Wettergefahren-Frühwarnung | Starkschneefall, Sturm: Wintersturm "Stella" - Nordosten der USA - 14.-15.03.2017
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Freitag, 17. März 2017, 11:00 MEZ



Starkschneefall, Sturm
Wintersturm "Stella"

USA

14.-15.03.2017


Satellitenbild, 15.03.2017
Quelle: NASA Worldview

Im März 2017 zog Wintersturm "Stella" entlang der amerikanischen Ostküste und brachte verbreitet Neuschneemengen von 30 cm bis 90 cm in den Bundesstaaten New York, Pennsylvania und Vermont. In West Winfield (New York) fielen gar 1,07 m Neuschnee währen des Sturms. Eine Druckänderung von ca. 50 hPa in weniger als 36 Stunden konnte in Southold auf Long Island gemessen werden. Schnee, Eisregen und Sturm führten zu Schäden an Häusern und Überschwemmungen in Küstennähe. Während "Stella" waren zwischenzeitlich 500 000 Menschen ohne Strom, 6000 Flüge fielen aus oder verspäteten sich. Mindestens 16 Menschen kamen in Verbindung mit dem Wintersturm ums Leben.


Wetterlage und Entwicklung

Zwischen kontinentaler Kaltluft im Südwesten von Kanada (-20 °C in 850 hPa) und warmen Luftmassen im Westen der USA (5 °C Isotherme reichte bis in die Mitte von Idaho) stellte sich zur Monatsmitte im März 2017 eine Frontalzone ein. Darin eingebettet verlagerte sich ein Kurzwellentrog am 12.03. von der Westküste in die Mitte des Landes. Durch Hebung an der Vorderseite des Trogs bildete sich über dem Mittleren Westen der USA an diesem Tag ein Bodentief aus, welches den Namen "Stella" erhielt. Sehr hoher Luftdruck lag am 13.03. über großen Teilen der USA. Tief "Stella" wies zu diesem Zeitpunkt einen für ein Tiefdruckgebiet relativ hohen Bodendruck von 1020 hPa auf. Zum Hochdruckgebiet über North Dakota bedeutete dies ein Druckunterschied von ca. 20 hPa. Der Höhentrog vergrößerte in der Folge seine Amplitude und reichte am 14.03. bis in den Golf von Mexiko. Gleichzeitig kam das Bodentief weiter in Richtung Atlantik voran und erreichte am 14.03. um 06 UTC die Küste von North Carolina. Mit einer südlichen Strömung konnte von nun an feuchtwarme Luft aus den Subtropen bodennah in Richtung des Tiefdruckkerns advehiert werden. Die Überlagerung von mit der Höhe zunehmender positiver Vorticityadvektion an der Vorderseite des Troges, Schichtdickenadvektion und diabatischer Wärmeübergänge, bei Kondensation der feuchtwarmen Luftmassen, führten zu einer starken Vertikalbewegung der Luft im Zentrum des Tiefs. Damit verbunden sank der Bodendruck um mehr als 20 hPa innerhalb von nur 12 Stunden. "Stella" zog entlang der Ostküste von North Carolina in Richtung Long Island. An der Rückseite konnten kalte Luftmassen aus Kanada weit nach Süden vordringen. Die -20 °C Isotherme befand sich am 14.03. über den Großen Seen im Norden des Landes. Mit der Verlagerung von Wintersturm "Stella" in Richtung kanadischer Grenze, kam am 15.03. die Kaltluft auch an die Ostküste des Landes voran. "Stella" schwächte sich in der Folge über dem Osten Kanadas ab.

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa Geopotential und Temperatur, 850 hPa pseudopotentielle Temperatur und Bodendruck | Quelle: Wetter3
13.03.2017, 12 UTC 14.03.2017, 00 UTC 14.03.2017, 12 UTC 15.03.2017, 00 UTC 15.03.2017, 12 UTC 16.03.2017, 00 UTC

Extremer Druckfall während "Stella"

Bevor Wintersturm "Stella" am 14.03. um ca. 21 UTC den östlichen Teil von Long Island überquerte erreichte der Bodendruck im Zentrum des Tiefs ca. 979 hPa. Für die Wetterstation in Southold auf Long Island bedeutete dies ein Druckfall von ca. 50 hPa von 1030 hPa am Morgen des 13.03. auf ca. 980 hPa am Abend des 14.03. Derartige Druckänderungen sind sonst eher beim Durchzug von tropischen Wirbelstürmen zu beobachten. Zweistündige Druckänderungen von ca. 9 hPa konnten am 14.03. um 21 UTC nördlich des Bodentiefzentrums gemessen. Es stellte sich ein Druckgradient von ca. 45 hPa zwischen der Ostküste und den Großen Seen ein. Damit verbunden kam es zu kräftigen Windböen, die entlang der Küste verbreitet 80 km/h bis 115 km/h erreichte. Auf Plum Island in Massachusetts konnte sogar eine Orkanböe von 124 km/h gemessen werden.

Bodendruck mit Druckänderung, Satellitenbild, Stationsdaten Southold (New York) | Quellen: Nysmesonet, SPC NOAA
14.03.2017, 21 UTC 14.03.2017, 18 UTC Stationsdaten Southold (NY)

Bodendruck mit Wind, Radarbilder, 24-h Niederschlagsmengen Nordosten USA | Quellen: SPC NOAA, Water Weather
14.03., 00 UTC 14.03., 06 UTC 14.03., 12 UTC 14.03., 18 UTC 15.03., 00 UTC 15.03., 06 UTC 15.03., 12 UTC
14.03., 00 UTC 14.03., 06 UTC 14.03., 12 UTC 14.03., 18 UTC 15.03., 00 UTC bis 14.03., 12 UTC bis 15.03., 12 UTC

Große Neuschneemengen in New York, Pennsylvania und Vermont

In Teile der Bundesstaaten New York, Pennsylvania und Vermont fielen während des Wintersturms große Neuschneemengen. Spitzentreiter war West Winfield mit 1,07 m Neuschnee. Verbreitet kamen zwischen 30 cm und 90 cm Schnee zusammen, Schnefallraten von 17 cm/h bzw. 13 cm/h konnten in Ilion (New York) und Burlington (Vermont) gemessen werden. Einen neuen Rekord stellte die Wetterstation in Binghamton (New York) mit 80 cm Neuschnee in gerade einmal 24 Stunden auf. Der alte Rekord aus dem Jahre 1961 lag bei 58 cm. In Burlington (Vermont) fiel 77 cm Neuschnee der zweitmeiste seit 117 Jahren. Die 40 cm Schneehöhe am Bradley International Airport, in der Nähe von Windsor Locks (Connecticut), bedeutete einen neuen Schneerekord für die Frühlingsmonate März bis Mai.
Während im Landesinnern beachtliche Neuschneemengen zusammen kamen, blieben die Millionenstädte an der Küste größtenteils verschont. Grund dafür waren warme Luftmassen, die stärker als zunächst erwartet wurde, an der Nordostflanke des Tiefs vom Atlantik an die Küste transportiert wurden. Dadurch fiel der meiste Niederschlag als eine Mischung aus nassem Schnee, Eisregen oder Regen und nicht wie zunächst angenommen nur als Schnee. Meist konnte ein Gradient von ca. 40 cm an Neuschneezuwachs auf ungefähr hundert Kilometern von der Küste ins Landesinnern beobachtet werden.

Schneehöhen, Neuschneemengen Nordosten | Quellen: NOHRSC NOAA, NWS
13.03.2017, 06 UTC 14.03.2017, 06 UTC 15.03.2017, 06 UTC Neuschneemengen Nordosten

54-h-Neuschneemengen USA bis 15.03.2017 22 UTC
Datenquelle: WPC NOAA
Ort Bundesstaat Neuschnee
West Winfield
Bridgewater
Hunter
Oxford
Endwell
Ilion
Woodford
Au Sable Forks
Wurtsboro
Oakland
Gabriels
Saranac Lake
Jay
New York
New York
New York
New York
New York
New York
Vermont
New York
New York
Pennsylvania
New York
New York
Vermont
107 cm
104 cm
97 cm
94 cm
92 cm
91 cm
89 cm
89 cm
89 cm
88 cm
87 cm
87 cm
86 cm
Ort Bundesstaat Neuschnee
Jefferson
Leonardsville
Plymouth
Ruth
Oneonta
West Shokan
Wyalusing
Wilkes-Barre
Susquehanna
Fishs Eddy
Keene Valley
Lake Placid
Westford
New York
New York
New York
New York
New York
New York
Pennsylvania
Pennsylvania
Pennsylvania
New York
New York
New York
Vermont
86 cm
86 cm
86 cm
86 cm
85 cm
84 cm
84 cm
83 cm
82 cm
82 cm
81 cm
81 cm
81 cm

Spitzenböen USA während Wintersturm "Stella"
Datenquelle: WPC NOAA
Ort Bundesstaat Spitzenböe
Plum Island
Eastport
Winter Harbor
Seaside Heights
West Island
Barnstable
Newington
Tuckerton
Eatons Neck
Hampton Bays
Bradford
Milford
Westhampton Airport
Massachusetts
Maine
Maine
New Jersey
Massachusetts
Massachusetts
New Hampshire
New Jersey
New York
New York
Massachusetts
Massachusetts
New York
124 km/h
109 km/h
106 km/h
105 km/h
103 km/h
101 km/h
100 km/h
100 km/h
100 km/h
100 km/h
98 km/h
98 km/h
97 km/h

Auswirkungen von Wintersturm "Stella"

Durch die heftigen Windböen verbunden mit Eisrgen südlich des Tiefdruckzentrums kam es zu mehreren Astabbrüchen, einzelne Schäden an Häusern wurden gemeldet. In New Jersey führten die Windböen zu Überschwemmungen entlang der Küste. Insgesamt waren durch Schnee und Sturm mindestens 500 000 Menschen zwischenzeitlich ohne Strom. Auf den Straßen im Nordosten der USA kam es zu vielen Unfällen. 16 Menschen starben aufgrund des Wintersturms, die Meisten kamen in Verkehrsunfällen ums Leben. Mindestens 6000 Flüge verspäteten sich oder wurden komplett abgesagt. In einigen großen Städten an der Ostküste (u.a. New York und Boston) blieben öffentliche Einrichtungen während des Sturms geschlossen.


Text: JW
17. März 2017