in der Troposphäre konnte sich der Hurrikan am 30.09. explosionsartig binnen 27 Stunden von einem Sturm der Kategorie 1 mit Windgeschwindigkeiten von 70 kn (130 km/h) auf einen Hurrikan der höchsten Kategorie 5 mit mittleren Winden von 140 kn (259 km/h) verstärken. Damit stellte "Matthew" einen neuen Rekord auf für den südlichsten Wirbelsturm der Kategorie 5 auf dem Nordatlantik (13,3 °N) (davor: Hurrikan Ivan - 2004: Quellen: Weather Unisys, Philip Klotzbach (Twitter)). Der südliche Teil von "Matthew" streifte am 30.09. und 01.10. den Norden von Kolumbien und Venezuela. Dabei kam es örtlich zu Sturzfluten aufgrund von Starkregen. Cartagena in Kolumbien verzeichnete 222 mm in 24 Stunden (Quelle: El Colombiano), zahlreiche Flüsse traten entlang der Küste über die Ufer und zerstörten einige Häuser.

Satellitenbilder und Meeresoberflächentemperaturen (SST) | Quellen: CIMSS, NASA Worldview, Tropicaltidbits, GOES NASA, RAMMB
27.09.2016 28.09.2016 29.09.2016 30.09.2016, 19:45 UTC
01.10.2016, 11:45 UTC 01.10.2016, 20:15 UTC SST Atlantik SST Anomalien Atlantik

Änderung der Zugrichtung von West auf Nord

Bereits weinige Stunden nach Erreichen der Wirbelsturmkategorie 5 schwächte sich "Matthew" leicht ab und wurde fortan als Hurrikan der Kategorie 4 auf der Saffir-Simpson-Skala eingestuft. Trotz der sehr hohen Windgeschwindigkeiten von 240 km/h war der minimale Bodendruck im Vergleich zu anderen tropischen Wirbelstürmen derselben Intensität mit ca. 945 hPa relativ hoch. In der Folge wurde "Matthew" bis zum Landfall in Haiti in der zweithöchsten Kategorie 4 eingestuft. Bei leicht wechselnder Intensiät schwankte der minimalen Bodendruck zwischen 934 hPa - 947 hPa, die mittleren Winden lagen bei 212 km/h - 240 km/h.
Hurrikan "Matthew" kennzeichneten bei seinem Weg nach Westen in der Karibik ein relativ kleinräumiges Gebiet mit den größten Windgeschwindigkeiten, sowie ein Gebiet mit hochreichender Konvektion an dessen Ostseite. Das Satellitenbild vom 03.10. zeigt zwei größere mesoskalige konvektive Systeme im Osten und Nordosten von "Matthew". In der Regel werden solche Systeme nicht im Zusammenhang mit tropischen Wirbelstürmen beobachtet und könnten aus der südlichen Zugbahn des Wirbelsturms resultieren. Bodennahes Zusammenströmen der Südwestwinde an der Ostseite von Matthew und den Nordostpassaten könnten als Auslöser für diese mesoskaligen konvektiven Systeme fungiert haben. Die Regengebiete sorgten vor allem in der Dominikanische Republik bereits am 03.10. für kräftige Regenfälle. Hurrikan "Matthew" veränderte am 02.10. seine Zugbahn von West auf Nord und steuerte auf die großen Antillen zu. Ein sehr hoher Wärmegehalt im Ozean südlich von Haiti und Jamaika führte dabei dazu, dass sich der Sturm kurz vor dem Landfall nochmals leicht verstärken konnte und den bis dato niedrigsten Bodendruck von 934 hPa erreichte.

Niederschlag- und Satellitenbilder | Quellen: CIMSS, Meteo Haiti, GOES NASA, TRMM
02.10.2016 09:36 UTC 02.10.2016 19:45 UTC 03.10.2016 08:45 UTC 03.10.2016 09:15 UTC

Landfall in Haiti und Kuba am 04.10.

Windfeld 04.10. 12 UTC
© SSD NOAA
Am 04.10. um 11 UTC machte Hurrikan "Matthew" Landfall im Südwesten von Haiti als Kategorie 4 Sturm mit mittleren Winden von 232 km/h. Das meteorologische Messnetz auf Haiti ist sehr klein, gerade aus dem westlichen Teil gibt es nur wenig Informationen zu beobachteten Niederschlägen und Windgeschwindigkeiten. Der Wirbelsturm brachte große Zerstörung auf der aufgrund der großen Armut sehr verwundbaren Karibikinsel. Viele Häuser und Plantagen wurden zersört, Flüsse überschwemmten viele Regionen, Erdrutsche führten zu Zerstörungen. An der Küste gab es eine Sturmflut, viele Fischer ignorierten im Vorfeld die Warnungen vor dem Wirbelsturm. Viele Menschen mussten in Notunterkünften versorgt werden, weil ihre Häuser zerstört wurden. Fehlendes Trinkwasser und schlechte Ausstattung erschweren den Helfern die Arbeit in den Notunterkünften. In Petit Goave wurde eine Brücke zerstört, welche die einzige Verbindung zwischen dem Südwesten des Landes und der Hauptstadt Port-au-Prince darstellt. Viele Gebiete sind dadurch nur sehr schwer erreichbar. Humanitäre Hilfe aus dem Ausland wurde nach dem Durchzug des Sturms von den Behörden angefordert. Über 350 000 Menschen benötigen nach dem Sturm Hilfe, mehr als 28 000 Häuser sind nach ersten Schätzungen beschädigt oder komplett zerstört. Essen und Trinkwasser sind in den betroffenen Gebieten knapp, durch das stehende Wasser steigt die Gefahr einer Epidemie (Quelle: Wunderground). Insgesamt kamen durch den Wirbelsturm auf Haiti bisher mindestens 1000 Menschen ums Leben (Stand: 10.10.) (Quelle: Huffington Post) In der Dominikanischen Republik fielen vor allem durch die Mesoskaligen Konvektiven Systeme (MCS) im Osten des Hurrikans große Regenmengen. Örtlich kamen am 03.10. über 200 mm in 24 Stunden zusammen (Quelle: Onamet) .
Auch nach der Interaktion mit dem Südwesten von Haiti änderte sich an der Intensität von "Matthew" nur wenig. Geringere vertikale Ausdehnung der Wolkentürme und ein höherer Bodendruck von 950 hPa waren aber nach dem Landfall zu beobachten. Die mittleren Winde lagen weiterhin bei 232 km/h. Am Abend des 04.10. erreichte der Hurrikan den Osten von Kuba. Dabei kam es ebenfalls zu heftigen Regenfällen und extremen Windböen. Vor allem in den küstennahen Städten und Dörfern sorgte der Wirbelsturm für große Schäden. Häuser wurden beschädigt und zum Teil durch den starken Wind und Überschwemmungen komplett zerstört. Aus Baracoa und Maisi an der Ostküste von Kuba kamen die meisten Meldungen über zerstörte Häuser. Der Rest der Insel kam relativ glimpflich davon, es gab keine Meldungen von größeren Schäden aus den anderen Regionen des Landes.

Radar-, und Satellitenbilder | Quellen: SSD NOAA, RAMMB, GOES NASA, Meteorologia Cuba, CIMSS
04.10.2016 06:00 UTC 04.10.2016 08:07 UTC 04.10.2016 15:15 UTC 04.10.2016 17:45 UTC
04.10.2016 18:40 UTC 05.10.2016 04:45 UTC 05.10.2016 05:30 UTC 05.10.2016 04:50 UTC

Reorganisation über den Bahamas

Nach dem Landfall in Kuba am Abend des 04.10. schwächte sich Hurrikan "Matthew" aufgrund von Reibungseffekten und fehlendem Nachschub an latenter Wärme am Morgen des 05.10. leicht ab. Die mittleren Windgeschwindigkeiten erreichten um 09 UTC am 05.10. 110 kn (204 km/h), was den Hurrikan zu einem Wirbelsturm der Kategorie 3 machte. Das Satellitenbild zeigt die auseinanderbrechende Augenwand und die insgesamt geringere horizontale Ausdehnung von "Matthew". Während des restlichen Tages änderte sich an der Intensität des Hurrikans nur wenig. Dieser befand sich fortan auf einer nordwestlichen Zugbahn bei einem Bodendruck von ca. 963 hPa und mittleren Winden von 194 km/h. Über dem 29 - 30 °C wamren Atlantik konnte sich der Wirbelsturm bei günstigen Umgebungsbedingungen (geringe vertikale Windscherung: 5 - 15 Knoten, hohe relative Feuchte in der mittleren Troposphäre: 70 - 75 %) wieder besser organisieren. Bei seinem Weg westlich an der Bahamasinsel Long Island vorbei in Richtung New Providence mit der Hauptstadt der Bahamas Nassau legte "Matthew" am Morgen des 06.10. auch wieder an Intensität zu und erreichte wieder mittlere Winde von 204 km/h und einen Bodendruck von 944 hPa. Dabei nahm der Kerndruck innerhalb von lediglich 9 Stunden um 18 hPa ab.
Eine private Wetterstation in Staniel Cay auf einer der zahlreichen kleinen Inseln der Bahamas maß am 06.10. um 6 UTC eine Windböe von 163 km/h. Die Station lag an der kräftigen Ostseite des Hurrikans. Darüber hinaus fiel in dem sieben stündigen Zeitraum von 6 UTC - 13 UTC eine Niederschlagsmenge von 329 mm (Quelle: Wunderground). Am Nachmittag des 06.10. (UTC Zeit) zog der Sturm über die Bahamasinsel New Providence und richtete in der Hauptstadt Nassau verbreitet Schäden durch Überschwemmungen sowie umgestürzte Bäume und Strommasten an. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen, einige aus den Fluten gerettet werden. Die kräftigen Windböen richteten zudem vor allem durch abgedeckte Dächer Schäden an Häusern und anderen Gebäuden an. In Nassau wurden Böen bis zu 137 km/h aufgezeichnet. Hurrikan "Matthew" konnte sich am Nachmittag und Abend nochmals intensivieren und erreichte wieder mittlere Windgeschwindigkeiten von 120 kn (222 km/h) bei einem Bodendruck von unter 940 hPa. Damit wurde der Wirbelsturm bei seinem Weg in Richtung der US-amerikanischen Ostküste wieder in die zweithöchste Kategorie 4 auf der Saffir-Simpson-Skala eingestuft.

Radar- und Satellitenbilder | Quellen: CIMSS, Meteorologia Cuba, GOES NASA, SSD NOAA, SPC NOAA
05.10.2016 11:25 UTC 05.10.2016 11:40 UTC 05.10.2016 19:15 UTC 05.10.2016 19:45 UTC
06.10.2016 08:37 UTC 06.10.2016 12:45 UTC 06.10.2016 17:45 UTC 06.10.2016 19:45 UTC

Zugbahn entlang der Küste von Florida (USA) am 07.10.

Regenmenge bis
07.10. 12 UTC
© Water Weather
Nachdem Hurrikan "Matthew" bei seinem Weg über die Bahamas wieder an Stärke zunehmen konnte, nahm er in der Folge als Kategorie 4 Sturm Kurs auf den Südosten der USA. Noch am Vortag war ein Landfall im Südosten von Florida von einigen Modellen vorhergesagt worden. "Matthew" verlagerte sich allerdings am 07.10. entlang der Küste von Florida nach Nordwesten, wobei das Auge und die Augenwand des Sturms den ganzen Tag über dem Ozean blieben. Dadurch blieb Florida von den stärksten Windböen von "Matthew" verschont. Der Wirbelsturm hatte sich zu Beginn des 07.10. wieder leicht abgeschwächt. Grund für die Abnahme der maximalen Windgeschwindigkeiten in der Augenwand war wahrscheinlich eine Ersetzung der inneren Augenwand durch eine zweite, sich weiter außen befindente Augewand. Dieser Prozess kann bei allen Major Hurrikans vorkommen und führt in der Regel zu einer Verringerung der maximalen Windgeschwindigkeiten. Am Morgen des 07.10. wurde "Matthew" als Kategorie 3 Hurrikan eingestuft und erreichte mittlere Windgeschwindigkeiten von 194 km/h. Im Laufe des Tages änderte sich an der Intensität des Hurrikans nur wenig.
Auch wenn die Augenwand das Festland von Florida zunächst nicht erreichte, kam es zu kräftigen Windböen an der Küste. Cape Caneveral maß eine Böe von 172 km/h (Quelle: Wunderground). Entwurzelte Bäume und umgestürzte Strommasten führten dazu, dass bis zum nächsten Tag über 800 000 Menschen ohne Strom waren. Dazu kam es zu kräftigem Regen und einer Sturmflut, ausgelöst durch die Ostwinde an der Nordseite von "Matthew". In der Region um die Stadt Orlando in Florida fielen bis 12 UTC am 07.10. zwischen 150 und 200 mm innerhalb von 24 Stunden. Zahlreiche Flüsse an der Küste Floridas erreichten bereits am Abend die höchste oder zweithöchste Hochwassermeldestufe. Der Dunns Creek in Satsuma verzeichnete gar einen neuen Pegelrekord. Vor allem die Region um die Stadt Jacksonville im Nordosten Floridas war durch die Sturmflut betroffen. An der Mündung des St. Johns Rivers in Mayport östlich von Jacksonville lag der Pegel bei 1,60 m über der normalen Meereshöhe. In Fernandina Beach nördlich von Jacksonville wurde an der Atlantikküste sogar eine Meereshöhe von 2,50 m über der durchschnittlichen Ozeanhöhe aufgezeichnet. Durch die Wassermassen kam es zu Schäden an den Stränden und in den küstennahen Städten nördlich von Orlando. Der südliche Teil des Bundesstaates blieb größtenteils von dem Wirbelsturm verschont, es wurden nur kleinere Schäden beobachtet. Über 1 Millionen Menschen waren während des Sturms in Florida zeitweise ohne elektischen Strom, mindestens 5 Menschen kamen hier durch "Matthew" ums Leben.
Am Abend des 07.10. erreichte die Sturmflut auch die Küste des Bundesstaates Georgia. Auch hier kam es zu größeren Schäden durch Wind und Regen. Straßen mussten aufgrund von Hochwasser entlang der Küste gesperrt werden, über 300 000 Menschen waren zwischenzeitlich ohne Strom. In Fort Pulaski ganz im Norden der Küste von Georgia wurde ein Wasserstand von 3,83 m verzeichnet. Damit lag der Meeresspiegel über 2 m oberhalb des mittleren Wasserstands. Die Wetterstation am Savannah Hunter Army Airfield registrierte 442 mm an Niederschlag binnen 48 Stunden (bis 08.10. 14 UTC).

Radar- und Satellitenbilder | Quellen: CIMSS, GOES NASA, Radar Weather, SPC NOAA
07.10.2016 05:45 UTC 07.10.2016 09:30 UTC 07.10.2016 13:00 UTC 07.10.2016 18:45 UTC
07.10.2016 07:00 UTC 07.10.2016 09:50 UTC 07.10.2016 13:19 UTC 07.10.2016 18:45 UTC
Fernandina Beach St. Johns River in Mayport Dunns Creek in Satsuma Fort Pulaski

Landfall in South Carolina (USA) am 08.10.

Wasserdampfgehalt und
Windshear am 08.10.
© CIMSS
Vertikale Windscherung zwischen 30 kn und 50 kn und trockene Luft über dem amerikanischen Kontinent sorgten dafür, dass sich Hurrikan "Matthew" bei seiner Zugbahn entlang der Küste von Georgia und South Carolina am Morgen des 08.10. auf einen Kategorie 2 Sturm mit mittleren Winden von 90 kn (167 km/h) abschwächte. Um 15 UTC machte der Wirbelsturm dann auch einen Landfall auf US-amerikanischem Boden. In der Nähe von Charleston in South Carolina erreichte "Matthew" gerade noch mit Hurrikanstärke (120 km/h) das Festland. Entlang der Küste von South Carolina kam es zu Schäden durch umgestürzte Bäume und Strommasten, sowie durch Überschwemmungen. In Charleston waren über 100 Straßen überschwemmt, durch einen Tornado gab es Zerstörungen in Myrtle Beach. Zwischenzeitlich waren über 800 000 Menschen ohne Strom, fast 7000 Menschen waren in ca. 70 Notunterkünften untergebracht. Beaufort Flughafen verzeichnete eine Regenmenge von 367 mm, einige Flüsse im Nordosten des Bundesstaats erreichten die höchsten Hochwassermarken.

Radar- und Satellitenbilder | Quellen: CIMSS, GOES NASA, Radar Weather, SPC NOAA, Water Weather
08.10.2016 05:30 UTC 08.10.2016 14:45 UTC 08.10.2016 16:07 UTC 08.10.2016 20:07 UTC
08.10.2016 05:28 UTC 08.10.2016 16:00 UTC 08.10.2016 20:15 UTC 24h RR bis 08.10. 12 UTC

Zahlreiche neue Pegelkekorde in North Carolina

Kräftiger Regen fiel auch in North Carolina. In William O Huske Lock 3 südlich von Fayetteville im Südosten von North Carolina kamen 398 mm Regen vom Himmel. Aufgrund der sehr nassen Witterung in den vergangenen Wochen stiegen die Pegel im Bundesstaat rasch an und erreichten an einigen Orten neue Rekorde. Der Pegel des Lumber River in Lumberton lag am 09.10. bei 7,41 m und damit über 1 m oberhalb der alten Rekordmarke. Der Lower Little River in Manchester stieg binnen 12 Stunden um 6 m auf 9,56 m an und lag damit 70 Zentimeter über dem alten Rekord. Weiter im Nordosten von North Carolina lag der Tar River am 09.10. bei 8,45 m (60 Zentimeter über dem alten Rekord). Das rasche Ansteigen der Pegel und die damit verbreitet auftretenden Überschwemmungen führten dazu, dass über 800 Menschen aus den Hochwassern gerettet werden mussten (Quelle: NC Governor's Office). In dem Bundesstaat kamen bei den Überschwemmungen mindestens 7 Menschen ums Leben. Die meisten starben, als sie mit ihren Autos in die Fluten geraten. Über 800 000 Menschen waren am 09.10. ohne Strom.

Pegelstände North Carolina | Quelle: Water Weather
Lumber River in Lumberton Lower Little River in Manchester Tar River in Rocky Mount Neuse River in Smithfield

Außertropische Umwandlung am 09.10.

24-h Regenmenge
bis 09.10. 12 UTC
© Water Weather
Nachdem Hurrikan "Matthew" in South Carolina am 08.10. das Festland erreichte, bewegte sich der Wirbelsturm in der Folge wieder zurück auf den Atlantik. Dabei schwächte sich "Matthew" weiter ab und geriet anders als an den Tagen zuvor noch erwartet in die Westwindzone der mittleren Breite. "Matthew" vollzog am 09.10. die Umwandlung zum außertropischen Tiefdruckgbiet, was sich vor allem in einer asymmetrischen Struktur mit einem immer noch warmen Kern zeigte. Die Regengebiete lagen an der Nordseite des Sturms, sodass in Virginia, Delaware und Maryland an diesem Tag heftiger Regen niederging. Vor allem der Süden von Virginia war von den Regenfällen betroffen. Auch hier kam es zu Überschwemmungen und Stromausfällen. Insgesamt starben durch den Wirbelsturm in den USA mindestens 19 Menschen (Quelle: ABC News).

Radar- und Satellitenbilder 09.10. | Quellen: CIMSS, GOES NASA, SPC NOAA
09.10.2016 05:45 UTC 09.10.2016 06:15 UTC 09.10.2016 13:30 UTC 09.10.2016 13:30 UTC

Zugbahn, Bodendruck u. Windgeschwindigkeiten, Außertropische Umwandlung Hurrikan "Matthew" | Quellen: Tropicalstormrisk, Weather Unisys, RAMMB, Cyclonephase
Zugbahn Sturmdetails Bodendruck u. Wind ET Transition

Ausgewählte Niederschlagsmengen (links) und Spitzenböen (rechts) während Hurrikan "Matthew" in den USA (06.-09.10.)
Datenquellen: WPC NOAA, Wunderground
Ort Bundesstaat Menge
Savannah (Hunter US Army Airfield)
Fayetteville
Beaufort
Reevesville
Chesapeake
Virginia Beach
Hilton Head Island
Charleston
Folly Field
Orlando
Jacksonville
Hampton Roads
N. Myrtle Beach
Georgia
North Carolina
South Carolina
South Carolina
Virginia
Virginia
South Carolina
South Carolina
South Carolina
Florida
Florida
Virginia
South Carolina
444,2 mm
376,4 mm
356,7 mm
327,7 mm
326,1 mm
308,9 mm
279,4 mm
266,2 mm
249,4 mm
228,3 mm
171,5 mm
169,4 mm
144,0 mm
Ort Bundesstaat Böe
Cape Canaveral
Tybee Island
Daytona Beach
Hilton Head Island
Jacksonville Area
South Ponte Vedra Beach
Beaufort
Fort Pulaski
Folly Beach
Myrtle Beach
Savannah
Melbourne
Charleston
Florida
Georgia
Florida
South Carolina
Florida
Florida
South Carolina
Georgia
South Carolina
South Carolina
Georgia
Florida
South Carolina
172 km/h
154 km/h
146 km/h
142 km/h
140 km/h
135 km/h
134 km/h
127 km/h
122 km/h
119 km/h
114 km/h
113 km/h
111 km/h


Vorbereitungen auf den Wirbelsturm in der Karibik und den USA

Aufgrund der ursprünglich weiter im Westen erwarteten Zugbahn von "Matthew" wurden auf Jamaika am 03.10. über 900 Notunterkünfte eingerichtet, Schulen und Flughäfen blieben geschlossen. Auf Haiti resultierte die weiter östlich verlaufende Zugrichtung des Hurrikans in den Evakuierungen der im Süden vorgelagerten Inseln. Im Süden von Haiti standen bis zum 02.10. nur ca. 576 Notunterkünfte für 90 000 Menschen zur Verfügung. Allein in den zwei größten Städten im Süden leben ca. 80 000 Menschen (Quelle: Wikipedia). Über 55 000 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt in Unterkünften mit unzureichendem Schutz vor der Wucht des Hurrikans. Vor dem Landfall konnte die Anzahl der Notunterkünfte auf Haiti noch aufgestockt werden. Allerdings weigerten sich viele Einwohner ihre Häuser zu verlassen oder erhielten die Nachricht vom Eintreffen des Sturms erst sehr spät. In der Dominikanischen Republik wurden über 5000 Menschen vor dem Wirbelsturm in Sicherheit gebracht. Dieser hatte vor allem am 03.10. für kräftigen Regen in dem Karibikstaat gesorgt. Auf Kuba liefen Evakuierungen für weite Teile im Osten der Insel. In der Provinz Santiago de Cuba im Südosten und in Las Tunas weiter nordwestlich wurden knapp 500 000 Menschen in Notunterkünfte gebracht.
In den USA wurde im Vorfeld in Florida, North Carolina sowie in Teilen von Georgia der Notstand ausgerufen. In Florida forderte der Gouverneur am 06.10. über 1,5 Millionen Menschen auf ihre Häuser zu verlassen. In Georgia waren es über 500 000.

Einordnung

Hurrikan "Matthew" war zwar einer der gefährlichsten und ungewöhnlichsten Stürme der letzten Jahre und Jahrzehnte. Gerade Haiti, wo die meisten Todesopfer zu beklagen waren sorgten tropische Wirbelsturme aber auch in der Vergangenheit schon für sehr hohe Opferzahlen. Mehr als 3000 Tote gab es auf Haiti beispielsweise nach Hurrikan Jeanne 2004, für mehr als 1000 Tote sorgte 1994 auch Hurrikan Gordon. 1963 kamen auf Haiti durch Hurrikan Flora um 5000 Menschen ums Leben. Der tödlichste Sturm in den USA war bislang ein Hurrikan im Jahr 1900 mit rund 8000 Toten (Quellen: Wikipedia, NHC). Die drei bislang schadenträchtigsten Stürme in der USA waren Hurrikan Andrew 1992 mit einem Schaden von rund 45,6 Milliarden US-Dollar, Hurrikan Sandy 2012 (rund 75 Milliarden US-Dollar) und Hurrikan Katrina 2005 (105,8 Milliarden US-Dollar). Nach ersten Schätzungen reicht Matthew mit 5-7 Milliarden US-Dollar damit nicht an die teuersten Stürme in der US-Geschichte heran. Wikipedia, NHC). Matthew machte in South Carolina als Wirbelsturm der Kategorie 1 Landfall, was zunächst kein außergewöhnliches Ereignis darstellt. Die Wiederkehrperiode von Hurrikans in diesem Gebiet liegt bei 8 Jahren. Außergewöhnlich war jedoch die Größe des Gebietes (von Florida über Georgia und die Carolinas bis nach Virginia), die er durch seine küstenparallele Zugbahn beeinflusste. Die Mehrzahl der Stürme (40 %), die die USA erreichen, treffen auf Florida, häufiger auf die Süd- und Westküste. Um diese Jahreszeit ziehen diese meist von der Westkaribik oder dem östlichen Golf von Mexiko über Florida nach Nordosten (abgelenkt von südostwärts vorstoßenden Kaltfronten der mittleren Breiten).

Typische Zugbahnen im Oktober und Wiederkehrperioden von Wirbelstürmen | Quelle: NHC,

Satellitenbildanimation02.-10.10.2016 #124; Quelle: GOES Project


Text: JW, MB, FB
05. Oktober 2016

zuletzt aktualisiert am: 10. Oktober 2016