Wettergefahren-Frühwarnung | Starkregen, Sturmböen, Tornados, Tropischer Sturm - Golfstaaten (USA) - 20.-22.06.2017
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

Weitere Informationen: Wetterrekorde, Sturmstärken, Klimakarten usw.

Freitag, 23. Juni 2017, 15:30 MESZ



Starkregen
Tropischer Sturm "Cindy"



USA

20.-22.06.2017


Satellitenbild von "Cindy"
am 20.06. 17:48 UTC
Quelle: NASA Earthobservatory

Ende Juni 2017 bildete sich im Golf von Mexiko der tropische Sturm "Cindy"."Cindy" zog anschließend in nordwestlicher Richtung weiter und erreichte am 22.06. die amerikanische Küste im Bereich der Grenze von Texas und Louisiana. Extrem feuchte Luftmassen wurden an der Ostseite von "Cindy" mit einer südlichen Strömung an die Golfküste in die Bundesstaaten Florida, Alabama, Mississippi und Louisiana transportiert. Binnen ca. 48 Stunden fielen verbreitet zwischen 100 mm und 300 mm an Niederschlag, in Ocean Springs kamen sogar 312,4 mm zusammen. Einige Flüsse entlang der Küste erreichten die zweithöchste Hochwasserstufe. Kleinere Schäden gab es beim Landfall von "Cindy" durch Sturmböen und eine Sturmflut östlich des Mississippi Rivers.


Wetterlage und Entwicklung

Zugbahn von "Cindy"
© Tropicalstormrisk
In der bevorzugten Entstehungsregion für tropische Wirbelstürme über dem Atlantik im Juni, bildete sich Ende Juni 2017 der tropische Sturm "Cindy". Nach der Entstehung im Golf von Mexiko bei Meeresoberflächentemperaturen von ca. 29 °C am 20.06. zog "Cindy" anschließend in nordwestlicher Richtung auf das amerikanische Festland zu. An der Ost- bzw. Nordostseite von "Cindy" wurden extrem feuchte Luftmassen (ausfallbares Wasser von bis zu 71 mm) vom Golf von Mexiko bis in die Golfstaaten im Süden der USA transportiert. Am 22.06. erreichte "Cindy" als tropischer Sturm mit mittleren Windgeschwindigkeiten von ca. 83 km/h das amerikanische Festland im Bereich der Grenze von Louisiana und Texas. Eine Hochdruckzone über dem Süden der USA verhinderte das schnellere Übergreifen von "Cindy" auf das amerikanische Festland und sorgte für die relativ langsamere Verlagerung des Sturms. Dadurch hielten sich die Regengebiete über Florida, Alabama und Mississippi für mindestens 48 Stunden in derselben Region.

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa pseudopotentielle Temperatur und Bodendruck, Bodendruck und Wind, Ausfallbares Wasser und Wasserdampf Transport | Quellen: Wetter3, SPC NOAA
20.06., 00 UTC 20.06., 12 UTC 21.06., 00 UTC 21.06., 12 UTC 22.06., 00 UTC 22.06., 12 UTC 23.06., 00 UTC

Heftige Regenfälle entlang der Golfküste

Noch bevor "Cindy" als tropische Depression bzw. tropischer Sturm eingestuft wurde, kam es im Nordwesten Foridas, sowie in Alabama und Georgia am 19.06. und 20.06. zu heftigen Regenfällen. Im Laufe des Nachmittags (Ortszeit) am 20.06. erreichte der Regen dann auch den Süden von Mississippi und den Südosten Louisianas. Binnen 24 Stunden fielen bis 12 UTC am 21.06. entlang der Golfküste gebietsweise zwischen 125 mm und 200 mm Niederschlag. Am Folgetag verlagerten sich die stärksten Regenfälle weiter ins Landesinnern und traten dann vor allem in Alabama auf. Darüber hinaus setzte am Abend und in der Nacht zum 22.06. mit dem Annähern des Zentrums von "Cindy" auch entlang der Grenze von Texas und Louisiana kräftiger Regen ein. Auf den Satellitenbildern ist das umfangreiche Wolkenband östlich des Tiefdruckzentrums am 20.06. gut ersichtlich. Das Bild vom 21.06. 18 UTC zeigt das teilweise wolkenfreie Zentrum von "Cindy" nur noch wenige hundert Kilometer vom Landfall entfernt.

Satellitenbilder Golfstaaten vom 20.06. bis 22.06.2017 | Quelle: SPC NOAA
20.06., 00 UTC 20.06., 12 UTC 20.06., 18 UTC 21.06., 00 UTC 21.06., 12 UTC
21.06., 18 UTC 22.06., 00 UTC 22.06., 12 UTC 22.06., 18 UTC 23.06., 00 UTC

Radarbilder Golfstaaten vom 20.06. bis 22.06.2017 | Quelle: SPC NOAA
20.06., 06 UTC 20.06., 12 UTC 20.06., 18 UTC 21.06., 00 UTC 21.06., 06 UTC 21.06., 12 UTC
21.06., 18 UTC 22.06., 00 UTC 22.06., 06 UTC 22.06., 12 UTC 22.06., 18 UTC 23.06., 00 UTC

24-h Niederschlag USA vom 20.06. bis 22.06. (Ortszeit) und 7-d Niederschlag bis 23.06. 12 UTC | Quelle: Water Weather
24-h RR bis 21.06., 12 UTC 24-h RR bis 22.06., 17 UTC 24-h RR bis 23.06., 12 UTC 7-d RR bis 23.06., 12 UTC

Niederschlagsmengen während "Cindy" in den USA bis 23.06.2017 08 UTC
Datenquelle: WPC NOAA
Ort Bundesstaat Regenmenge
Ocean Springs
Keesler AFB
Gulfport-Biloxi
Wiggins
Navarre
Pensacola Airport
Johnsons Beach
Prattville
Mobile/Bates Field
Milton/Whiting Field
Pensacola
Evergreen
Pascagoula
Mississippi
Mississippi
Mississippi
Mississippi
Florida
Florida
Florida
Alabama
Alabama
Florida
Florida
Alabama
Mississippi
312,4 mm
221,2 mm
217,9 mm
215,9 mm
210,8 mm
210,3 mm
203,2 mm
172,7 mm
168,9 mm
161,5 mm
154,9 mm
151,6 mm
136,7 mm

Auswirkungen der Regenfälle

Große Regenmengen zwischen 100 mm und 300 mm sorgten für überschwemmte Straßen in einigen Städten in Mississippi, Louisiana, Alabama und Florida. Östlich des Mississippi Rivers kam es zu einer Sturmflut mit einer Höhe von bis zu 1,20 m. Einige Flüsse entlang der Golfküste erreichten die zweithöchste Hochwasserwarnstufe. Darüber hinaus richteten Sturmböen beim Landfall von "Cindy" vereinzelt kleinere Schäden an. Die feuchtwarmen Luftmassen vom Golf von Mexiko begünstigten außerdem die Entstehung einzelner heftiger Gewitter, bei denen mindestens 3 bestätigte Tornadofälle zu Schäden führten.

Pegelstände ausgewählter Flüsse entlang der Golfküste | Quelle: Water Weather
West Hobolochitto Creek, McNeill Biloxi River, Wortham Styx River, Elsandor Biloxi River, Lyman


Text: JW
23. Juni 2017