Wettergefahren-Frühwarnung | Tropischer Wirbelsturm 02A "Mekunu - Oman/Jemen - 23.-26.05.2018
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Sonntag, 27. Mai 2018, 20:30 MESZ



Tropischer Wirbelsturm 02A "Mekunu"
Oman und Jemen

23.-26.05.2018


Satellitenbild, 24.05.2018, 12 UTC
Quelle: Dundee Satellite Receiving Station

Ende Mai 2018 entwickelte sich der sehr ungewöhnliche, starke Zyklon "Mekunu" im nordwestlichen Indischen Ozean. Er ist der stärkste Wirbelsturm, welcher seit Beginn der Satellitenbeobachtungen auf die Arabische Halbinsel traf. Er folgte innerhalb weniger Tage auf den genauso ungewöhnlichen Tropensturm "Sagar" - dem stärksten und westlichsten Tropensturm in Somalia, bei welchem 34 Menschen ums Leben kamen.
"Mekunu" erreichte Mittelwinde von 185 km/h und Böen um 200 km/h (entspricht Kategorie 3-Hurrikan) und 12 Meter hohe Wellen (Quelle: GulfToday). Eine Sturmflut, hoher Wellengang und das doppelte des üblichen Jahresniederschlags von Salalah (340.000 Einwohner) in 24 Stunden sowie Sturzfluten von den steil aufragenden, küstennahen Gebirgen (900 bis 1500 Meter Höhe) brachte die Wadis (Trockentäler) zum Überlaufen und überschwemmte die Stadt mindestens knietief. Mindestens 11 Menschen kamen ums Leben.


Wetterlage und Entwicklung

Trajektorie "Mekunu"
13.05.18
© JTWC
Sehr warmes Meerwasser mit SSTs von 30-32 °C (1-2 K über dem langjährigen Mittel) und schwache Windscherung stellten sehr gute Bedingungen für die Entstehung tropischer Zyklonen im westlichen Indischen Ozean bereit. Um den 17. Mai stiegen die SSTs vor Somalia vor dem Ereignis großflächig bis auf 34 °C (+5 K) an, was im Meer als extreme Anomalie bezeichnet werden muss und atmosphärische Gegebenheiten stark beeinflussen kann. Die Stürme können sich zudem nur in den Übergangsjahreszeiten Frühjahr und Herbst entwickeln, wenn die Windscherung und Windgeschwindigkeiten noch schwach genug sind. Im Sommer weht mit einer kräftigen südwestlichen Strömung der Sommermonsun, im Winter dominiert aus Nordosten der Wintermonsun. Oft macht trockene Luft von der wüstenhaften Arabischen Halbinsel die Entstehung von Tropenstürmen weit westlich im Indischen Ozean, etwa von Somalia bis zum Iran, nahezu unmöglich. Möglicherweise hat ein kräftiger Subtropen-Jetstream mit dem Zustrom feuchterer Luft nach Arabien die atmosphärischen Bedingungen für die tropische Zyklogenese verbessert.

Nach seiner Entstehung und Heraufstufung zu einem Zyklon zog "Mekunu" am 24. Mai nahe der Insel Socotra nach Norden, welche zuletzt im November 2015 zwei Mal schwer getroffen wurde. Anschließend erfolgte eine rapide Verstärkung bis zu einem Cat 3-äquivalenten Sturm auf der Saffir-Simpson-Skala (Benennung "extrem schwerer Zyklon" vom indischen Wetterdienst IMD) und einem minimalen Kerndruck von 962 hPa. Der Landfall erfolgte westlich von Salalah, im Grenzgebiet Jemen/Oman am 25. Mai. In der Stadt selbst wurden Windböen bis 107 km/h gemessen. Die Hafen- und Tourismusstadt Salalah als Hauptstadt der südomanischen Provinz Dhofar wird auch als "Karibik des Orients" bezeichnet und beheimatet Bananenplantagen. Die 24-stündigen Regenmengen erreichten bis zu 278,2 mm in 24 Stunden in Salalah am 26. Mai, mehr als das Doppelte des Jahresniederschlags (96 mm), lokal durch Staueffekte noch mehr. Im Mai und Juni sind im klimatologischen Mittel jeweils nur 7 bis 8 mm Regen zu erwarten, mehr Regen fällt erst im Juli und August. Verglichen mit den übrigen Regionen der Arabischen Halbinsel ist es dort während der Sommermonsun-Zeit eher kühl und nass, anhand des Jahresniederschlags ist die Region allerdings immer noch als arid zu bezeichnen. Der niederschlagsreiche Monsun ist erst östlich über Indien zu finden.

"Mekunu" schwächte sich anschließend rasch zu einem tropischen Tiefdruckgebiet ab, brachte allerdings noch viel Regen in eine der trockensten Regionen der Welt, in Saudi-Arabien (Rub al-Chali). Dort bedeuten 100 mm Regen schon rund dem Sechsfachen des üblichen Jahresniederschlags (Quelle: The Week). Zusätzlich ereigneten sich Staubstürme, wie schon häufiger in den letzten Wochen. Die Gesamtregensummen belaufen sich auf über 450 mm auf Socotra, 350 mm im schmalen Küstenstreifen von Ostjemen bis zum Westoman und rund 150 mm in Saudi-Arabien.

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa Geopotential und Temperatur | Quelle: Wetter3
23.05.2018, 06 UTC 24.05.2018, 06 UTC 25.05.2018, 06 UTC 26.05.2018, 06 UTC


Satellitenfilm | Quelle: Dundee


Sagar, Mekunu und Gesamtniederschlag auf der Arabischen Halbinsel | Quellen: NASA, NRL, Global Precipitation Viewer


Text: FB
27. Mai 2018