Wettergefahren-Frühwarnung | Starkschneefall, Sturm - Nordosten der USA, Neuengland - 26.01. bis 28.01.2015
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Donnerstag, 29. Januar 2014, 23:50 MEZ

Starkschneefall, Sturm

Schneesturm "Juno"

Nordosten der USA, Neuengland

26.01. - 28.01.2015



Nach Schneesturm "Juno" über dem Nordosten der USA
Satellitenbild, 29.01.2015, 23:50 UTC
Quelle: NOAA/Nasa


Ein bemerkenswertes Schneesturmereignis suchte vom 26.01.- bis 28.01.2015 den Nordosten der USA heim. Starke Schneefälle kombiniert mit heftigen Windböen führten in den Bundesstaaten New York, Connecticut, Rhode Island, Massachusetts, New Hampshire und Maine zu chaotischen Zuständen. Betroffen davon war auch der Großraum Boston. In Massachusetts fielen bis zu 91 cm Neuschnee. An den Küsten verursachte eine Sturmflut Schäden an Straßen und Gebäuden. Großteils wurde der Schienen- und Flugverkehr komplett eingestellt. Auf den Straßen wurden in einigen Regionen, darunter auch in Boston und New York City Fahrverbote verhängt.



Wetterlage und Entwicklung

Die Großwetterlage über dem Nordamerikanischen Kontinent war zur Mitte der dritten Januardekade von einem mächtigen Rücken über dem Westen der USA geprägt, während über dem Osten der USA ein Langwellentrog seine Amplitude bis in den Golf von Mexiko ausbreitete. Rückseitig des Troges strömten in der Höhe kalte Luftmassen polaren Ursprungs in den Osten Kanadas, wo hingegen in den westlichen Bundesstaaten unter dem Rücken extrem milde Luft vorherrschte. In den Staaten Kalifornien, Oregon und Washington erreichte die Temperatur am 24.- und 25. Januar an 7 Stationen neue Rekordwerte für den Monat Januar. Beispielsweise stieg die Temperatur im Death Valley (CA) am 25.01. auf 30,5 °C. Zwischen den unterschiedlich Temperierten Luftmassen entstand am 24.01.2015 vorderseitig eines in den Langwellentrog einlaufenden Kurzwellentroges im Lee der Rockey Mountains Tief "Juno", das nur 2 Tage später in den Staaten Neuenglands ein bemerkendes Schneesturmereignis hervorrief.

Vorderseitig des Kurzwellentroges verlagerte sich "Juno" unter zunächst nur geringer Intensivierung südostwärts und erreichte am 26.01. etwa bei North Carolina den Atlantik. Dort wurden schließlich sehr warme und feuchte Luftmassen aus dem Golf von Mexiko in die Zirkulation mit einbezogen, was starke Hebungsprozesse und somit eine rasche Intensivierung des Tiefs zur Folge hatte. Dabei nahm "Juno" eine Zugbahn parallel zur Ostküste der USA ein und erreichte am 27.01. mit einem Kerndruck von unter 985 hPa etwa im Seegebiet vor der Küste Connecticuts und Massachusetts seinen Höhepunkt. Unter zunehmender Abschwächung zog "Juno" bis zum 28.01. weiter nach Neufundland.

Während "Juno" an seiner Vorderseiten die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Golf von Mexiko über dem Atlantik nach Norden transportierte, zapfte das Tief auf seiner Rückseite zumindest in den bodennahen Luftschichten die über dem Osten Kanadas liegende Kaltluftmasse an. Unter großräumiger Hebung der warmen Luftmasse bildeten sich ergiebige Niederschläge aus, die auf der warmen Seite des Tiefs über dem Meer als Regen niedergingen. Rückseitig des Tiefs wurde über dem Festland die warme Luft aus Nordosten um das Tief herumgeführt und glitt auf die bodennah vorherrschende Kaltluft auf. Damit stellten sich entlang der Küste Neuenglands ergiebige Schneefälle ein. An der Nordwestflanke des Tiefs baute sich zudem im Zusammenspiel mit einem mächtigen Kältehoch von über 1035 hPa über Québec ein starker Druckgradient auf, womit sich an der Ostküste ein strammer Nordostwind einstellte, der in Böen örtlich Orkanstärke erreichte. Tiefdruckgebiete, die wie "Juno" eine Zugbahn parallel zur Ostküste einnehmen und somit an der Ostküste einen Nordoststurm zur Folge haben werden in den USA auch als Nor'easter bezeichnet.


Höhenwetterkarten zur Großwetterlage

500-hPa-Geopotential und Bodendruck, 850-hPa-Temperatur vom 25.01. bis 28.01.2015 | Quelle: wetter3.de
25.01.2015, 00 UTC 26.01.2015, 00 UTC 27.01.2015, 00 UTC 28.01.2015, 00 UTC


Bodendruckanalysen

Bodendruckanalysen vom 07.02. bis 10.02.2013 | Quelle: HPC NOAA
25.01.2015, 01:36 UTC 26.01.2015, 01:36 UTC 27.01.2015, 01:26 UTC 28.01.2015, 01:25 UTC


Satellitenbilder

GOES-13 Satellitenbilder IR-Kanal vom 25.01. bis 27.01.2015 | Quelle: GOES NASA NOAA
25.01.2015, 05:45 UTC 25.01.2015, 17:45 UTC 26.01.2015, 05:45 UTC
26.01.2015, 17:45 UTC 27.01.2015, 05:45 UTC 27.01.2015, 17:45 UTC


Niederschlagsradarbilder

Niederschlagsradarbilder staatenweit | Quelle: NCAR
26.01.2015, 06:00 UTC 26.01.2015, 18:00 UTC 27.01.2015, 06:00 UTC 27.01.2015, 18:00 UTC



Ergiebiger Schneefall, Orkanböen, und Auswirkungen

Sattelitenbild USA
26.01.2015 © NOAA/Nasa
Am 26.01. schneite es zunächst von Ohio über Pennsylvania bis nach New York leicht. Am Abend des 26.01. setzten aus Südosten neue intensive Schneefälle ein, die sich im Laufe des 27.01. auf den Süden New Yorks, Connecticut, Rhode Island, Massachusetts, New Hampshire, Vermont und Main ausbreiteten. Zum Teil schneite es mehr als 10 cm in nur einer Stunde. Insgesamt fielen vielerorts über 80 cm Neuschnee. Am meisten schneite es in Teilen Massachusetts wo sich die Neuschneehöhe in Lunenburg, Hudson und Auburn auf 91 cm summierten. Mit einer Neuschneehöhe von 66 cm wurde auch der Großraum Boston schwer getroffen. Neben den Schneefällen erreichte der Wind zum Teil Orkanstärke und türmte somit enorme Schneeverwehungen auf. In Nantucket (MA) und auf dem Mount Washington (NH) wurden Böen bis 126 km/h gemessen. Die U-Bahnen in Boston und New York City stellten vorübergehend ihren Betrieb ein. Bahnverbindungen, darunter auch die Strecke zwischen Boston und New York waren unterbrochen. Schulen blieben geschlossen. In Massachusetts waren mindestens 16.500 Menschen vorübergehend ohne Strom. Entlang der Ostküste fielen tausende Flüge aus und in Massachusetts, Rhode Island und New York City wurden Fahrverbote verhängt. An den Küsten verursachte der stramme Nordostwind eine Sturmflut. Straßen und Gebäude entlang der Küste Massachusetts wurden in Folge der Flut beschädigt. In Nantucket Downtown (MA) stand das Wasser über einen Meter hoch.


Verlauf: Schneehöhenanalysen zum Termin (links) und 24-h-Schneefallmengen bis zum Termin (rechts) | Quelle: NOHRSC
26.01.2015, 06 UTC 28.01.2015, 06 UTC 27.01.2015, 06 UTC 28.01.2015, 06 UTC


Gesamtneuschneesummen von "Juno" in cm (links) und Spitzenböen während des Ereignisses (rechts)
Datenquelle: HPC NOAA
Ort Neuschnee
Hudson (MA)
Auburn (MA)
Lunenburg (MA)
Clinton (MA)
Winthrop (CO
Thompson (CO
Nashua (NH)
Worcester (MA)
Hudson (NH)
North Waterbord (ME)
Hampton (NH)
Southhampton (NY)
Boston (MA)
Islip Airport (NY)
Portland (ME)
NYC Central Park (NY)
91 cm
91 cm
91 cm
87 cm
86 cm
85 cm
84 cm
81 cm
81 cm
80 cm
79 cm
74 cm
66 cm
63 cm
46 cm
25 cm
Ort Windböe
Nantucket (MA)
Mount Washington (NH)
Chatham (MA)
Aquinnah (MA)
Humarock (MA)
Centerville (MA)
Edgartown (MA)
Rockport (MA)
Eastport (ME)
Westhampton Airport (NY)
Brooklin (ME)
126 km/h
126 km/h
121 km/h
119 km/h
119 km/h
116 km/h
108 km/h
103 km/h
98 km/h
97 km/h
89 km/h

Historische Einordnung

Aufgrund großer Luftmassengegensätze zwischen kalten kontinentalen Luftmassen über Kanada und feuchtwarmen Luftmassen über dem Golf von Mexiko ist der Nordosten der USA prädestiniert für heftige Schneesturmereignisse. Blizzards stellen somit im Nordosten der USA keine Seltenheit dar. Schneesturm "Juno" wurde dennoch häufig als historisches Ereignis bezeichnet. Die Messstation Worcester Airport stellte mit einer Neuschnee von 88 cm einen neuen Rekord auf. Der bisherige Rekord von 84 cm stammt vom 01. April 1997. Auch damals legte ein Schneesturm große Teile Neuenglands, darunter auch die Metropolregion Boston lahm. Am Flughafen Boston geht "Juno" mit einer Neuschneehöhe von 62 cm als sechstgrößtes Blizzardereignis in die Geschichte ein. Der letzte Schneesturm vergleichbarer Stärke traf den Nordosten im Februar 2013. Damals zog Tief "Nemo" ebenfalls als Nor'easter über den Nordosten der USA hinweg und brachte in der Spitze bis zu einem Meter Neuschnee. Einer der verheerendsten Schneestürme in der Geschichte der USA ereignete sich im März 1888. In Saratoga Springs (NY) türmte sich der Schnee 150 cm hoch. Insgesamt kamen damals etwa 400 Menschen in Folge des Blizzards ums Leben.

Eindrücke von "Juno" | Quelle: wunderground.com
Hamisville (RI), 27.01.
© wunderground (scottcenyon)
Smithtown (NY), 27.01.
© wunderground (joealaska)
East Lyme (CT), 27.01.
© wunderground (Xchange)

Fehlvorhersage für New York City

Während weite Teile Neuenglands mit den Schneemassen die Tief "Juno" mit sich brachte, zu kämpfen hatte, fiel in New York City vergleichsweise wenig Schnee. Entgegen der Vorhersagen am Vortag, wonach in der Metropolregion New York City zwischen 50 und 75 cm Neuschnee hätte fallen sollen, meldete die Staton im Central Park einen Neuschneezuwachs von nur 25 cm, NYC/La Guardia verzeichnete 29 cm Neuschnee. Auf Basis der Vorhersagen wurde für New York City vorsorglich ein Fahrverbot verhängt, auch der Betrieb der U-Bahn wurde eingestellt. Die Schwierigkeit der genauen Vorhersage der Schneemengen für New York City lag darin, dass sich die Metropolregion genau am Rand der heftigsten Niederschläge befand. Nur geringe Änderungen in der Zugbahn des Tiefs können dann große Auswirkungen auf die Neuschneemenge haben. Dem zur Folge zeigten die Modelle noch am Vortag eine große Spannbreite der zu erwartenden Neuschneemenge für New York City auf. Viele Modellläufe, darunter auch der Hauptlauf des europäischen EZMWF-Modells berechneten am 26.01. noch eine etwa 160 Kilometer westlichere Zugbahn von "Juno", was auch für New York City deutlich größere Schneemengen zur Folge gehabt hätte.


Text: MB
29. Januar 2015