Wettergefahren-Frühwarnung | Tropischer Wirbelsturm "Enawo" - Madagaskar - 07.-08.03.2017
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

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Freitag, 10. März 2017, 19:30 MEZ



Tropischer Wirbelsturm
Enawo

Madagaskar

07.-08.03.2017


Satellitenbild, 06.03.2017 10:10 UTC
Quelle: NASA Earthobservatory

Anfang März 2017 traf mit Zyklon "Enawo" der stärkste tropische Wirbelsturm auf den Nordosten von Madagaskar seit Gafilo aus dem Jahre 2004. Als Zyklon der Kategorie 4 machte "Enawo" am Morgen des 7. März zwischen Sambava und Antalaha Landfall und traf die Region mit extremen Orkanböen und heftigem Niederschlag. In Sambava fielen binnen 48 Stunden 319 mm Regen. Der Wirbelsturm zerstörte viele Häuser und ließ fast 10 000 Menschen obdachlos zurück. Mindestens 5 Menschen kamen bei dem Sturm ums Leben. Nach dem Landfall schwächte sich "Enawo" reibunsbedingt recht schnell ab und zog anschließend in Richtung des südlichen Teils von Madagaskar. Dabei kam es zu weiteren kräftigen Regenfällen, die gebietsweise Überschwemmungen und Erdrutsche hervorriefen.


Wetterlage und Entwicklung

Zugbahn "Enawo"
© Weather Unisys
Zyklon "Enawo" entstand Anfang März aus einem Gebiet hochreichender Konvektion im südlichen indischen Ozean. Am 03. März wurde das System als tropischer Sturm eingestuft und erreichte mittlere Windgeschwindigkeiten von 45 kn (83 km/h). In der Folge zog "Enawo" an der Nordflanke eines Hochdruckgebiets in einer südwestlichen Richtung auf die Insel Madagaskar zu. Günstige Umgebungsbedingungen für die Intensivierung (Meeresoberflächentemperaturen von ca. 30 °C, geringe vertikale Windscherung von ca. 15 kn) sorgten dafür, dass der Wirbelsturm sich am 4. März zunächst zu einem Zyklon der ersten Kategorie verstärkte. Am Folgetag führte die Augenwand des Sturms einen sogenannten "Eyewall-Replacement-Cycle" durch. Dabei wird die innere Augenwand, in der die größten Windgeschwindigkeiten herrschen, von einer äußeren Augenwand ersetzt. Der Vorgang geht normalerweise mit einer kurzer Abschwächung des Sturms und anschließender, nach dem Ersetzten der Augenwand, erneuter Intensivierung einher. So erlangte "Enawo" nach dem "Eyewall-Replacement-Cycle" am 6. März, wenige hundert Kilometer von der Nordostküste Madagaskars entfernt, die zweithöchste Wirbelsturmkategorie 4 mit mittleren Winden von 125 kn (232 km/h). Im Zentrum konnte sich zu diesem Zeitpunkt ein wolkenfreies Auge ausbilden, der Bodendruck erreichte ca. 925 hPa. Als Kategorie 4 Zyklon traf "Enawo" am 7. März auf den Nordosten Madagaskars. Zwischen Antalaha und Sambava machte der Wirbelsturm an diesem Tag um ca. 9.30 UTC Landfall und war damit der stärksten Sturm in Madagaskar seit dem Zyklon Gafilo aus dem Jahre 2004.

Satellitenbilder Zyklon "Enawo" | Quelle: NASA Worldview
03.03.2017 04.03.2017 05.03.2017 06.03.2017 07.03.2017 08.03.2017

Auswirkungen

Extreme Orkanböen und kräftige Regenfälle gingen mit dem Landfall des Zyklons im Nordosten von Madagaskar einher. Die Regengebiete des Wirbelsturms hatten in Sambava bereits am 6. März für heftige Niederschläge gesorgt (104 mm in 24 Stunden). Binnen 48 Stunden fielen hier bis zum 8. März (06 UTC) 319 mm Regen. Es kam durch die Windböen und Niederschläge zu großen Zerstörungen in Madagaskar. Viele Häuser wurden zerstört und ließen fast 10 000 Menschen obdachlos zurück. Mindestens fünf Menschen kamen durch den Wirbelsturm ums Leben. Nach dem Landfall schwächte sich "Enawo" reibunsbedingt zwar recht schnell ab, brachte aber in der Folge bei seiner südlichen Zugbahn über die Insel auch noch heftige Regenfälle in der Mitte und im Süden mit sich. Der heftige Niederschlag sorgte für Überschwemmungen und Erdrutsche. In der Hauptstadt Antananarivo, knapp tausend Kilometer von dem Ort des Landfalls entfernt, beispielsweise fielen während "Enawo" 156 mm Regen.

Sturmdaten, Radarbilder und Gesamtniederschlag | Quellen: Weather Unisys , TRMM
Daten zu "Enawo" Radarbild 06.03. 03 UTC Radarbild 07.03. 07.30 UTC Niederschlag 03.-08.03.

24-h-Niederschlagssummen vom 07. bis 09.03. (links) und 72-h-Niederschlagsmengen 07. bis 09.03. (rechts) in Madagaskar
Datenquelle: OGIMET
Ort RR24 bis Datum
Mananjary
Sambava
Flanarantsoa
Saint-Marie Aerodrome
Sambava
Atsohihy
Antananarivo
237 mm
215 mm
137 mm
128 mm
104 mm
104 mm
100 mm
09.03., 06 UTC
08.03., 06 UTC
09.03., 06 UTC
08.03., 06 UTC
07.03., 06 UTC
09.03., 06 UTC
09.03., 06 UTC
Ort RR72
Sambava
Mananjary
Tamatave
Atsohihy
Saint-Marie Aerodrome
Antananarivo
Flanarantsoa
332 mm
295 mm
211 mm
208 mm
174 mm
156 mm
141 mm


Text: JW
10. März 2017