Wettergefahren-Frühwarnung | Tropischer Wirbelsturm "Hermine" - USA - 01.-04.09.2016
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Mittwoch, 07. September 2016, 10:00 MESZ



Tropischer Wirbelsturm
Hermine

USA

01.-04.09.2016


Satellitenbild, 01.09.2016, 16:25 UTC
Quelle: Nasa

Mit Hurrikan "Hermine" traf Anfang September 2016 nach 11 Jahren wieder ein Hurrikan auf den amerikanischen Bundesstaat Florida. Nach langsamer Entwicklung in der Karibik aufgrund von trockener Luft in der Umgebung und mäßiger vertikaler Windscherung, intensivierte sich "Hermine" in den letzten 30 Stunden vor dem Landfall von einem tropischen Tief zu einem Hurrikan der Kategorie 1. Neben Orkanböen brachte der Sturm auch kräftige Regenfälle zwischen 150 mm und 300 mm mit sich. Darüber hinaus kam es an im Westen und Nordwesten von Florida zu einer Sturmflut. Mindestens 3 Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Überschwemmungen und umgestürzte Bäume verursachten die größten Schäden. Mehrere hundertausend Menschen waren zwischenzeitlich ohne Strom.


Langsame Entwicklung in der Karibik

Zugbahn von "Hermine"
© Tropical Stormrisk
Tropische Wellen sind sehr häufig der Auslöser von Hurrikans über dem Atlantik. Sie propagieren meist von Afrika aus westwärts über den Atlantik. Nicht immer bildet sich aus einer Welle ein Hurrikan, allerdings sind die Wellen oftmals eine entscheidende Anfangsstörung, welche es dem konvektiven System erlaubt sich zu einem tropischen Wirbelsturm zu organisieren. Hurrikan "Hermine" entstand aus einer tropischen Welle, die Mitte August über den Atlantik in Richtung Karibik wanderte. Dabei verhinderte vor allem das Einfließen von trockener Luft im Bereich der Störung eine Intensivierung. Zum Ende des August 2016 verlagerte sich die tropische Störung langsam über Puerto Rico und die Bahamas in Richtung Kuba. Dort kam es vor allem im nördlichen Teil der Insel zu kräftigen Regenfällen mit Mengen von über 200 mm innerhalb von zwei Tagen. Vor allem die Nähe zum sehr warmen Wasser des Golf von Mexiko erlaubte es der Störung sich allmählich besser zu organisieren. Am 28.08. wurde das System offiziell als tropisches Tief eingestuft. Anders als es die für eine Intensivierung des Tiefs sehr günstigen Meeresoberflächentemperaturen von 30 °C - 31 °C erwarten ließen, verstärkte sich das System am 30.08. nicht wesentlich. Trockene Luft im Norden und Westen waren die Hauptursache für die langsame Verstärkung. Die vertikale Windscherung war mit ca. 10 - 15 Knoten nicht direkt hinderlich dafür. Am Tag darauf konnte eine deutliche Zunahme der Konvektion beobachtet werden. Auf dem Bild der zu erwartenden Regenmengen innerhalb des Sturms sind gut organisierte Regenbänder an der Ostseite zu erkennen. Am Abend des 31.08. wurde das Tief dann als tropischer Sturm eingestuft und bekam den Namen Hermine. Obwohl der Sturm noch mehrere hundert Kilometer von der Küste entfernt war, machte er sich an der Küste Floridas bereits durch erste Sturmfluten bemerkbar. Kräftige Südwinde an der Ostseite des Sturms waren der Auslöser dafür.

Satellitenbilder, Windfeld, Umgebungsbedingungen, Regengebiete und Intensitätsvorhersage | Quellen: CIMSS, Worldview NASA, TRMM NASA, Tropicaltidbits, SSD NOAA
29.08.2016 30.08.2016 31.08.2016 31.08.2016 21:45 UTC (WV)
Windfeld 31.08. 18 UTC Regenbänder 31.08. 06.46 UTC SST und Shear 31.08. 12 UTC Intensität Prognose 31.08. 18 UTC

Intensivierung zum Hurrikan am 01.09.

Zum Zeitpunkt der Einstufung als tropischer Sturm am 31.08. um 18 UTC wies "Hermine" einen recht hohen Bodendruck von 1004 hPa auf. Die meisten Modelle rechneten zu diesem Zeitpunkt zwar mit einer Intensivierung, hatten aber die Verstärkung zu einem Hurrikan binnen 24 Stunden nicht erwartet. Die Unsicherheiten in der Vorhersage der Intensität tropischer Wirbelstürme sind in der Regel wesentlich größer als die bei der Vorhersage der Zugbahn. "Hermine" wurde am 01.09. um 18 UTC als Hurrikan der Kategorie 1 eingestuft, nachdem der Sturm mittlere Windgeschwindigkeiten von 120 km/h und einen Bodendruck von 988 hPa aufwies. Hoch reichende Gewitterzellen an der Nordseite des Hurrikans konnten zu diesem Zeitpunkt beobachtet werden. "Hermine" bildete im Zentrum für einige Stunden ein gut erkennbares Auge und eine Augenwand ("eyewall") aus. Auf dem Radarbild sind die Regengebiete nördlich des Zentrums ebenso wie das regenfreie Zentrum gut erkennbar. Aufgrund des sehr warmen Wassers im Golf von Mexiko transportierte Hurrikan "Hermine" große Mengen an Wasserdampf an die Küste von Florida. Es konnten zum Teil sehr hohe Werte für das ausfallbare Wasser in Verbindung mit Hermine gemessen werden. Am 01.09. wurden bis zu 74 mm analysiert.

Druck- und Windfeld, Satellitenbilder, Radarbilder, Ausfallbares Wasser und Wasserdampf Transport | Quellen: SPC NOAA, GOES NASA ,SSD NOAA
01.09.2016, 00 UTC 01.09.2016, 05 UTC 01.09.2016, 15 UTC 01.09.2016, 20 UTC
01.09.2016, 04:30 UTC 01.09.2016, 15:15 UTC 01.09.2016, 19:15 UTC 01.09.2016, 22:15 UTC
01.09.2016, 16 UTC 01.09.2016, 21 UTC 01.09.2016, 19 UTC 01.09.2016, 19 UTC

Landfall in Florida am 02.09.

Windfeld am 02.09. 12 UTC
© SSD NOAA
Die rasche Intensivierung kurz vor dem Landfall lässt vermuten, dass bei etwas günstigeren Umgebungsbedingungen Hurrikan "Hermine" wahrscheinlich als Major Hurrikan die Küste erreicht hätte. Am 02.09. um 05.30 UTC machte der Sturm als Kategorie 1 Hurrikan mit einem Bodendruck von ca. 984 hPa und Mittelwinden von 130 km/h Landfall in St. Marks im Bundesstaat Florida. Eine private Wetterstation am Alligator Point maß eine Böe von 126 km/h als der Hurrikan das meist unbewohnte Gebiet im Norden Floridas traf. Die Regengebiete hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Georgia erreicht. Aufgrund eines Höhentrogs über der Osthälfte der USA und einer damit verbundenen mäßigen Höhenströmung kam "Hermine" relativ schnell nach Nordosten voran. Über Land schwächte sich der Sturm erwartungsgemäß ab. Die stärksten Regenfälle verlagerten sich im Laufe des Tages in Richtung der Carolinas und lagen vor allem an der Nordostseite von "Hermine". Auch die stärksten Winde traten zu diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet auf. Vor allem an der Atlantikküste konnten dabei in North und South Carolina örtlich schwere Sturmböen aufgezeichnet werden.

Bodendruck und Windfeld, Satellitenbilder, Radarbilder und 24-h Niederschlag am 02.09. | Quellen: SPC NOAA, GOES NASA ,SSD NOAA, Water Weather
02.09.2016, 00 UTC 02.09.2016, 05 UTC 02.09.2016, 17 UTC 03.09.2016, 00 UTC
02.09.2016, 00:55 UTC 02.09.2016, 07:30 UTC 02.09.2016, 16:45 UTC 02.09.2016, 19:30 UTC
02.09.2016, 01 UTC 02.09.2016, 05:30 UTC 02.09.2016, 17:30 UTC 24-h RR bis 02.09 12 UTC

Wasserstand in Cedar (Florida)
© TIDES NOAA
Im Norden von Florida und dem Süden Georgias konnte bis zum 02.09. um 12 UTC binnen 24 Stunden verbreitet über 100 mm und örtlich über 200 mm Niederschlag gemessen werden. In Florida hatte es bereits an den Tagen zuvor kräftig geregnet, sodass innerhalb von vier Tagen zum Teil über 300 mm zusammenkam. In Baskin fielen sogar 479,8 mm in diesem Zeitraum. Die Regenfälle ließen die Flusspegel im Westen rasch ansteigen, sodass an einigen Flüssen die zweithöchste Warnstufe erreicht wurde. Neben den Regenfällen verursachte vor allem die Sturmflut an der West- und Nordküste Floridas Überschwemmungen. Eine Flut von bis zu 3 m Höhe (siehe Grafik aus Cedar) sorgte verbreitet für Schäden in küstennähe. Dazu kam es durch zahlreiche umgestürzte Bäume zu Stromausfällen, die in Florida 325 000 Menschen betrafen. Ein Mann starb durch einen umgestürzten Baum.

Pegelstände ausgewählter Flüsse in Florida | Quelle: Water Weather
Alafia River in Lithia Anclote River in Elfers Little Manatee in Wimauma

Überquerung von Georgia und der beiden Carolinas als tropischer Sturm

Durch die Interaktion mit einer Kaltfront über der Osthälfte der USA wandelte sich "Hermine" am 03.09. zu einem außertropischen Sturm um. Auf den Satellitenbildern ist die asymmetrische Struktur gut ersichtlich. Kräftige Regenfälle und Windböen sorgten auch in Georgia und den beiden Carolinas für Schäden durch umgestürzte Bäume und Überschwemmungen. Vor allem an der Küste von North Carolina kamen zwischen 150 mm und 300 mm binnen 24 Stunden zusammen. 2 Menschen starben in Verbindung mit dem Sturm in diesen Bundesstaaten. Auch an der Küste von Virginia kam es zu Überschwemmungen. Ursache war neben den kräftigen Regenfällen auch hier zum Teil eine durch den Sturm ausgelöste Sturmflut. Im weiteren Verlauf hielt sich das System als außertropisches Tiefdruckgebiet vor der Ostküste der USA. Hoher Wellengang in Verbindung mit dem Tief kostete zwei Fischern auf Long Island am 5. September das Leben. Hurrikan "Hermine" war der erste Hurrikan seit Hurrikan Wilma im Jahre 2005, der die Küste von Florida erreichte. Schwierigkeiten ergaben sich in der Vorhersage der Zugbahn nach dem 03.09. Vor allem die langsame Verlagerung lässt die Wahrscheinlichkeit für eine von der Vorhersage abweichende Zugbahn steigen. So verlagerte sich der Sturm etwas weiter nach Osten als zunächst erwartet wurde und stellte nur eine kleine Gefahr für den Nordosten der USA dar.

Bodendruck und Windfeld, Satellitenbilder, Radarbilder und 24-h Niederschlag am 02.09. | Quellen: SPC NOAA, GOES NASA ,Water Weather
03.09.2016, 05 UTC 03.09.2016, 15 UTC 03.09.2016, 20 UTC 04.09.2016, 03 UTC
03.09.2016, 00:15 UTC 03.09.2016, 08:37 UTC 03.09.2016, 14:45 UTC 04.09.2016, 03:30 UTC
03.09.2016, 00:30 UTC 03.09.2016, 06:00 UTC 03.09.2016, 15:45 UTC 24-h RR bis 03.09 12 UTC

,
Pegelstände ausgewählter Flüsse, 7-d Niederschlag und Sturmdaten | Quelle: Water Weather , Unisys Weather
Chesapeake Bay Oyster (Virginia) 7-d RR bis 04.09. 12 UTC Sturmdaten Hermine

Ausgewählte Regenmengen von 30.08. 12 UTC bis 04.09. 14 UTC
Datenquellen: WPC NOAA
Ort Bundesstaat Regenmenge
Baskin 1 SSE
Largo
Cedar Island Raws
Dunedin
Seminole 1 NNE
Myrtle Beach AFB
Holiday 2 NE
Belhaven
Saint Petersburg 2 N
Port Richie
Marshallberg
Oldsmar
Florida
Florida
North Carolina
Florida
Florida
South Carolina
Florida
North Carolina
Florida
Florida
North Carolina
Florida
479,8 mm
387,9 mm
338,8 mm
313,2 mm
272,5 mm
252,2 mm
250,0 mm
249,2 mm
235,5 mm
221,0 mm
218,2 mm
217,4 mm
Ort Bundesstaat Regenmenge
Gum Neck Coop
Ellenton 1 SE
MC Entire Ang Base
Bradenton 1 WSW
Surfside Beach
Maple Hill 7 NE
Manteo 1 WNW
Cove City 6 ESE
Morehead City 1.4 NNW
Fairfield Raws
Holiday Island 1 W
Alma/Bacon Co. Arpt
North Carolina
Florida
South Carolina
Florida
South Carolina
North Carolina
North Carolina
North Carolina
North Carolina
North Carolina
Virginia
Georgia
212,1 mm
210,6 mm
210,1 mm
198,6 mm
195,1 mm
194,3 mm
193,5 mm
192,3 mm
190,0 mm
186,4 mm
165,1 mm
161,8 mm

Ausgewählte Spitzenböen
Datenquellen: Weather.com
Ort Bundesstaat Böe
Indian Shore Beach
Keaton Beach
Tallahassee
Elizabeth City
St.Petersburg Airport
Clearwater Beach
Folly Island
Dewees Island
Norfolk Airport
Shaw Air Force Base
Apalachicola
Brunswick
Florida
Florida
Florida
North Carolina
Florida
Florida
South Carolina
South Carolina
Virginia
South Carolina
Florida
Georgia
121 km/h
108 km/h
103 km/h
100 km/h
100 km/h
100 km/h
95 km/h
93 km/h
89 km/h
87 km/h
85 km/h
85 km/h


Text: JW
07. September 2016