Wettergefahren-Frühwarnung | Sturm - Großbritannien - 01.02.-02.02.2016
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Mittwoch, 03. Februar 2016, 16:00 MEZ

Sturm

Großbritannien

01.02.-02.02.2016



Satellitenbild Sturm "Henry"/"Norkys"
am 01.Februar 2016, 12 UTC
Quelle: fvalk


Orkantief "Henry" ("Norkys") sorgte am 1. und 2. Februar für Orkanböen an den Küsten Großbritanniens. Auch größere Städte im Norden der Inseln erreichten orkanartige Böen. Es gab Behinderungen im Zug- und Straßenverkehr, zahlreiche Brücken mussten gesperrt werden. Meterhohe Wellen erreichten die Küstengebiete, es kam zu örtlichen Überflutungen. Über 10.000 Haushalte waren kurzzeitig ohne Strom.



Wetterlage und Entwicklung

500 hPa mit Bodendruck Amerika
am 29.01., 00 UTC
© Wetter3
Sturmtief "Henry" oder "Norkys", wie es im deutschen Sprachraum heißt, entstand bereits am 29. Januar vor der Küste von Florida östlich des nordamerikanischen Kontinents. Ein weit nach Süden bis in den Bundesstaat Alabama reichender Langwellentrog lag Ende Januar über dem Osten der USA. An dessen Vorderseite kam es zu Hebung in der mittleren Troposphäre, am Boden konnte ein Bodentief entstehen. Innerhalb eines Tages sank der Bodendruck von 1005 hPa um mehr als 35 hPa auf unter 970 hPa. Das Tiefdruckgebiet verlagerte sich in einer nordöstlichen Zugbahn entlang der Ostküste der USA in Richtung Neufundland. An der Vorderseite wurden sehr warme und feuchte Luftmassen subtropischem und tropischem Ursprungs weit nach Norden transportiert. So lag die 10°C Isotherme am 30. Januar vor der Küste von Neufundland. In der Folge schwächte sich das Tief zunächst ab, der Bodendruck lag am 31. Januar bei 980 hPa. Ein schnell nach Osten ziehender Kurzwellentrog sorgte in der weiteren Entwicklung dafür, dass sich Tief "Henry" nochmals verstärken konnte und am Morgen des 1. Februars seinen Höhepunkt mit einem Bodendruck von unter 950 hPa erreichte. Die britischen Inseln lagen erst ab dem Nachmittag des 1. Februars bis zum Morgen des 2. Februars im Windfeld des Sturms. Sie bekamen somit nicht die volle Wucht des Sturms ab, da er sich bereits langsam abschwächte und eine relativ geringe Verlagerungsgeschwindigkeit aufwieß. Neben der Druckdifferenz spielt auch die Verlagerungsgeschwindigkeit eines Tiefdruckgebiets eine Rolle für die auftretenden Spitzenböen.

500-hPa-Geopotential mit Bodendruck, 850 hPa-pseudopotentielle Temperatur und 300 hPa Wind u. Divergenz (links: 500 hPa-Vertikalbewegung) | Quelle: Wetter3
30.01.2016, 00 UTC 31.01.2016, 00 UTC 01.02.2016, 00 UTC 02.02.2016, 00 UTC

Satellitenbilder | Quelle: Sat24,
01.02.2016, 10:00 UTC 01.02.2016, 15:00 UTC 01.02.2016, 20:00 UTC 02.02.2015, 01:00 UTC


Auswirkungen des Sturms

Bodendruck 02.02.2016, 00 UTC
© Met.fu-Berlin
An der Westküste von Schottland, Irland und Nordirland traten die stärksten Windböen im Flachland auf. Die Orkanstärke wurde in allen drei Ländern erreicht. Auch an der Ostküste Englands konnte in Loftus mit 120 km/h eine Orkanböe gemessen werden. Die Hochlagen Schottlands vermeldeten extreme Orkanböen, Cairngorm Summit sogar eine Böe von 239 km/h. Auch die größeren Städte im Norden und Westen von Großbritannien wurden zum Teil durch orkanartige Böen getroffen. Glasgow kam auf 107 km/h, am Dubliner Flughafen wehte der Wind ebenfalls orkanartig mit Böen von bis zu 104 km/h. Durch den Wind kam es zu umgestürzten Bäumen, zahlreiche Brücken und Straßen mussten in Schottland gesperrt werden. Über 2000 Haushalte waren am 2. Februar immer noch ohne Strom, nachdem bereits 9000 Haushalte wieder an das Stromnetz angeschlossen werden konnten. Durch den langen Weg des Sturms über den Atlantik konnten sich die Wellen meterhoch auftürmen und trafen die Küste von Irland und Schottland mit voller Wucht. Sie erreichten Höhen von 10 m bis 15 m. Neben dem Wind kam es vor allem in Schottland auch zu Regenfällen, die über 20 Warnungen vor Hochwasser zu Folge hatten. Am 2. Februar zog der Sturm weiter nach Osten in Richtung Norwegen. Seine Kaltfront erfasste weite Teile von Mitteleuropa. Vor allem durch heftigen Wind kam es in Norddeutschland zu Behinderungen im Zugverkehr, in Hamburg sorgten die Sturmböen für eine kleine Sturmflut. Es kam an den Küsten zu orkanartigen Böen, weiter im Landesinnern konnten schwere Sturmböen gemessen werden.


Spitzenböen Flachland bis 200m (links) und Hochlagen (rechts) vom 01.02. und 02.02. in Großbritannien
Datenquelle: DWD Java Map
Ort Land Spitzenböe
South Uist Range (6m)
Malin Head (20m)
Stornoway (8m)
Tiree Island (12m)
Fair Isle (68m)
Lusa/Skye (18m)
Magilligan (6m)
Loftus (158m)
Inverbervie (134m)
Schottland
Irland
Schottland
Schottland
Schottland
Schottland
Nordirland
England
Schottland
144 km/h
130 km/h
130 km/h
126 km/h
126 km/h
124 km/h
120 km/h
120 km/h
117 km/h
Ort Land Spitzenböe
Cairngorm Summit (1237m)
Aonach Mor (1130m)
Bealach Na Ba (732m)
Glen Ogle (564m)
Great Dun Fell (847m)
Loch Glascarnoch (269m)
Drumalbin (245m)
Connaught AP (203m)
Lake Yrnwy (360m)
Schottland
Schottland
Schottland
Schottland
England
Schottland
Schottland
Irland
Wales
239 km/h
193 km/h
187 km/h
174 km/h
165 km/h
133 km/h
120 km/h
115 km/h
113 km/h



Text: JW
03. Februar 2016