Wettergefahren-Frühwarnung | Tropischer Wirbelsturm "Chapala" - Yemen - 01.-03.11.2015
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Donnerstag, 05 November 2015 15:25 MEZ
aktualisiert am 17. November 2015, 14.30 MEZ


Tropische Wirbelstürme
"Chapala" und "Megh"

Jemen

01.-09.11.2015


Satellitenbild, 02.11.2015, 09:40 UTC
Quelle: Nasa Earth Observatory

Ende Oktober 2015 entstand über dem Arabischen Meer Zyklon "Chapala" und intensivierte sich dort bis zum 30. Oktober zu einem Wirbelsturm der 4. Kategorie. Er war der zweitstärkste Wirbelsturm der jemals über dem Arabischen Meer registriert wurde und steuerte in der Folge westwärts in den Golf von Aden. "Chapala" ging am 03. November im Jemen in der Provinz Shabwah an Land, wo er in den Wüstenregionen entlang der Küste für schwere Überschwemmungen sorgte. Schwere Schäden zog der Sturm auch auf der Insel Socotra nach sich, wo drei Menschen durch den Zyklon ihr Leben verloren.

Nur kurze Zeit später entstand am 05 November über dem Arabischen Meer Tropensturm "Megh". "Megh" überquerte am 8. November mit Windgeschwindigkeiten von 200 km/h als Wirbelsturm der 3. Kategorie ebenfalls die Insel Socotra und führte erneut zu mindestens 14 Todesopfer.


Wetterlage, Entwicklung und Einordnung

Der Zyklon "Chapala" fand seinen Ursprung in einem Gebiet hochreichender Konvektion südwestlich des Indischen Subkontinents, als sich daraus etwa ab dem 27.  Oktober ein abgeschlossener Wirbel definierte, und über dem sehr warmem Wasser des Arabischen Meers bis zum 28. Oktober zum vierten Tropensturm in diesem Jahr dort heranreifte.

MJO-Phasendiagramm, 25.09.-03.11.
© NOAA CPC
Begünstigt wurde die Entstehung von "Chapala" durch die Madden-Juilian-Oscillation (MJO). Sie beschreibt eine etwa 30-60 tägige wiederkehrende Variabilität, etwa von Wind, Druck und Temperatur, in den Tropen, die sich im Bereich des Äquators mit etwa 5 m/s (9 km/h) ostwärts verlagert. Das Signal der MJO ist besonders über der östlichen Hemisphäre, also über dem Indischen und dem westlichen Pazifischen Ozean ausgeprägt und in der Regel mit hochreichender Konvektion verbunden. Die Stärke eines MJO-Pulses, die großen interanularen Schwankungen unterliegt wird durch einen MJO-Index beschrieben, in dem zum einen Windanomalien im 200 hPa-Niveau sowie im 850 hPa-Niveau, zum anderen Anomalien der langwelligen Ausstrahlung eingehen. Die langwellige Ausstrahlung hängt maßgeblich von der Wolkenbedeckung und der Höhe der Wolkenobergrenze ab und spiegelt somit die konvektive Aktivität wieder. Im beigefügten Phasendiagramm ist sowohl die Stärke, als auch die Phase der MJO der letzten 40 Tage aufgetragen. Je weiter sich der Punkt vom Zentrum weg befindet, desto stärker ist die MJO. Mit der West-Ost-Verlagerung bewegt sich der Punkt mit der Zeit in der Regel gegen den Uhrzeigersinn. Das Diagramm zeigt eine deutliche Verstärkung des MJO-Signals ab dem 20. Oktober über dem westlichen Indischen Ozean, wo es am 27. Oktober ein Maximum erreichte. Die damit verbundene Konvektion schafte somit den Ausgangspunkt für die Entstehung von "Chapala".

Satellitenbilder | Quelle: Dundee Satellite Receiving Station
27.10.2015, 09 UTC 28.10.2015, 09 UTC 29.10.2015, 09 UTC 30.10.2015, 09 UTC
31.10.2015, 09 UTC 01.11.2015, 09 UTC 02.11.2015, 09 UTC 03.11.2015, 09 UTC

Zugbahn von "Chapala"
© Tropical Storm Risk
Über dem 28-30 °C warmen Ozean erfuhr der Wirbel vom 28. bis 30. Oktober über dem Arabischen Meer bei nur geringer vertikaler Windscherung eine rasche Intensivierung und erreichte nahe seines Zentrums Windgeschwindigkeiten von 135 kt (250 km/h) im minütigen Mittel. Dies entsprach der Stärke eines Wirbelsturms der Kategorie 4 auf der Saffir Simpson Skala. Die Entwicklung eines solch starken Zyklons über dem Arabischen Meer kann schon als außergewöhnlich betrachtet werden, da die Bedingungen für einen Wirbelsturm durch die umgebenden Landmassen deutlich schlechter sind als etwa über dem Atlantik oder dem Pazifik. Jährlich treten dort im Durchschnitt nur etwa ein bis zwei tropische Stürme auf. "Chapala" war insgesamt der zweitstärkste Wirbelsturm über dem Arabischen Meer der der sechststärkste über dem nördlichen Indischen Ozean seit Beginn der Aufzeichnungen 1979. Über dem Arabischen Meer wurde "Chapala" lediglich von Zyklon Gonu im Jahr 2007 übertroffen der mit Windgeschwindigkeiten von 140 kt (260 km/h) die höchste Kategorie 5 erreichte.

"Chapala" steuerte an den Folgetagen westwärts knapp nördlich an der Insel Socotra vorbei geradewegs in den Golf von Aden und befand sich an dessen Eingang am 2. November, 12 UTC mit 105 kt (194 km/h) im Mittel immer noch als Wirbelsturm der Kategorie 3. Unter dem Einfluss der umgebenden Landmassen schwächte sich der Zyklon von dort an weiter ab und ging schließlich am 3. November etwa zwischen 01 und 02 UTC etwa etwa 70 Kilometer südwestlich der Stadt Al Mukalla im Jemen als Wirbelsturm der Kategorie 1 an Land. Bei Seinem Landgang wies "Chapala" immer noch Windgeschwindigkeiten von 75 kt (139 km/h) auf. Einer Datenreihe des IMD zur Folge, die bis 1891 zurückgeht, war "Chapala" im Jemen der erste Wirbelsturm, der mindestens als einer der 1. Kategorie an Land ging. Reibungsbedingt und in der Umgebung trockener Wüstenluft löste sich "Chapala" über dem gebirgigen Terrain Jemens in der Folge rasch auf.

"Chapalas" Windfeld am 30.10., 18 UTC
Quelle: NOAA SSD
"Chapalas" Windfeld am 03.11., 00 UTC
Quelle: NOAA SSD
SST am 04.11., 00 UTC
Quelle: Levi Cowan / Tropicaltidbits.com
SST-Anomalie am 04.11., 00 UTC
Quelle: Levi Cowan / Tropicaltidbits.com

Außergewöhnliche Niederschläge im Yemen und Auswirkungen

Niederschlag vom 28.10., 18 UTC -
03.11., 08:30 UTC
© TRMM
Zyklon "Chapala" brachte an der Küste Jemens für die Region außergewöhnliche Regenfälle mit sich. In der von Wüste geprägten Küstenregion Jemens fallen gewöhnlich nur weniger als 50 mm Niederschlag im Jahr. Da es im Jemen kaum Messstationen gibt lassen sich die gefallenen Niederschlagsmengen nur über satellitengestützte Radarsysteme schätzen. Demnach sind in den Gebirgsregionen um Al Mukalla in der Spitze etwa bis zu 400 mm Niederschlag gefallen.
Von schweren Überschwemmungen waren weite Teile der Küstenabschnitte der Provinzen Shabwah und Hadramaut, darunter auch die Stadt Al-Mukalla (mehr als 200.000 Einwohner) betroffen. In Folge der fehlenden Vegetation floss das Wasser ungehindert die Berghänge hinunter und setzte große Teile der Stadt unter Wasser. Die humanitäre Notlage, die aufgrund des Bürgerkrieges im Jemen ohnehin schon herrscht, wurde somit weiter verschärft.
Für schwere Schäden sorgte der Zyklon zuvor bereits auch auf der Insel Socotra. Nach Angaben von Reliefweb mussten schätzungsweise 18.000 Menschen dort ihre Häuser verlassen. Drei Menschen kamen bislang auf der Insel um s Leben.

Satellitenbilder | Quellen: Nasa Earth Observatory, NOAA SSD
(vis) 30.10.2015, 09 UTC (ir) 30.10.2015, 06 UTC

Satellitenbilder, Auswirkungen der Niederschläge im Jemen | Quelle: Nasa Earth Observatory
19.10.2015 04.11.2015

Zweiter Wirbelsturm in nur einer Woche im Golf von Aden

Satellitenbild "Megh", 07.11.2015
© Nasa Worldview
Noch während "Chapala" im Jemen an Land ging bildete sich im Entstehungsgebiet von "Chapala" über dem Arabischen Meer bereits ein neuer tropischer Wirbel aus. Dieser reifte am 05. November zum Tropensturm "Megh" heran und schlug eine ähnliche Zugbahn wie "Chapala" westwärts Richtung Golf von Aden ein. Bei nur geringer Windscherung konnte auch "Megh" sich über dem außergewöhnlich warmen Meer weiter intensivieren und erreichte am 08. November, 06 UTC mit Mittelwinden von 110 kt (204 km/h) die Stärke eines Wirbelsturms der Kategorie 3 und damit seinen Höhepunkt.
Meghs Zugbahn verlief im Vergleich zu "Chapala" etwas südlicher und somit traf sein Zentrum unmittelbar nach seinem Höhepunkt mit voller Wucht auf die Insel Socotra die nun zum zweiten Mal in sehr kurzer Zeit von einem Zyklon heimgesucht wurde. Erneut wurden tausende Häuser durch den Zyklon schwer beschädigt. Etwa 80 % der Straßen auf der Insel waren unpassierbar und erneut wird von mindestens 14 Toten berichtet. (The National)
Auf seinem weiteren Weg nach Westen in den Golf von Aden schwächte sich der Zyklon aufgrund größerer Windscherung, sowie der Zufuhr trockenerer Luft aus den angrenzenden Wüstengebieten zunehmend ab und ging am späten Abend des 09. November im Südwesten Jemens als Tropensturm an Land, wo er sich rasch auflöste und keine größeren Schäden anrichtete.

Zugbahn von Megh
Quelle: Unisys Weather
"Meghs" Windfeld am 08.11., 12 UTC
Quelle: NOAA SSD
Niederschlag vom 05.11. - 10.11.
Quelle: TRMM


Text: MB
05. November 2015
aktualisiert am 17.11.2015