Wettergefahren-Frühwarnung | Hitze/heftige Gewitter - Mittel- / Südosteuropa - 20.-27.07.2016
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

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Sonntag, 31. Juli 2016, 21:00 MESZ


Hitze / heftige Gewitter
Mittel- / Südosteuropa

20. - 27.07.2016




7-d Niederschlagssumme Deutschland
bis 28.07., 06 UTC
Quelle: Wettergefahren-Frühwarnung

Mitte Juli 2016 stellte sich über Mitteleuropa eine Gewitterlage ein. Nach einer kurzem Hitzetag am 20.07. mit 36,4 °C in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) war die Woche vom 21.07. bis zum 27.07. von lokal sehr heftigen Gewittern geprägt. Diese brachten neben Hagel und Sturmböen aufgrund langsamer Verlagerungsgeschwindigkeiten vor allem kräftigen Regen mit sich. Fast täglich gab es Berichte von Überschwemmugen in Mitteleuropa. Betroffen waren auch die Städte Berlin, München, Leipzig, Kassel und Mannheim. In Meyenburg (Brandenburg) wurde am 27.07. eine 3-stündige Regenmenge von 96,7 mm gemessen.


Wetterlage und Entwicklung

Mitte Juli 2016 stellte sich mit Hoch "Burkhard" über West- und Mitteleuropa eine kurze heiße Wetterperiode ein. Dabei kam der Hochdruckkeil vom Atlantik rückseitig eines bis in den zentralen Mittelmeerraum reichenden Höhentrogs am 14.07. nach Frankreich voran. Am 15.07. reichte das Hochdruckgebiet bereits nach Deutschland, wo sich zu diesem Zeitpunkt noch relativ kühle Atlantikluft befand (2 - 5 °C in 850 hPa). Mit einer Warmfront eines Tiefs nördlich der Britischen Inseln kam am 15.07. ein erster Schwall wärmerer Luft nach Mitteleuropa voran. Gleichzeitig sorgte der fast ungestörte Sonnenschein bei 14 bis 16 Stunden Tageslänge für eine Zunahme der Temperatur von Tag zu Tag. Hoch "Burkhard" schwächte sich am 17.07. leicht ab, blieb aber dennoch fast ortsfest über Westeuropa. Sehr warme Luftmassen mit Temperaturen von 25 °C in 850 hPa lagen an diesem Tag über Spanien. Mit einem Trog über dem östlichen Atlantik stellte sich die Zirkulation allmählich um. An der Vorderseite des Trogs drehte der Wind in der Höhe auf eine südwestliche Richtung. Zusätzlich sorgte Divergenz in der Höhe über Frankreich und Spanien für die Entstehung von Tiefdruckzentren am Boden. Hoch "Burkhard" verlagerte sich weiter nach Osten und lag am 18.07. über Mitteleuropa. Mit der südwestlichen Höhenströmung kamen auch die sehr warmen Luftmassen aus Spanien weiter nach Nordosten voran. Am 20.07. sank der Luftdruck mit dem Vorankommen des Trogs über Westeuropa dann auch über dem zentralen Europa. An diesem Tag wurde hier der Höhepunkt der kurzen Hitzeperiode erreicht. Über England entstand am Boden ein Tiedruckgebiet, welches in nordöstlicher Richtung zur Nordsee zog. Die mittlerweile über Mitteleuropa liegende Luftmasse kennzeichnete neben warmen Temperaturen von 13 °C - 17 °C in 850 hPa auch die Feuchtigkeit (51 °C - 60 °C 850 hPa pseudopotentielle Temperatur) und die labile Schichtung (1000 - 2000 J/kg am 21.07.). Damit waren die Umgebungsbedingungen idela für die Entstehung kräftiger Gewitter. Der Höhentrog über Westeuropa reichte am 22.07. von Frankreich bis ins nördliche Afrika. Im südlichen Teil des Trogs schnürte sich an diesem Tag ein Höhentief über dem südlichen Frankreich ab. In Zusammenhang mit diesem Trog und kleineren Kurzwellentrögen an dessen Vorderseite wurden vom 21.07. bis 23.07. immer wieder Gebiete mit positiver Vorticity nach Mitteleuropa advehiert. Die am 20.07. und 21.07. noch recht starken Höhenwinden schwächten sich in den Folgetagen mehr und mehr ab, sodass vor allem langsam ziehende Einzelzellengewitter für Schäden durch Überschwemmungen infolge von Starkregen sorgten.

500 hPa-Geopot. und SLP, Bodendruck und Fronten, 850 hPa-pseudopot. Temp. und SLP, CAPE und Lifted Index | Quelle: Wetter3
20.07.2016, 18 UTC 21.07.2016, 18 UTC 22.07.2016, 18 UTC 23.07.2016, 18 UTC


Hitze in Deutschland am 20.7.

Mit einer südwestlichen Strömung kam sehr warme und feuchte Luft vom 18.07. bis zum 20.07. nach West- und Mitteleuropa voran. Höchsttemperaturen über 40 °C konnten am 18.07. in weiten Teilen Spaniens erreicht werden. In Frankreich wurden die höchsten Temperaturen im Südwesten gemessen. Am 19.07. stieg die Temperatur auch hier über 40 °C, in Spanien maß die Station in Carmona in der Provinz Sevilla eine Temperatur von 42,6 °C. In Deutschland wurde der Höhepunkt der Hitze am 20.07. erreicht. Temperaturen von 20°C bis 21 °C in 850 hPa im Westen und Südwesten Deutschlands ermöglichten bei fast ungestörtem Sonnenschein Werte von über 35 °C. Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz verzeichnete mit 36,4 °C die höchste Temperatur in Deutschland am 20.07.
Über den Niederlanden entwickelten sich am Nachmittag Gewitter, die in der Folge auch Nordrhein-Westfalen erreichten. Auch südlich von Stuttgart bildete sich ein Gewitter. Die relativ kräftige Höhenströmung sorgte für eine schnelle Verlagerung der Zellen. Örtlich gab es Schäden durch Sturmböen und Hagel.

Höchsttemperaturen Europa 18.07., 19.07.
Höchsttemperaturen Deutschland 20.7.

Datenquellen: DWD JavaMap, Aemet
Station Tag Tmax
Carmona (Spanien)
Morón de la Frontera (Spanien)
Sevilla Flughafen (Spanien)
Ourense (Spanien)
Montoro (Spanien)
Fuentes de Andalucía (Spanien)
Fuente Palmera (Spanien)
Bailén (Spanien)
Don Benito (Spanien)
Navalvillar de Pela (Spanien)
19.07.
19.07.
19.07.
18.07.
18.07.
19.07.
19.07.
18.07.
18.07.
18.07.
42,6 °C
42,3 °C
42,3 °C
41,6 °C
41,6 °C
41,6 °C
41,6 °C
41,5 °C
41,2 °C
41,1 °C
Station Niederschlag bis Datum
Bad Kreuznach
Waghäusel-Kirrlach
Ohlsbach
Duisburg-Baerl
Saarbrücken-Burbach
Mannheim
Trier-Zewen
Nörvenich
Andernach
Frankfurt am Main
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Baden-Württemberg
Nordrhein-Westfalen
Saarland
Baden-Württemberg
Rheinland-Pfalz
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Hessen
36,4 °C
36,2 °C
35,9 °C
35,9 °C
35,9 °C
35,8 °C
35,8 °C
35,6 °C
35,5 °C
35,5 °C

Blitzkarte, Satelliten- und Radarbilder am 20.07. | Quellen: Lightning Maps, Sat24, DWD
Blitzkarte Westeuropa Satellitenild De 17.35 UTC Radarbild NRW 17.30 UTC Radarbild De 21.15 UTC

Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen am 21.07.

Pegelstand Veybach im Kreis
Euskirchen am 21.07.
© Landesamt NRW
In Zusammenhang mit einem Kurzwellentrog, der am 21.07. von Frankreich über den Süden Deutschlands nach Tschechien zog und an dessen Vorderseite positive Vorticity advehiert wurde, bildeten sich zunächst in der Nacht vom 20.07. auf den 21.07. im Osten Frankreichs Gewitter. Diese erreichten in der zweiten Nachthälfte auch Baden-Württemberg und verlagerten sich anschließend in nordöstlicher Richtung in die Mitte Deutschlands. Verbunden mit den Gewittern kam es in Karlsruhe zu Schäden durch Sturmböen. Im Laufe des Tages stellte sich über dem Süden und der Mitte eine zyklonale Zugbahn der Gewitter um das nach Nordosten ziehende Bodentief ein. Am Vormittag konnten in Bad Hersfeld in Hessen 74,3 mm Regen binnen 6 Stunden bis 12 UTC gemmessen werden. Südlich des Zentrums des Höhentiefs bildete sich im Westen Bayerns am Nachmittag eine Superzelle, die in östlichen Zugbahn unter anderem auch über die Stadt München zog. Hagel bis 5 cm konnte im Landkreis Rottall-Inn beobachtet werden, in München entstanden Schäden durch Sturmböen. Eine kräftige vertikale Windscherung von 20 m/s in den unteren 1500 Metern machten die Entwicklung der Superzelle möglich.
Anders war die Situation im nördlichen Rheinland-Pfalz und südlichem Nordrhein-Westfalen. Hier lag nur eine schwache vertikale Windscherung vor, sodass die Gewitter hier lange Zeit an Ort und Stelle verweilten. Im Kreis Euskirchen im südlichen Nordrhein-Westfalen kam es dadurch zu schweren Überschwemmungen. Der Veybach verzeichnete einen Anstieg von 90 cm in kruzer Zeit von 45 cm auf über 1,30 cm. Dies entspricht der Hochwassermeldestufe 2. Auch Niedersachsen bildete sich eine Linie mit fast stationären Gewittern. In Bad Gandersheim im südlichen Niedersachsen sorgten die heftigen Regenfälle für vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen. In der Nacht zum 22.07. konzentrierten sich die heftigsten Gewitter auf Tschechien und die Osthälfte von Österreich. In Mönkirchen in Österreich kamen 70 mm Regen innerhalb von 6 Stunden bis 00 UTC am 22.07. zusammen.

Satelliten-, Radarbilder, Blitzkarte und Niederschlag in Deutschland am 21.07. | Quellen: Sat24, DWD, Lightning Maps
Satbild 05:20 UTC Satbild 12:25 UTC Satbild 14:40 UTC Satbild 16:00 UTC
Radarbild 01:50 UTC Radarbild 09:25 UTC Radarbild 14:40 UTC Radarbild 16:00 UTC
Blitzkarte Westeuropa 24-h Niederschlag, 22.7. 06 UTC Radarbild NI 16 UTC Radarbild RP 16 UTCC

1-h Regenmengen am 21.07. (links) und 24-h Regenmengen bis 22.07. 06 UTC (rechts)
Datenquelle: DWD JavaMap
Station Land/Bundesland RR 1h bis
Schleiden-Gemünd
Lauperath-Scheidchen
Weißenseifen
Bechhofen-Voggendorf
Kirchweiler
Essel
Neuhausen ob Eck
Krölpa-Rockendorf
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz
Bayern
Rheinland-Pfalz
Niedersachsen
Baden-Württemberg
Thüringen
48,9 mm
45,5 mm
41,4 mm
40,1 mm
36,8 mm
33,4 mm
32,2 mm
31,7 mm
16 UTC
17 UTC
16 UTC
14 UTC
15 UTC
16 UTC
12 UTC
10 UTC
Station Land/Bundesland RR 24h
Mechernich Glehn
Bad Hersfeld
Herßdorf-Weißenseifen
Pellingen
Weißenseifen
Hörselberg-Hainich-Behringen
Kirchweiler
Schleiden-Gemünd
Nordrhein-Westfalen
Hessen
Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz
Thüringen
Rheinland-Pfalz
Nordrhein-Westfalen
85,7 mm
81,8 mm
66,2 mm
65,4 mm
61,4 mm
54,7 mm
53,2 mm
51,3 mm

Gewitter mit Starkregen und Sturmböen in weiten Teilen Mitteleuropas am 22.07.

Radiosondenaufstieg
Idar-Oberstein am 22.07., 12 UTC
© Wyoming Upper Air
Geringe Luftdruckgegensätze, eine schwache Höhenströmung und die Lage an der Vorderseite des Langwellentrogs über Westeuropa kennzeichnten die Wetterlage in Mitteleuropa am 22.07. In der unverändert feuchtwarmen und labil geschichteten Luft bildeten sich erneut kräftige Gewitter. Zu Beginn des Tages konzentrierten sich die Gewitter vor allem auf das südöstliche Frankreich, die Niederlande und den Nordwesten Deutschlands. Im Tagesverlauf bildeten sich neue Gewitterzellen in Niedersachsen, dem östlichen Nordrhein-Westfalen, im Nordwesten von Thüringen und im westlichen Sachsen-Anhalt. Eine langsame Verlagerung und unterschiedliche Zugrichtungen der Einzelzellen führte erneut zu enormen Regenmengen in kurzer Zeit. In Scharnhorst-Marwede fielen 63,9 mm in 3 Stunden bis 15 UTC. Auch Sturmböen richteten in Verbindung mit den Gewittern Schäden an. So wurde am Bahnhof in Kassel ein Dach heruntergerissen, der Bahnhof musste bis zum nächsten Tag geschlossen werden. Die Gewitter über Frankreich verlagerten sich in einer nördlichen Zugrichtung westlich der Vogesen nach Norden. Auch im Alpenraum entwickelten sich schwere Gewitter, die am späten Nachmittag das südliche Baden-Württemberg und Bayern erreichten. Am frühen Abend trafen Gewitter den Großraum Mannheim. Die Zellen hatten sich kurz vorher östlich von Mannheim gebildet, um anschließend in westlicher Richtung nach Rheinland-Pfalz weiterzuziehen. In Mannheim stürzten Bäume um und Straßen wurden überschwemmt. Am späten Abend konnten noch Gewitter in Belgien, Luxemburg, im Norden Frankreichs und im Osten Österreichs beobachtet werden.

Satelliten-, Radarbilder, Blitzkarte und Niederschlag in Deutschland und Frankreich am 22.07. | Quellen: Sat24, DWD, Lightning Maps, Infoclimat
Satbild 10:00 UTC Satbild 12:05 UTC Satbild 14:00 UTC Satbild 17:05 UTC
Radarbild 10:05 UTC Radarbild 12:15 UTC Radarbild 14:00 UTC Radarbild 17:00 UTC
Blitzkarte Westeuropa 24-h Niederschlag, 23.7. 06 UTC Radarbild Frankreich 12:20 UTC Radarbild Frankreich 14:00 UTC

1-h Regenmengen am 22.07. (links) und 24-h Regenmengen bis 23.07. 06 UTC (rechts)
Datenquelle: DWD JavaMap
Station Land/Bundesland RR 1h bis
Scharnhorst-Marwede
Hoernli
Grünstadt
Balingen-Bronnhaupten
Jachenau-Tannern
Stabio
Lennestadt-Theten
Hamburg-Fuhlbsbüttel
Niedersachsen
Schweiz
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Bayern
Schweiz
Nordrhein-Westfalen
Hamburg
52,8 mm
48,0 mm
47,2 mm
41,6 mm
39,7 mm
38,0 mm
36,8 mm
35,7 mm
13 UTC
14 UTC
19 UTC
17 UTC
16 UTC
07 UTC
13 UTC
16 UTC
Station Land/Bundesland RR 24h
Reims-Prunay
Grünstadt
Scharnhorst-Marwede
Schwetzingen
Hoernli
Cremlingen-Destedt
Gifhorn-Kästorf
Haßloch
Frankreich
Rheinland-Pfalz
Niedersachsen
Baden-Württemberg
Schweiz
Niedersachsen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
71,4 mm
71,3 mm
68,8 mm
65,8 mm
56,0 mm
53,5 mm
51,5 mm
49,2 mm

Schäden durch Sturmböen in Mannheim am 22.07. | Quelle: Mannheim meine Heimatstadt

Gewitter im Alpenraum und in Deutschland am 23.07

Am 23.07. befand sich der Langwellentrog über dem zentralen Europa und reichte von Deutschland und der Schweiz bis ins nördliche Afrika. Insgesamt waren in Mitteleuropa am 23.07. weniger schwere Gewitter unterwegs als an den beiden Tagen zuvor. Dennoch bildeten sich lokal wieder kräftige Gewitterzellen, die Schäden durch Überschwemmungen mit sich brachten. In Deutschland war vor allem die Mitte und der Süden betroffen. Am Abend lag das Hauptaugenmerk auf der Grenzregion zu Österreich im Südosten Bayerns. Hier waren örtlich wieder zwischen 30 und 43 mm Regen innerhalb von einer Stunde mit den Gewittern möglich. Ausschlaggebend hierfür war ein Hebungsantrieb an der Vorderseite des Troges.

Satelliten-, Radarbilder, Blitzkarte und Niederschlag in Deutschland und im Alpenraum am 23.07. | Quellen: Sat24, DWD, Lightning Maps
Satbild 07:10 UTC Satbild 11:15 UTC Satbild Alpen 13:05 UTC Satbild 15:05 UTC
Blitzkarte Westeuropa 24-h Niederschlag 24.7. 06 UTC Radarbild 07:15 UTC Radarbild 19:30 UTC

1-h Regenmengen am 23.07. (links) und 24-h Regenmengen bis 24.07. 06 UTC (rechts)
Datenquelle: DWD JavaMap
Station Land/Bundesland RR 1h bis
Tüßling
Aßling
Holzheim bei Diez
Unterwössen-Hinterwössen
Berchtesgaden
Rödermark-Ober-Roden
Trostberg
Bayern
Bayern
Rheinland-Pfalz
Bayern
Bayern
Hessen
Bayern
43,2 mm
32,9 mm
32,8 mm
32,4 mm
31,8 mm
30,5 mm
30,3 mm
19 UTC
17 UTC
18 UTC
19 UTC
17 UTC
18 UTC
18 UTC
Station Bundesland RR 24h
Frauenneuharting-Lohen
Zeilarn-Gumpersdorf
Tüßling
Birx/Rhön
Neuenstein-Mühlbach
Starnberg
Aschaffenburg
Bayern
Bayern
Bayern
Thüringen
Hessen
Bayern
Bayern
78,8 mm
67,7 mm
56,6 mm
52,7 mm
52,5 mm
52,3 mm
48,9 mm


Weitere Entwicklung der Wetterlage

Am 24.07. veränderte sich die Wetterlage über Mitteleuropa nur geringfügig. Der Höhentrog verlagerte sich nur langsam nach Osten und verweilte über dem zentralen Mittelmeerraum. Die Temperaturen in 850 hPa lagen zwischen 10 °C und 15 °C, die warme Luftmasse war weiterhin außerdem feucht und bei CAPE Werten von 1000 bis 1500 J/kg labil geschichtet. Die Amplitude des Höhentrogs verkleinerte sich in der Folge und die Hebungsantriebe konzentrierten sich auf Italien, das südöstliche Mitteleuropa und den Balkan. An der Großwetterlage änderte sich auch am 25.07. nur wenig. Ein Tief bei den Britischen Inseln kamm langsam ins zentrale Mitteleuropa voran. Die Kaltfront des Tiefs reichte an diesem Tag von Belgien und den Niederlanden bis nach Frankreich. Am 26.07. kam die Front nur langsam nach Südosten voran und begann einen wellenförmigen Charakter zu entwickeln. Der zugehörige Trog verlagerte sich am 27.07. nach Mitteleuropa. Mit dem Trog wurde die feuchtwarme Luftmasse nach Südost- und Osteuropa verdrängt. Über Mitteleuropa konnten sich kurzzeitig kühlere und trockenere Luftmassen vom Atlantik festsetzen.

500 hPa-Geopot. und SLP, Bodendruck und Fronten, 850 hPa-pseudopot. Temp. und SLP, CAPE und Lifted Index | Quelle: Wetter3
24.07.2016, 18 UTC 25.07.2016, 18 UTC 26.07.2016, 18 UTC 27.07.2016, 18 UTC

Gewitter im südöstlichen Mitteleuropa und über dem Balkan vom 24.07. bis 26.07.

Kräftige Gewitter bildeten sich am 24.07. im südöstlichen Mitteleuropa und auf dem Balkan. In Bosnien-Herzegowina wurde Hagel mit einem Durchmesser von 5 cm beobachtet. An der Verteilung der Gewitter änderte sich auch am 25.07. wenig. In der Schweiz kam es im Kanton Schwyz zu lokalen Überschwemmungen und Erdrutsche. In Serbien starben bei einem Blitzschlag zwei Menschen. In Schönbrunn im Bundesland Bayern und in Oberösterreich wurden Straßen und Häuser überflutet. In der Nacht zum 26.07. hielten sich kräftige Gewitter im Südosten Bayerns. Marktschellenberg maß eine Regenmenge von 80,1 mm innerhalb von 6 Stunden bis 06 UTC am 26.07.. Kräftige Gewitter waren auch am 26.07. in der unverändert feuchten Luft unterwegs. Die betroffenen Gebiete lagen erneut im südöslichen Mitteleuropa. Es bildeten sich Einzelzellengweitter, die hauptsächlich Schäden durch Überschwemmungen und Erdrutsche zur Folge hatten. In Polen, Tschechien und dem Südosten Deutschlands kam es zu überschwemmten Straßen, Feldern und Häusern. Ein Mensch starb in Tschechien bei einem Blitzschlag. In der Nähe von Bayreuth wurden mehrere Schlammlawinen beobachtet. In München stand eine Unterführung unter Wasser. In Krakau (Polen) fiel 58,4 mm Niederschlag innerhalb von 1,5 Stunden.

Satelliten-, Radarbilder, Blitzkarte und Niederschlag am 24.07., 25.07. und 26.07. | Quellen: Sat24, DWD, Lightning Maps
Blitzkarte Europa 24.07. Satbild 24.07. 16:00 UTC Blitzkarte Europa 25.07. Satbild 25.07. 16:00 UTC
Blitzkarte Europa 26.07. 24-h Niederschlag 27.7. 06 UTC Satbild DE 26.07. 14:30 UTC Radarbild DE 26.07. 14:30 UTC

1-h Regenmengen am 24.07., 25.07. und 26.07. (links) und 24-h Regenmengen bis 25.07. 06 UTC (rechts)
Datenquelle: DWD JavaMap
Station Land/Bundesland RR 1h bis
Horb-Altheim
Schwandorf
Notzingen
Oy-Mittelberg-Petersthal
Stötten
Nassenfels
Plech
Marktschellenberg
Baden-Württemberg
Bayern
Baden-Württemberg
Bayern
Baden-Württemberg
Bayern
Baden-Württemberg
Bayern
50,6 mm
48,3 mm
45,0 mm
41,5 mm
36,0 mm
34,0 mm
33,7 mm
32,0 mm
26.07., 20 UTC
26.07., 16 UTC
26.07., 22 UTC
26.07., 17 UTC
26.07., 21 UTC
26.07., 12 UTC
26.07., 16 UTC
26.07., 03 UTC
Station Land/Bundesland RR 24h
Geretsried
Kredarica
Hohenpeißenberg
Jajce
Benediktbeuern
Holzkirchen
Waedenswil
Bad Berneck
Bayern
Slowenien
Bayern
Bosnien-Herzegowina
Bayern
Bayern
Schweiz
Bayern
80,5 mm
68,1 mm
56,7 mm
51,1 mm
43,7 mm
43,3 mm
42,2 mm
41,6 mm

24-h Regenmengen bis 26.07. 06 UTC (links) und bis 27.07., 06 UTC (rechts)
Datenquelle: DWD JavaMap
Station Land/Bundesland RR 24h
Marktschellenberg
Veliko Gradiste
Ingolsatdt (Flugplatz)
Krusevac
Zürich/Fluntern
Zrenjanin
Marktoberdorf-Sulzschneid
Singen
Bayern
Serbien
Bayern
Serbien
Schweiz
Serbien
Bayern
Baden-Württemberg
96,3 mm
75,8 mm
61,2 mm
61,1 mm
60,7 mm
51,3 mm
50,9 mm
49,1 mm
Station Land/Bundesland RR 24h
Altendorf
Oy-Mittelberg-Petersthal
Krakow-Balice
Bad Bayersoien
Paltinis Sibiu
Schwandorf
Teunz-Wildstein
Gemünden/Main-Adelsberg
Bayern
Bayern
Polen
Bayern
Rumänien
Bayern
Bayern
Bayern
62,2 mm
61,1 mm
59,9 mm
55,9 mm
50,8 mm
50,2 mm
49,8 mm
49,4 mm

Überschwemmungen in der Osthälfte Deutschlands am 27.07.

Am 27.07. erreichte ein Trog Mitteleuropa und sorgte für einen Hebungsantrieb, sowie die Verstärkung des Höhenwindes. Damit waren auch wieder größere konvektive Systeme möglich, die sich unter anderem in der Osthälfte Deutschlands bildeten. Auch weiter im Osten und Südosten Europas entstanden an diesem Tag wieder kräftige Gewitter. Im Osten Deutschlands kam es zu Schäden durch Hagel bis 2 cm Größe, Sturmböen und Starkregen. Betroffen waren auch die Großstädte Leipzig und Berlin. In Berlin waren viele Straßenabschnitte überschwemmt, viele Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen. Beachtliche Regenmengen fielen in kurzer Zeit in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) und Meyenburg (Brandenburg). In Wittenberg wurde eine Niederschlagsmenge von 96,7 mm in 3 Stunden bis 15 UTC gemessen. Meyenburg kam auf 90,6 mm innerhalb von 6 Stunden bis 12 UTC.

Satellitenbild, Blitzkarte und Niederschlag am 27.07., Gesamtniederschlag Deutschland 21.07. bis 28.07. | Quellen: Sat24, DWD, Lightning Maps
Blitzkarte Europa 27.07. Satbild 27.07. 15:00 UTC 24-h Niederschlag 28.7. 06 UTC Niederschlag 21.07. bis 28.07.

1-h Regenmengen am 27.07. (links) und 24-h Regenmengen bis 28.07. 06 UTC (rechts)
Datenquelle: DWD JavaMap
Station Land/Bundesland RR 1h bis
Wittenberg
Pec Pod Snezkou
Mistelbach/Zaya
St.Poelten/Landhaus
Großer Arber
Wittenberg
Ahrensfelde
Eilenburg
Sachsen-Anhalt
Tschechien
Österreich
Österreich
Bayern
Sachsen-Anhalt
Brandenburg
Sachsen
61,3 mm
43,0 mm
41,0 mm
40,0 mm
39,2 mm
34,3 mm
33,7 mm
30,6 mm
14 UTC
10 UTC
19 UTC
22 UTC
16 UTC
13 UTC
15 UTC
13 UTC
Station Bundesland RR 24h
Meyenburg
Wittenberg
Elk Hove
Waren (Müritz)
Klink
Pritzwalk
Klingenthal-Kamerun
Eilenburg
Brandenburg
Sachsen-Anhalt
Norwegen
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern
Bayern
Sachsen
Sachsen
98,0 mm
97,4 mm
71,9 mm
67,6 mm
66,2 mm
63,2 mm
59,0 mm
56,3 mm


Text: JW
31. Juli 2016