Wettergefahren-Frühwarnung | Gewitter/Hagel/Tornados - Süden, Südosten, Mittlerer Westen-USA - 30.03.-01.04.2016
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

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Samstag, 02. April 2016, 15:30 MESZ


Gewitter
Südstaaten, Mittlerer Westen - USA

30.03 - 01.04.2016




Shelf Cloud in Texas
Quelle: Wunderground

Zum Monatswechsel kam es im Süden, Südosten und Mittleren Westen der USA zu Gewittern mit Starkregen, Hagel bis 8 cm, Sturmböen und Tornados (einzelne EF2-Tornados). Im Zusammenhang mit den Unwettern starben mindestens 2 Menschen. Zahlreiche Verletzte mussten vor allem in Tulsa (OK) ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem ein EF2 Tornado über die Stadt zog. Heftiger Niederschlag sorgte an einigen Orten für Überschwemmungen, in den Folgetagen erreichten viele Flusspegel im Süden zum wiederholten Mal in diesem Jahr die höchsten Warnstufen für Hochwasser.


Wetterlage und Entwicklung

Am 27./28.03. verlagerte sich ein kräftiger Höhentrog entlang der Westküste der USA nach Süden. Er ließ am 28.03. über dem Bundesstaat Nevada ein Bodentief entstehen. Rückseitig des Troges stieß kalte Luft bis in die Mitte von Kalifornien vor (0°C in 850 hPa). In der Folge schnürte sich ein eigenständiges Höhentief über dem Südwesten der USA ab. Am 30.03. erstreckte es sich von Kalifornien bis nach Colorado. Östlich der Rocky Mountains intensivierte sich das Bodentief aufgrund von Divergenz in der Höhe im Ausströmbereich des Subtropenjets. Am Boden advehierte der südliche Wind am 30.03. warme und feuchte Luft weit nach Norden bis nach Missouri und Iowa. Die 20°C Isotherme in 850-hPa lag am 31.03., 00 UTC über dem Norden von Texas. Gleichzeitig fing ein über der Mitte Kanadas nach Osten wandernder Höhentrog den nördlichen Teil des Höhentiefs ein und sorgte dafür, dass die Amplitude am 31.03. 06 UTC bis nach Oklahoma reichte. Vorderseitig erstreckte sich eine Bodentiefdruckrinne von Oklahoma bis zu den Großen Seen. Eine kräftige Windscherung und instabile mitteltroposhhärische Luft lieferten die Zutaten für die Entwicklung kräftiger Gewitter mit Hagel, Sturmböen und einzelnen Tornados am 30.03. (Ortszeit). Das Bodentief verlagerte sich daraufhin weiter nach Nordosten, die Kaltfront des Tiefs kam nur langsam nach Südosten voran. Vor der Kaltfront konnten sich daher am 31.03. verbreitet Gewitter bilden. Am 01.04. hielt sich die feuchtwarme Luft noch im Südosten der USA. Rückseitig der Kaltfront konnte kalte Luft aus dem Norden weit nach Süden vordringen (5°C-Temperatur in 850 hPa über Texas am 02.04. 00 UTC).

500-hPa-Geopotential/Bodendruck und 850-hPa-Pseudopotentielle Temperatur| Quelle: Wetter3
30.03.2016, 00 UTC 31.03.2016, 00 UTC 01.04.2016, 00 UTC 02.04.2016, 00 UTC

Gewitter mit Starkregen, Hagel und Tornados am 30.03.

Am Nachmittag des 30.03. entstanden in der feuchtwarmen Luft erste kräftige Gewitter. Das Radarbild zeigt einige Einzelzellen um 19.15 UTC über Texas, Oklahoma und Louisiana. Hagel von 5 cm - 8 cm Größe richtete vor allem in Kansas und Texas Schäden an. Es kam zu Unfällen im Straßenverkehr, die Windschutzscheiben von Autos wurden zerstört. Insgesamt waren die berichteten Schäden durch Hagel verhältnismäßig gering. In Arkansas kam es durch Starkregen zu örtlichen Überflutungen. Verschiedene Bundesstaaten vermeldeten Tornodos, die meisten davon verliefen über unbewohntem Gebiet. In Tulsa (Oklahoma) richteten zwei EF2 - Tornados Schäden an einigen Gebäuden an. Mindestens sieben Menschen wurden verletzt und mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auf dem Radarbild vom 31.03. 00 UTC sind die Superzellen im Nordosten von Oklahoma erkennbar, welche den Tornado in Tulsa entstehen ließen. In der Nacht zum 31.03. und am Vormittag regnete es verbreitet kräftig von Mississippi über Tennessee nach Kentucky. Die Regenfälle verzögerten am nächsten Tag zunächst vielfach die Bildung von kräftigen Gewittern in diesen Gebieten.

Satellitenbilder, Radarbilder Südstaaten, 24-h-Niederschlagskarten, Extremereignisse-Karte, Radiosondenaufstieg 30.3.2016 (Ortszeit) | Quellen: goes.gsfc.nasa.gov/, NOAA SPC, NOAA NOHRSC, UWYO
30.03.2016, 16:45 UTC 30.03.2016, 19:07 UTC 31.03.2016, 05:00 UTC
30.03.2016, 19:15 UTC 31.03.2016, 00:00 UTC 31.03.2016, 05:15 UTC
Sturm-/Hagel-/Tornadoereignisse, 30.03.2016 24-h-Regenmenge bis 31.03.2016, 06 UTC Radiosondenaufstieg Lamont (OK), 30.03.2016, 12 UTC

Schäden durch Windböen und Überflutungen am 31.03.

Am 31.03. verlagerte sich das Gewittergeschehen weiter nach Osten. Das Hauptaugenmerk lag auf den Bundesstaaten Mississippi, Alabama, Tennessee und Kentucky. Als Folge der Regenfälle der letzten Wochen sorgten die erneuten Niederschläge in Louisiana für zahlreiche Überschwemmungen. In Kentucky und Tennessee entstanden die meisten Schäden durch Sturmböen. Dächer und mobile Häuser wurden zerstört, es gab mindestens 2 Verletzte. In Mississippi und Alabama sorgten einige EF1-Tornados für Schäden an Häusern, Bäume wurden entwurzelt. Auch hier kam es durch die Regenfälle zu Überschwemmungen.

Satellitenbilder, Radarbilder Südstaaten, 24-h-Niederschlagskarten, Extremereignisse-Karte, Radiosondenaufstieg 31.3.2016 (Ortszeit) | Quellen: goes.gsfc.nasa.gov/, NOAA SPC, NOAA NOHRSC, UWYO
31.03.2016, 16:45 UTC 31.03.2016, 20:37 UTC 01.04.2016, 05:00 UTC
31.03.2016, 20:00 UTC 01.04.2016, 00:00 UTC 01.04.2016, 05:00 UTC
Sturm-/Hagel-/Tornadoereignisse, 31.03.2016 24-h-Regenmenge bis 01.04.2016, 06 UTC Shelby County Airport (AL), 01.04.2016, 00 UTC


Pegelstand und Vorhersage
Choctawhatchee Fluss 02.04, 07 UTC
© NOAA SRH
Gewitter im Südosten am 01.04.

Am 01.04. verlagerte sich das Geschehen weiter nach Südosten. Als Folge des starken Regen sind vermutlich zwei Menschen in Georgia bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Die meisten Schäden entstanden am Nachmittag als eine Gewitterlinie in südöstlicher Richtung über Georgia zog. Sturmböen und einzelne Tornados waren die Folge und verursachten Schäden an Gebäuden und Strommasten. 6000 Menschen waren zwischenzeitlich ohne Strom.
Neben den lokalen Überschwemmungen durch Starkregen in Zusammenhang mit den Gewittern, bedeuteten die Niederschläge vom 30.03. bis zum 02.04. auch das erneute Ansteigen vieler Flusspegel im Süden der USA. In den darauffolgenden Tagen bestand in Louisiana, Mississippi und Alabama die Gefahr von Überschwemmungen. Wie der Pegel des Choctawhatchee Flusses in Alabama sollten die Flüsspegel laut Prognose auf die höchste oder zweithöchste Warnstufe ansteigen.

Extremereignisse-Karte, Radarbild Südosten, 24-h-Niederschlagskarte 01.04.2016 (Ortszeit) | Quellen: NOAA SPC, NOAA SPC, NOAA NOHRSC,
Sturm-/Hagel-/Tornadoereignisse, 01.04.2016 Radarbild Südosten 01.04.2016, 20 UTC 24-h-Regenmenge bis 02.04.2016, 06 UTC


Ausgewählte 24-h-Niederschlagsmengen bis 31.03., 01.04., 02.04. (jeweils bis 12 UTC)
Datenquelle: DWD JavaMap
Ort USA RR24
Memphis (TN)
Pudacah (KY)
Tupelp (MS)

Augusta (GA)
Huntsville (AL)

New Orleans (LA)
Tallahassee (FL)
Apalachicola (FL)
100,3 mm (bis 31.03., 12 UTC)
59,2 mm (bis 31.03., 12 UTC)
51,3 mm (bis 31.03., 12 UTC)

49,0 mm (bis 01.04., 12 UTC)
44,2 mm (bis 01.04., 12 UTC)

100,6 mm (bis 02.04., 12 UTC)
97,5 mm (bis 02.04., 12 UTC)
92,5 mm (bis 02.04., 12 UTC)


Text: JW
02. April 2016