Die erste ausgeprägte Hitzewelle - einige heiße Tage hatte es schon Anfang Juni gegeben, siehe
hier und hier - des Sommers 2010
erreichte Anfang Juli in West- und Mitteleuropa mit Höchsttemperaturen von verbreitet um +35 °C und einigen neuen
Rekorden im Nordwesten Deutschlands ihren Höhepunkt. Zum Ende richteten örtlich schwere Gewitter Schäden an, eine
überregionale Unwetterlage blieb jedoch aus.
Wetterlage und Entwicklung
Ihren zunächst verhaltenen Anfang nahm die rund einwöchige Hitzeperiode am 27./28. Juni, als sich das Hochdruckgebiet
"Xerxes" mit seinem Schwerpunkt über den Norden Deutschlands Richtung Nordpolen und Baltikum verlagerte. Es war
vorderseitig eines nicht sonderlich ausgeprägten Hochdruckrückens über Westeuropa entstanden, der sich in der Folge zum
südöstlichen Mitteleuropa verlagerte und abgebaut wurde. Großräumiges Absinken und diabatische Prozesse durch die kräftige
Sonneneinstrahlung zum einen, andererseits auch schwache Advektion führten zu einer schrittweisen Erwärmung der Luftmasse
auf hochsommerliches Niveau. Dabei wurden erstmals am 27. entlang des Rheins +30 °C und mehr erreicht (z. B.
Düsseldorf/Flgh. +30,7 °C), am 29. hatte die Hitze auch den Norden und Osten Deutschlands erfasst.
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Bodendruckanalysen vom 28. bis 30.06.2010 | Quelle: FU Berlin / DWD |
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| 28.06.2010, 00 UTC |
29.06.2010, 00 UTC |
30.06.2010, 00 UTC |
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850-hPa-Geopotential und -Temperatur vom 28. bis 30.06.2010 | Quelle: Wetterzentrale |
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| 28.06.2010, 00 UTC |
29.06.2010, 00 UTC |
30.06.2010, 00 UTC |
Am 30. floss hinter den Fronten zweier skandinavischer Tiefdruckgebiete ("Ilse" und "Jutta") kurzzeitig
etwas kühlere Luft in den Norden ein; im Westen und Süden blieb es heiß. Zum 1. Juli etablierte sich ein für die Jahreszeit
ungewöhnlich kräftiges Tief mit seinem Zentrum südlich von Island. Massive Warmluftadvektion auf seiner Vorderseite ließ
über West- und Mitteleuropa einen mächtigen Rücken entstehen, der am 2. etwa vom westlichen Mittelmeerraum über den Osten
Frankreichs, Benelux und große Teile Deutschlands bis nach Südskandinavien und in gebogener Form nach Grönland reichte. Am
Boden - wo insgesamt jedoch nur schwache Luftdruckgegensätze vorzufinden waren - bildete sich eine dem Rücken etwas
vorgelagerte Hochdruckzone aus, die in "Yari" über der südlichen Ostsee einen Schwerpunkt fand. Mit einer
südwestlichen Strömung ging die Erwärmung der unteren Troposphäre nun vor allem über advektive Prozesse vonstatten, wobei am
2. und 3. über nahezu ganz Deutschland Temperaturen von teilweise deutlich über +15 °C im 850-hPa-Niveau (etwa
1.500 Meter) analysiert werden konnten.
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Bodendruckanalysen vom 02. bis 04.07.2010 | Quelle: FU Berlin / DWD |
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| 02.07.2010, 00 UTC |
03.07.2010, 00 UTC |
04.07.2010, 00 UTC |
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850-hPa-Geopotential und -Temperatur vom 02. bis 04.07.2010 | Quelle: Wetterzentrale |
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| 02.07.2010, 00 UTC |
03.07.2010, 00 UTC |
04.07.2010, 00 UTC |
Entsprechend heiß wurde es denn auch am Boden. Am 2. konnten verbreitet über +30, im Westen Deutschlands bis +35 °C
(z. B. Köln/Bonn Flgh.) gemessen werden. In Benelux und Frankreich erreichten die Stationen in Kleine-Brogel im Nordosten
Belgiens (+37,3 °C) und Auxerre (+36,0 °C) Spitzenwerte. Im Nordwesten Deutschlands wurden an sechs Stationen neue
Rekorde für die erste Julidekade aufgestellt.
Diese sollten aber nur 24 Stunden Bestand haben, denn alle sechs Stationen überboten am 3. ihren gerade aufgestellten Rekord
zum Teil nochmals deutlich. In Bremerhaven (+34,1 °C) und Osnabrück (+36,9 °C) wurden neue Rekorde für den gesamten
Monat verzeichnet; an den Stationen wird seit 1949 bzw. 1952 gemessen. Die höchste Temperatur im Messnetz des Deutschen
Wetterdienstes (DWD) konnte das nordrhein-westfälische Rahden-Varl mit +37,1 °C für sich beanspruchen - an der Ende 2008
aufgegebenen Station in der Karlsruher Hertzstraße, wo das Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher
Institut für Technologie die Messungen jedoch unter denselben Bedingungen fortführt, konnten gar +37,9 °C registriert
werden. Allerdings war es hier Anfang Juli 1952 noch heißer.
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Höchsttemperaturen an Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 02. bis 04.07.2010 | Quelle: IMK, KIT |
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| 02.07.2010 |
03.07.2010 |
04.07.2010 |
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Erste größere Quellwolken am Mittag des 03.07.2010 von der Hornisgrinde
im Nordschwarzwald aus gesehen. Fotos: Christian Ehmann |
Mit der langsam von West nach Ost über Deutschland hinwegziehenden Kaltfront des namenlosen Sturmtiefs bei Island wurde die
heiße Subtropikluft am 4. durch gemäßigter temperierte Warmluft ersetzt. Höchstwerte deutlich über +30 °C waren dann nur
noch in Brandenburg vorzufinden (z. B. Cottbus +32,6 °C). Im Vorfeld der Front entwickelten sich bereits am Nachmittag
des 3. im Westen und Süden Deutschlands örtlich kräftige Schauer und Gewitter. Innerhalb kurzer Zeit fielen beispielsweise in
Bernkastel-Kues an der Mosel 54 mm. In der Nacht zum 4. und am Morgen war vor allem Baden-Württemberg von heftigen Gewittern
mit Starkregen betroffen; in Vaihingen an der Enz summierten sich binnen zwei Stunden 64 mm. Auch tagsüber konzentrierten
sich die Gewitter auf den Süden Deutschlands. Die größte Niederschlagsmenge verbuchte Oy-Mittelberg-Petersthal im Oberallgäu
mit 96 mm innerhalb kurzer Zeit für sich - nach dem langjährigen Klimamittel sind dort im Juli aber auch 192 mm zu erwarten.
Die unwetterartigen Gewitter verursachten mancherorts große Schäden. Vor allem in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg
wurden zahlreiche Keller und Straßen überschwemmt. Besonders betroffen war der Kreis Ludwigsburg und der Großraum Stuttgart.
In Schwieberdingen stand das Wasser bis zu 1,5 Meter hoch in den Straßen. Im Zollernalbkreis und bei Villingen-Schwenningen
lösten Blitzeinschläge Dachstuhlbrände aus. In Teilen von Rheinland-Pfalz deckten zudem örtlich auftretende Sturmböen Dächer
ab und entwurzelten Bäume.
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Niederschlagsradarbilder vom 03./04.07.2010 | Quelle: DWD |
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| 03.07.2010, 18:00 MESZ |
04.07.2010, 00:00 MESZ |
04.07.2010, 06:00 MESZ |
04.07.2010, 12:00 MESZ |
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Blitzkarten vom 03./04.07.2010 | Quelle: BLIDS |
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| 03.07.2010, 16:00-18:00 MESZ |
03./04.07., 22:00-00:00 MESZ |
04.07.2010, 04:00-06:00 MESZ |
04.07.2010, 10:00-12:00 MESZ |
Auch im benachbarten Ausland entluden sich teilweise heftige Gewitter. Im Salzkammergut fielen bis zu 145 mm innerhalb von
24 Stunden. In Ried im Innkreis (Oberösterreich) konnten 54 mm binnen einer Stunde notiert werden.
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Satellitenbilder vom 02. bis 04.07.2010 | Quelle: F. Valk |
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| 02.07.2010, 12 UTC, Meteosat-8 VIS/IR |
03.07.2010, 12 UTC, Meteosat-8 VIS/IR |
04.07.2010, 12 UTC, Meteosat-8 VIS/IR |
Wetterwerte
Nachstehend die höchsten gemessenen Temperaturen in Deutschland an Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom
02. bis 04.07.2010. Quelle: DWD
Die Messungen an der Ende 2008 aufgegebenen Station Karlsruhe/Hertzstraße führt das Institut für Meteorologie und
Klimaforschung (IMK) am Karlsruher Institut für Meteorologie (KIT) unter denselben Bedingungen fort.
| Ort |
02. |
Kleve (NRW) Duisburg-Baerl (NRW) Tönisvorst (NRW) Kalkar (NRW)
Borken in Westfalen (NRW) Rheinstetten (BW) Karlsruhe/Hertzstr. (BW) |
35,6 °C 35,3 °C 35,2 °C
35,2 °C 35,1 °C 33,0 °C 34,7 °C |
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| Ort |
03. |
Rahden-Varl (NRW) Osnabrück (NDS) Bendorf (RP) Kahl/Main (BY)
Koblenz (RP) Rheinstetten (BW) Karlsruhe/Hertzstr. (BW) |
37,1 °C 36,9 °C 36,5 °C
36,0 °C 36,0 °C 34,6 °C 37,9 °C |
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| Ort |
04. |
Klettwitz (BB) Berlin-Kaniswall (B) Cottbus (BB)
Berlin-Alexanderplatz (B) Baruth (BB) Rheinstetten (BW) Karlsruhe/Hertzstr. (BW) |
33,1 °C 32,6 °C 32,6 °C
32,6 °C 32,6 °C 27,5 °C 30,5 °C |
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Text: CE
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In Zusammenarbeit mit:
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