Wettergefahren-Frühwarnung | Extreme Hitze - Mittel- und Westeuropa - 23.07.-09.08.2018
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

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Dienstag, 14. August 2018, 10:00 MESZ



Extreme Hitze
West-/Mitteleuropa

23.07.-09.08.2018


Geopotentialabweichungen April bis Juli 2018 in Europa
Quelle: NOAA ESRL

Ende Juli und Anfang August 2018 stellte sich eine der längsten Hitzewellen seit Aufzeichnungsbeginn in Deutschland ein. Die höchsten Temperaturen erreichten bis zu 39,5 °C in Bernburg an der Saale am 31. Juli - Allzeitrekord für Sachsen-Anhalt. An Stationen wie Mannheim und Frankfurt wurden die Rekorde von 1976 und 2003 für die längsten Serien mit Höchsttemperaturen über 30 °C gebrochen. Diese Wetterlage zeigte sich als Höhepunkt einer seit April anhaltenden viel zu warmen und massiv zu trockenen Witterung in einem Ausmaß, wie sie seit mindestens 1881 nicht beobachtet wurde.

Zeitweise zeigten sich die Auswirkungen in Skandinavien, Benelux und den Britischen Inseln noch stärker. Auch in Südwesteuropa fielen Allzeit-Hitzerekorde (44,0 °C in Lissabon am 2. August). Noch heißer war es am 4. August mit 46,8 °C in Alvega (POR) und 46,6 °C in El Granado (ESP) - ähnlich wie 2003 und 2017 nicht weit vom europäischen Hitzerekord (48,5 °C in Catenanuova/Sizilien, 1999) entfernt. Schwere Waldbrände wüteten u.a. in Schweden, Portugal und Griechenland. Am 5. Juli registrierte Ouargla (Algerien) mit 51,3 °C die höchste verlässlich gemessene Temperatur Afrikas.


Wetterlage und Entwicklung

Bis zu 18 Tage lang hielt die ununterbrochene Serie von Hitzetagen im Südwesten Deutschlands an. Sie begann am 23. Juli, als nach Auflösung des Gewittertiefs "Isabell" von der Biskaya her Hoch "Helmut" nordostwärts vorrückte und eine Brücke zum Kontinentalhoch schlug. Im Zuge dessen konnten heiße Luftmassen (> 15 °C in 850 hPa) aus Südwesteuropa rasch sehr weit nach Norden vorstoßen - unterstützt vom atlantischen Tiefdruckkomplex, welcher später den Namen "Juli" erhielt. Sie erreichten am 26. Juli die Barentssee und am 28. Juli das Nordmeer, dabei wurden etliche Temperaturrekorde in Nordeuropa gebrochen. Der vorderseitige Warmlufttransport ermöglichte und verstärkte die Bildung des Hochs "Ingolf" über Skandinavien, welches sich auf über 1035 hPa am 28. Juli intensivierte. Beide Druckgebilde dominierten das Wettergeschehen rund um den Monatswechsel Juli/August.

500 hPa-Geopotential und Bodendruck, 850 hPa-Geopotential und Temperatur | Quelle: Wetter3
23.07.2018, 18 UTC 24.07.2018, 18 UTC 25.07.2018, 18 UTC 26.07.2018, 18 UTC 27.07.2018, 18 UTC 28.07.2018, 18 UTC

Durch intensive Sonneneinstrahlung sowie einen Wechsel aus Advektion und Absinken erreichten die Temperaturen am 27. und 28. Juli in Mitteleuropa einen ersten Höhepunkt. Zwischen Nordfrankreich und den Niederlanden wurden neue Allzeitrekorde registriert (z.B. Arcen/NL am 26. Juli und Gent/BE am 27. Juli: 38,2 °C). Nach einem kurzen Kaltfrontdurchgang stiegen die Höchstwerte am 31. Juli noch höher (bis zu 22 °C in 850 hPa).

Auch in den ersten Augusttagen vermochten Tiefausläufer nur wenige Gewitter und etwas kühlere Luft am 1. und 5. August in den Nordwesten Deutschlands mitzubringen, während die Höchsttemperaturen sonst durchweg (deutlich) oberhalb der 30-Grad-Marke lagen. Unterdessen setzte auf der Iberischen Halbinsel eine extreme Hitzewelle mit 850 hPa-Temperaturen bis 28 °C ein. Die Hitze wurde zunächst Richtung Portugal und Atlantik verfrachtet, dort entwickelte sich das neue Hoch "Johannes", welches sich ostwärts verlagerte. Ein Ableger der Hitze (20 °C in 850 hPa) erreichte den Südwesten Deutschlands am 3. und 4. August. Die Konstellation auf dem Atlantik zeigte sich etwas anders als beispielsweise 2015, als im Zuge einer antizyklonalen Südwestlage am 7. August die heißesten Luftmassen auf direktem Weg nach Deutschland vorankamen (bis 24 °C in 850 hPa) und den neuen Allzeitrekord von 40,3 °C in Kitzingen zum zweiten Mal in vier Wochen einstellten.

500 hPa-Geopotential und Bodendruck, 850 hPa-Geopotential und Temperatur | Quelle: Wetter3
29.07.2018, 18 UTC 30.07.2018, 18 UTC 31.07.2018, 18 UTC 01.08.2018, 18 UTC 02.08.2018, 18 UTC 03.08.2018, 18 UTC

Als sich Tief "Nadine" dem Festland näherte, kam ein weiterer Schwall Heißluft (bis 21 °C in 850 hPa) am 7. August nach Deutschland voran. Köln-Bonn Flughafen mit 38,3 °C und Langenlipsdorf (BB) mit 38,4 °C am Folgetag erzielten die höchsten Temperaturen. Ein Kaltfrontdurchgang mit Gewittern und Sturm beendete die größte Hitze.

Diese lange Hitzewelle war die Fortsetzung von seit April anhaltendem deutlich zu warmem Wetter. Vom 26. Juni bis zum 12. August erreichten 45 von 48 möglichen Tagen im Südwesten das Sommertagskriterium (z.B. Mannheim). Beispielsweise in Frankfurt und Hamburg wurde der Rekord für die meisten Hitzetage in einem Jahr übertroffen.

500 hPa-Geopotential und Bodendruck, 850 hPa-Geopotential und Temperatur | Quelle: Wetter3
04.08.2018, 18 UTC 05.08.2018, 18 UTC 06.08.2018, 18 UTC 07.08.2018, 18 UTC 08.08.2018, 18 UTC 09.08.2018, 18 UTC

Die Ursprünge der Trockenperiode lassen sich bis Februar mit der Entstehung des Hochs "Dino" zurückverfolgen. Nach dem stürmischen, extrem milden und nassen Januar stellte sich die europäische Großwetterlage dauerhaft um. Während "Hartmut" und "Irenäus" noch zwei Kältewellen bis Mitte März brachten, sorgte "Norbert" Mitte April für ein sehr rasches Voranschreiten des Frühlings bis zum Frühsommer. Eine meteorologische Ursache lässt sich in einem frühen und markanten Zurückweichen des Polarfront-Jetstreams nach Norden ausmachen, zusätzlich bildete dieser rund um die Nordhemisphäre vier lange Wellen, wodurch sich eine äußerst stabile Konstellation manifestierte (Omega-Wetterlage). Flankiert von zwei Höhentrögen befand sich häufig ein Höhenrücken über Zentral- und Nordeuropa. Im Bodendruckfeld regenerierte sich immer wieder ein blockierendes Hochdruckgebiet über Skandinavien (z.B. Ende Mai/Anfang Juni oder Mitte Juli), auch als Reaktion auf die Vorgänge stromaufwärts. Westwinde mit kühlerer und feuchter Luft erreichten Mitteleuropa kaum noch.


Ausgewählte Rekorde Ende Juli und Anfang August 2018
Datenquelle: DWD
Ort Datum Temperatur Art des Rekords Länge der Messreihe in Jahren
Bernburg (Saale)
Münster / Osnabrück
Bochum
List / Sylt
Brocken
Berlin - Tempelhof
Schwerin
Göttingen
Rostock-Warnemünde
Konstanz
Schleswig
Plauen
Bremen/Flughafen
Fehmarn
Frankfurt / Main
Kleiner Feldberg / Taunus
Köln-Bonn
Düsseldorf
Braunschweig
31.07.2018
07.08.2018
07.08.2018
26.07.2018
31.07.2018
08.08.2018
31.07.2018
31.07.2018
31.07.2018
01.08.2018
07.08.2018
31.07.2018
26.07.2018
31.07.2018
31.07.2018
31.07.2018
26.07.2018
26.07.2018
31.07.2018
39,5 °C
37,5 °C
37,3 °C
32,8 °C
28,5 °C
38,0 °C
36,1 °C
36,3 °C
35,5 °C
36,5 °C
33,9 °C
36,3 °C
35,2 °C
31,9 °C
37,0 °C
30,5 °C
36,3 °C
36,5 °C
34,8 °C
Allzeitrekord
Allzeitrekord
Allzeitrekord
Allzeitrekord
Monatsrekord
Monatsrekord
Monatsrekord
Monatsrekord
Monatsrekord
Monatsrekord
Monatsrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
Dekadenrekord
90
28
46
78
70
68
121
72
70
46
68
133
128
62
68
82
60
47
57


Vergleich der Hitzewellen (Geopotentialabweichungen) | Quelle: NOAA ESRL
Juni - Juli 2018 Juni - Juli 2003 Juni - Juli 2006 August 2003


Temperaturverläufe 2003 und 2018 im Vergleich
Tmax Bremen Tmin Bremen Tmean Bremen Tmax Zugspitze Tmin Zugspitze Tmean Zugspitze


Wärmesummen 2003 und 2018 im Vergleich
Cuxhaven München Köln-Bonn Brocken



Text: FB
Grafiken/Daten: CL
11.-13. August 2018