Wettergefahren-Frühwarnung | Gewitter/Hagel/Tornados/Starkregen - Mittlerer Westen, Osten - USA - 22.06.-23.06.2016
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

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Sonntag, 26. Juni 2016, 22:30 MESZ


Heftige Gewitter
Zentrale Landesteile - USA

22.06 - 23.06.2016




24-h Regenmengen Osten USA bis 24.06., 12 UTC
Quelle: NOAA Water Weather

Mitte Juni 2016 bildeten sich in den zentralen und östlichen Landesteilen der USA kräftige Gewitter. Dabei wurden gerade in Illinois zahlreiche Tornados beobachtet. Zwei EF2 Tornados verursachten größere Schäden, einige Menschen wurden leicht verletzt. Neben den Tornados kam es auch zu großem Hagel und kräftigen Windböen. Schwere Sturmböen und teilweise auch Orkanböen sorgten hauptsächlich für umgestürzte Bäume und führten zu Schäden an Häusern und der Infrastruktur. Am 23.06. waren vor allem West Virginia, Kentucky und Virginia betroffen. Auch hier bildeten sich wieder schwere Gewitter. In West Virginia sorgte sehr kräftiger Regen für Überschwemmungen. Viele Menschen wurden durch die Wassermassen in ihren Häusern eingeschlossen. In Verbindung mit den Überschwemmungen kamen 24 Menschen in West Virginia ums Leben.


Wetterlage und Entwicklung

Radiosondenaufstieg
Omaha 22.06. 12 UTC
© Wyoming Upper Air
Mitte Juni 2016 befanden sich über dem Südwesten der USA sehr warme Luftmassen. Die Temperaturen erreichten um 30 °C in 850 hPa. Am Boden wurden zwischen 45 °C und 50 °C gemessen. Phoenix in Arizona verzeichnete am 19.06. eine Höchsttemperatur von 47,8 °C. Der Jetstream lag an jenen Tagen über dem Norden der USA. In der kräftigen südwestlichen Höhenströmung wanderte ein Kurzwellentrog am 19.06. und 20.06. ostwärts und ließ ein Tiefdruckgebiet mit Kerndruck von unter 980 hPa über dem Nordosten von Kanada entstehen. Rückseitig des Tiefs dehnte sich ein Höhenrücken über dem Westen der USA weit nach Norden aus, sodass die sehr warme Luft aus dem Südwesten in den Nordosten des Landes advehiert wurde. Ausgehend von einem Höhentief vor der Küste des Bundesstaates Washington im Nordwesten verlagerte sich ein Kurzwellentrog in der Folge an der Rückseite des Höhenrückens nach Osten. Eine schnelle Verlagerung des Trogs in der kräftigen westlichen Höhenströmung sorgte dafür, dass die Trogachse binnen zwei Tage bereits die Ostküste der USA erreichte. Sehr warme Luft wurde trogvorderseitig mit dem Höhenrücken nach Norden transportiert. In Nebraska konnte am 22.06. beim Radiosondenaufstieg um 12 UTC in Omaha eine Temperatur von 32 °C in 850 hPa gemessen werden. Dies ist ein ungewöhnlich hoher Wert für eine Station, die relativ weit im Norden der USA liegt. In den vergangenen 70 Jahren verzeichnete Omaha in 850 hPa keine höhere Temperatur als an diesem 22.06.2016. Am Boden entstand in dieser Region aufgrund von Hebung in der mittleren Troposphäre ein Bodentief mit einem Kerndruck von unter 1005 hPa. Die Luftmasse östlich des Troges war nicht nur sehr warm sondern auch feucht. Dazu lag eine sehr labile Schichtung vor (CAPE Werte zwischen 2000 J/kg und 3000 J/kg). Das Bodentief schwächte sich mit der Verlagerung nach Osten etwas ab. Kräftige Gewitter bildeten sich am 22.06. in den Bundesstaaten Illinois, Indiana, Michigan und Ohio. Am 23.06. lag das Zentrum der schweren Gewitter etwas weiter östlich. Vor allem in West Virginia kam es zu Überschwemmungen in Folge kräftiger Regenfälle.

500-hPa-Geopotential/Bodendruck, 850-hPa-Pseudopotentielle Temperatur und CAPE| Quelle: Wetter3
23.06.2016, 00 UTC 23.06.2016, 12 UTC 24.06.2016, 00 UTC 24.06.2016, 12 UTC

EF2-Tornados am 22.06. in Illinois

Radiosondenaufstieg
Lincoln (IL) 23.06. 12 UTC
© Wyoming Upper Air
In der Nacht und am Morgen des 22.06. zog ein Regengebiet über den Bundesstaat Illinois. Dies führte dazu, dass sich am Nachmittag des 22.06. die Bildung von Gewittern verzögerte. Erst gegen 19 Uhr Ortszeit entwickelten sich im Nordwesten von Illinois fast zeitgleich mehrere Gewitterzellen. Vertikale Richtungsscherung des Horizontalwindes (siehe Radiosondenaufstieg) sorgte für günstige Bedingungen zur Ausbildung von Superzellen. Zwischen 19 und 21 Uhr gab es zahlreiche Meldungen von kleineren Torndados. Etwas weiter nördlich bildeten sich auch in Michigan heftige Gewitter. Die Gewitter schlossen sich in den folgenden Stunden mehr und mehr zu einer Gewitterlinie zusammen. Diese reichte vom Osten Illinois über Indiana bis nach Ohio. Im Osten von Illinois trafen zwei EF2-Tornados gegen 23 Uhr Ortszeit die Kleinstädte Seneca und Pontiac. Dabei wurden einige Menschen leicht verletzt. Die Tornados erreichten geschätzte Windgeschwindigkeiten zwischen 180 km/h und 200 km/h und richteten Schäden an Häusern, Autos und und der Infrastruktur an. Außer in den lokal auftretenden Tornados kam es beim Aufziehen der Gewitter zu sehr kräftigen Windböen. Mit der Verlagerung der Gewitterlinie nach Südosten registrierten einige Messstationen schwere Sturmböen und Orkanböen. Dabei wurden Bäume entwurzelt, Strommasten und ein Radiomasten konnten den Böen nicht standhalten. Auch hier wurden einige Dächer von Häusern abgedeckt.
Weiter im Südosten bildeten sich einzelne kräftige Gewitter über North Carolina und brachten Hagel und Sturmböen mit sich. In Minnesota konnte Hagel mit einem Durchmesser von ca. 7 cm beobachtet werden.

Radarbilder Nordost USA 22.06.2016 (Ortszeit) | Quellee: NOAA SPC
23.06.2016, 00:00 UTC 23.06.2016, 04:00 UTC 23.06.2016, 07:00 UTC

Satellitenbild, 24-h-Niederschlagskarte und Extremereignisse-Karte 22.06.2016 (Ortszeit) | Quellen: goes.gsfc.nasa.gov/, NOAA SPC, NOAA NOHRSC
22.06.2016, 20:37 UTC 24-h-Regenmenge bis 23.06.2016, 06 UTC Sturm-/Hagel-/Tornadoereignisse 22.06.2016

Überschwemmungen in West Virginia am 23.06.

Mit dem langsamen Verlagern des Bodentiefs nach Osten kam auch die Gewitterlinie in der Nacht zum 23.06. in Richtung der Ostküste der USA voran. Dabei regnete es vor allem kräftig in West Virginia und Virginia. Schäden gab es durch umgestürzte Bäume aufgrund von Sturmböen, die an vielen Orten in Verbindung mit den Gewittern auftraten. Am 23.06. bildeten sich bereits am Vormittag neue Gewitter, die in einer östlichen Zugbahn West Virginia erreichten. Das Bodentief lag zu diesem Zeitpunkt mit einem Kerndruck von 1010 hPa über Indiana und Ohio. Die Umgesbungsbedingen für die Entstehung von kräftigen Gewittern waren auch an diesem Tag gegeben. Westlich des konvektiven Systems, das am Morgen und zur Mittagszeit über West Virginia zog, konnten in der feuchtwarmen Luft um ca. 15 Uhr Ortszeit in einer Linie vom südlichen Illinois bis nach West Virginia neue Gewitter entstehen. Dabei wurde in West Virginia Hagel mit Durchmessern von ca. 5 cm beobachtet. Nachdem die Gewitter in der Nacht zuvor zumeist von West nach Ost zogen, verlagerten sich die konvektiven Systeme ab dem Nachmittag nach Süden. So schlossen sich die Gewitter mehr und mehr zu einer Gewitterlinie zusammen. Kräftige Windböen verursachten Schäden durch umgestürzte Bäume von Kentucky über West Virginia bis nach Virginia. Großer Hagel wurde vor allem in Virginia und später auch in North Carolina beobachtet. Die Hagelkörner erreichten einen Durchmesser von ca. 7 cm. Am Abend schwächten sich die Gewitter dann mehr und mehr ab. Die Lebensdauer war deutlich geringer als noch am Vortag, als die Zellen bis zum nächsten Morgen aktiv waren.
Heftige Starkregenfälle verbunden mit den Gewittern sorgten in West Virginia für chaotische Zustände. Innerhalb von 24 Stunden fielen örtlich bis zu 200 mm an Niederschlag. Durch die Wassermassen kamen insgesamt 24 Menschen ums Leben. Das Ereignis ist damit das mit den drittmeisten Todesfällen in der Geschichte des Bundesstaates West Virginia.

Radarbilder Nordost USA 22.06.2016 (Ortszeit) | Quellee: NOAA SPC
23.06.2016, 20:00 UTC 23.06.2016, 23:00 UTC 24.06.2016, 02:00 UTC

Satellitenbild, 24-h-Niederschlagskarte und Extremereignisse-Karte 23.06.2016 (Ortszeit) | Quellen: goes.gsfc.nasa.gov/, NOAA SPC, NOAA NOHRSC
23.06.2016, 20:25 UTC 24-h-Regenmenge bis 24.06.2016, 06 UTC Sturm-/Hagel-/Tornadoereignisse 23.06.2016


Text: JW
26. Juni 2016