Wettergefahren-Frühwarnung | Heftige Gewitter, Tornados, Hagel, Orkanböen - Süden, Südosten, Osten der USA - 02.-06.04.2017
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Freitag, 07. April 2017, 16:15 MESZ



Heftige Gewitter / Hagel / Tornados


USA

02.-06.04.2017


Satellitenbild USA, 05.04.2017
Quelle: NASA Worldview

Anfang April 2017 kam es im Süden und Südosten der USA zu kräftige Gewittern, die teilweise mit EF2 Tornados, großem Hagel bis 7,5 cm Durchmesser und Orkanböen über 130 km/h einhergingen. Größere Schäden wurden an Gebäuden durch umgestürzte Bäume infolge von Tornadoereignissen festgestellt. Während der Gewitterserie kamen fünf Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.


Wetterlage und Entwicklung

Mit dem Vorstoß eines Langwellentrogs am 23. März von Kalifornien bis in den Norden Mexikos änderte sich das großräumige Strömungsmuster über dem nordamerikanischen Kontinent. Lag der Jetstream in den vorherigen Wochen bevorzugt über dem nördlichen Teil der USA, schob er sich in der Folge weiter nach Süden über die Mitte und den Süden des Landes. Eine erste Gewitterserie am 23.03. und 24.03. folgte am 26.03. und 27.03. bereits der nächste Durchgang, unter anderem in Oklahoma, Texas, Tennessee und Kentucky mit 295 Meldungen von Hagel, Tornados und Starkwindböen am 27.03. Bei beiden Ereignissen schob sich ein Höhentrog von Kalifornien über die Rocky Mountains ostwärts und sorgte dabei im mittleren Westen für die Entstehung eines Bodentiefs. Damit verbunden wurden feuchtwarme Luftmassen aus dem mittlerweile bereits 23 - 25 °C warmen Golf von Mexiko nach Norden advehiert. Kräftige vertikale Windscherung aufgrund der Lage des Jetstreams sorgte, neben den Hebungsvorgängen vorderseitig des Höhentrogs, für die restlichen Voraussetzungen für die Bildung schwerer Gewitter. Nach dem gleichen Muster kam am 27.03. im Westen der USA bereits der nächste Höhentrog vom Pazifik her ins Landesinnere voran. Auch in der nachfolgenden Woche änderte sich an der Wetterlage nur recht wenig. In einer kräftigen westlichen Höhenströmung kamen immer wieder Höhentröge ostwärts voran, die in den Südstaaten östlich der Rocky Mountains zur Entstehung von Bodentiefs führten.
Für die Gewitterlage am 2. und 3. April zeichnete sich ein Trog verantwortlich, der sich am 29. und 30. März vom Seegebiet westlich von Kanada nach Südosten verlagerte. Dabei kamen relativ kühle Luftmassen bis in den Norden Kaliforniens voran (0 °C - Isotherme in 850 hPa am 30.03., 12 UTC). Am 31. März schnürte sich aus dem Trog ein kräftiges Höhentief über dem Bundesstaat Nevada ab. An dessen Vorderseite hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits über Utah ein Bodentief mit einem Kerndruck unter 995 hPa entwickelt. Das Höhentief zog in der Folge nur langsam nach Südosten weiter. Der Bundesstaat Texas befand sich am 01.04., 00 UTC im Ausströmbereich des südlich des Höhentiefs verlaufenden Jetstreams. Dadurch kam es hier zu der Bildung eines neuen Bodentiefs. In den folgenden 24 Stunden änderte sich an der Lage des Höhen- und Bodentiefs nur recht wenig. Das Höhentief wurde von einem Trog über dem Südwesten Kanadas wieder in die Höhenströmung eingeschlossen und verlagerte sich anschließend weiter nach Osten. Dabei reichte dessen Amplitude sehr weit nach Süden bis in die Mitte von Mexiko. Der Südosten von Texas und der Süden Louisianas befanden sich am 2. April in einem Bereich, in dem die Luft durch großräumige Hebungsantriebe vorderseitig des Trogs gehoben wurde. Die unmittelbare Nähe zum Golf von Mexiko resultierte in einer sehr labilen Schichtung mit CAPE Werten von teilweise über 3000 J/kg. Am Boden war am 2. April eine Tiefdruckrinne präsent, welche von der Ostküste von Mexiko bis in den amerikanischen Bundesstaat Arkansas reichte. Der Höhentrog schob sich am 3. April weiter nach Nordosten, sodass sich im Bodendruckfeld über Missouri ein neues Tief ausbildete. Bis zum Abend jenen Tages zog das Tief bis zu den Großen Seen im Norden des Landes. Eine in den unteren sechs Kilometern der Troposphäre fast durchgänge südwestliche Strömung lag an diesem Tag über dem Südosten der USA vor. Die Windscherung vom Erdboden bis in 500 hPa betrug beispielsweise in Georgia ca. 50 kn (25 m/s).

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa pseudopotentielle Temperatur und Bodendruck, CAPE und 500 hPa Geopotential und Vertikalbewegung | Quelle: Wetter3
02.04.2017, 12 UTC 03.04.2017, 00 UTC 03.04.2017, 12 UTC 04.04.2017, 00 UTC 04.04.2017, 12 UTC

Zahlreiche Tornados in Louisiana am 2. April

Meldungen schwerer
Gewitter am 2. April
© SPC
Bereits am Vormittag des 2. April bildeten sich im Südwesten von Texas Gewitter, die anschließend weiter nach Nordosten zogen. Gegen 15 UTC entstand in der Mitte des Staates eine Gewitterlinie, weiter östlich hatten sich bereits wenige Stunden vorher einzelne Supperzellen gebildet. Im Süden von Louisiana meldete Breaux Bridge einen Tornado, der später als EF2 Tornado mit Windgeschwindigkeiten von ca. 185 km/h eingestuft wurde. Der Tornado zerstörte ein Mobile Home in Breaux Bridge. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben. Der Radiosondenaufstieg von Lake Charles im Süden von Louisiana zeigt die Umgebungsbedingungen unmittelbar vor dem Tornado in Breaux Bridge. Eine sehr feuchte untere Troposphäre (Sättigung bis in 850 hPa), dazu die bereits angesprochene Labilität (CAPE ca. 2000 J/kg) und eine vertikale Windscherung von ca. 15 m/s in den untersten 6 Kilometern mit einer Änderung des Windes mit der Höhe (Wind aus östlichen Richtungen am Boden) waren zu diesem Zeitpunkt vorhanden. Zwischen 15 UTC und 22 UTC kamen die Gewitter weiter nach Nordosten voran. Dabei gab es in diesem Zeitraum im Osten Texas und im Süden von Louisiana zahlreiche Tornadobeobachtungen (EF1 und EF2). Dabei wurden hauptsächlich Bäume entwurzelt, 5 Menschen kamen mit Verletzungen davon. Die Gewitterzellen schlossen sich in den Nachmittagstunden mehr und mehr zu einem größeren Gewitterkomplex zusammen (MCS). Am Abend und in der Nacht sorgte Starkregen für lokale Überschwemmungen in Louisiana und im Nachbaarstaat Mississippi. Dabei kamen beispielsweise in Vicksburg (MS) in nur 48 Minuten 73 mm Regen vom Himmel. In dem Ort mussten zwei Menschen aus den überschwemmten Gebieten gerettet werden. In der Stadt Pollock in Louisiana standen nach den Regenfällen ca. 40 % der Straßen unter Wasser. Nach den heftigen Gewittern am 2. April waren in Louisiana 10 000 Menschen kurzzeitig ohne Strom.
Während der Gewitterkomplex am Nachmittag und Abend bereits über Louisiana lag, bildeten sich im Südosten von Texas am Nachmittag nochmals einzelne Gewitterzellen. In Rio Hondo wurden während der Gewitter tennisballgroße Hagelkörner von bis zu 7,5 cm Durchmesser beobachtet. Am Boden hielten die Windschutzscheiben von einigen Autos dem Aufprall der Hagelkörner nicht stand.

Radarbilder (mit markierten Zellen), Satellitenbilder, CAPE und Radiosondenaufstieg Lake Charles (LA) am 2. April im Süden der USA | Quellen: SPC NOAA, UWYO
02.04., 15 UTC 02.04., 20 UTC 03.04., 22 UTC 03.04., 02 UTC
02.04., 15 UTC 02.04., 20 UTC 02.04., 15 UTC 02.04., 12 UTC (Lake Charles)

Squall Line über Georgia am 3. April

An der Vorderseite des Gewitterkomplexes des Vortags bildete sich am Vormittag des 3. April eine Squall Line (geradlinige Gewitterlinie) aus. In Alabama blieben am Morgen als Vorbereitung auf die Gewitter viele Schulen geschlossen. Nachdem die Squall Line hier durchgezogen war, musste in 27 000 Gebäuden die Stromversorgung wieder hergestellt werden. Im Tagesverlauf kamen die Gewitter bis nach Georgia und South Carolina voran. Die Sonneneinstrahlung während der Mittagstunden führte hier dazu, dass die Gewitter wieder stärker wurden und neben Starkwindböen und kräftigem Regen auch mit Tornados einhergingen. Dabei gab es vor allem in Georgia zahlreiche Tornados, die hauptsächlich Bäume entwurzelten. In Ellaville beispielsweise wurden 150 Bäume entwurzelt, einer davon fiel auf ein Haus und verletzte eine Person. Ein Tornado in Smarr beschädigte 30 Häuser. Neben den Tornados kam es zu Schäden durch Hagel bis zu 5 cm Größe (in McIntosh, Georgia) und geradlinigen Starkwindböen (z.b. im Houston County, südlich von Macon, Georgia: 129 km/h). Zehntausende waren nach den Gewittern in Georgia ohne Strom.

Radarbilder, Satellitenbild, Gewittermeldungen und Radiosondenaufstieg Peachtree City (GA) am 3. April im Südosten der USA | Quellen: SPC NOAA, UWYO
03.04., 09 UTC 03.04., 17 UTC 03.04., 19 UTC
03.04., 17 UTC Gewittermeldungen 03.04., 12 UTC (Peachtree City)


Weitere Entwicklung der Wetterlage

Für die nächste Gewitterserie vom 4. bis 6. April war ein Höhentrog verantwortlich, der am 3. April noch über dem Süden von British Columbia im Westen Kanadas lag. Die Amplitude des Trogs reichte bis nach Kalifornien und bis zum 4. April kam dieser relativ schnell bis in den Südwesten der USA voran. Am 04.04., 06 UTC lag die Achse über dem Grenzgebiet von New Mexiko und Arizona, am Boden sank der Luftdruck über Teilen von New Mexiko und Texas. Während über Texas feuchtwarme Luftmassen lagen (ca. 15 °C in 850 hPa) konnte trockene und kalte Luft (0 °C in 850 hPa) bis in den Westen von Oklahoma vorstoßen. Dadurch bildete sich eine markante Kaltfront aus, die von Kansas bis in den Süden von Texas reichte. Östlich der Kaltfront war die Luft sehr labil geschichtet (CAPE: 1500 - 2000 J/kg). Im Bodendruckfeld zog das zugehörige Tiefdruckgebiet von Missouri nordostwärts bis nach Kentucky und intensivierte sich dabei auf einen Bodendruck von unter 1000 hPa. Aufgrund eines Druckgradientens von ca. 15 hPa bis in den Süden Floridas konnten am 5. April südliche bzw. südöstliche Winde feuchtwarme Luftmassen über dem Südosten der USA nach Norden advehieren. In der Höhe lag eine kräftige Südwestströmung vor (ca. 25 m/s in 500 hPa), die Schichtung war im Südosten teilweise verbreitet sehr labil (CAPE: > 2000 J/kg). Über dem Nordosten der USA verstärkte sich das Bodentief am 6. April weiter auf einen Druck von unter 990 hPa, die zugehörige Kaltfront erreichte am Nachmittag (Ortszeit) an jenem Tag die Atlantikküste. Vor dem Eintreffen der Kaltfront gelang es feuchtwarmen Luftmassen entlang der Ostküste bis weit nach Norden vordzudringen. Mit dem Durchzug der Front setzte sich in der Folge trockene und stabiler geschichtete Luft durch.

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa pseudopotentielle Temperatur und Bodendruck, CAPE und 500 hPa Geopotential und Vertikalbewegung | Quelle: Wetter3
05.04.2017, 00 UTC 05.04.2017, 12 UTC 06.04.2017, 00 UTC 06.04.2017, 12 UTC 07.04.2017, 00 UTC

EF2 Tornado in Goodman (MO), Hagel bis 7 cm in Tiawah (OK) am 4. April

In den Nachmittagstunden des 4. April bildeten sich in Oklahoma kräftige Gewitterzellen aus. Eine Superzelle brachte in Tiawah (Oklahoma) Hagel mit einer Korngröße bis 7 cm. Auf dem Satellitenbild ist die Superzelle um 22 UTC gut erkennbar. In den folgenden zwei Stunden zog die Zelle weiter nach Nordosten, im Bereich des Aufwindes bildete sich ein Tornado aus. In Goodmann im Südwesten von Missouri richtete der Tornado (später als EF2 Tornado klassifiziert) größere Schäden an einer Schule, einem Feuerwehrhaus und in Teilen des Stadtzentrums an. In der Stadt wurden während des Ereignisses Orkanböen von bis zu 129 km/h gemessen, zwei Menschen trugen Verletzungen davon. Auch in Kansas konnten Orkanböen aufgezeichnet werden (Altoona: 132 km/h). In der ersten Nachthälfte bildeten sich weiter östlich in Alabama neue Gewitterzellen aus, die in Eufaula und Clayton Hagel mit einem Durchmesser von 6 cm brachten.

Radarbilder (mit markierten Zellen), Satellitenbild, Gewittermeldungen und Radiosondenaufstieg Springfield (MO) am 4. April | Quellen: SPC NOAA, UWYO
04.04., 22 UTC 05.04., 00 UTC 05.04., 07 UTC
04.04., 22 UTC Gewittermeldungen 05.04., 00 UTC (Springfield)

Über 450 Meldungen von Tornados, Hagel und Starkwindböen am 5. April

Wie bereits erwähnt waren die Umgebungsbedingungen für die Entwicklung von schweren Gewittern mit großem Hagel, langlebigen Tornados und Starkwindböen am 5. April über dem Südosten der USA besonders günstig. Das Gewitter Vorhersagezentrum (SPC) des amerikanischen Wetterdienstes gab die höchste Warnstufe für Teile von Georgia heraus. An jenem Tag gingen 450 Meldungen von Tornados, Hagel und Starkwindböen ein. Es gab 207 Hagel- und 17 Tornadomeldungen. Ein größerer "Tornado Outbreak" mit mehreren langlebigen Tornados trat allerdings nicht auf, die Gewitter fielen nicht so heftig aus wie zunächst erwartet wurde. Dennoch gab es einzelne langlebige Tornados im Süden von Georgia, in Weston gab es Berichte über größere Schäden nach dem Durchzug des Gewitters. Am Flughafen in Atlanta (Georgia) blieben 450 Flugzeuge am Boden, in dem Bundesstaat mussten einige Menschen nach kräftigen Regenfällen aus überfluteten Gebieten gerettet werden. Am Abend waren in Georgia über 6000 Menschen ohne Strom. Schäden gab es auch in South Carolina, Tennessee und Kentucky. In Alabama bildeten sich am Nachmittag zahlreiche Einzelzellen. In Munford gab es Hagel bis 7,5 cm Durchmesser, Pell City registrierte Hagelkörner mit bis zu 6 cm Durchmessser.

Radarbilder (mit markierten Zellen), Satellitenbild, Gewittermeldungen und CAPE am 5. April | Quellen: SPC NOAA, UWYO
05.04., 17 UTC 05.04., 21 UTC 05.04., 23 UTC
05.04., 17 UTC Gewittermeldungen 05.04., 15 UTC

Abschluss der Gewitterserie an der Ostküste am 6. April

In den Morgenstunden sorgten Gewitter im Bereich der Kaltfront in der Mitte Floridas für Schäden. So zerstörte ein Tornado auf einem Campingplatz in Fort Meyers ein Mobile Home. Dabei gab es eine verletzte Person. Entlang der Ostküste kam es am Vormittag (Ortszeit) des 6. April zu kräftigen Gewittern von Virginia bis nach Delaware. So deckten Windböen in der Hauptstadt Washington, D.C. einzelne Dächer ab (unter anderem das Dach einer Kirche). Der Flugbetrieb des Hauptstadtflughafens wurde am Vormittag ausgesetzt. In Virginia richteten Tornados Schäden durch umgestürzte Bäume und Stromleitungen an. In Pennsylvania kam es in der Hauptstadt Philadelphia zu Überschwemmungen, in Delaware wurden zwei Menschen verletzt nachdem ein Baum auf ihr Auto gestürzt war.

Radarbilder (mit markierten Zellen), Satellitenbild, Gewittermeldungen und CAPE am 5. April | Quellen: SPC NOAA, UWYO
06.04., 12 UTC 06.04., 15 UTC 06.04., 17 UTC
06.04., 08:25 UTC 06.04., 17 UTC Gewittermeldungen


Text: JW
07. April 2017