Wettergefahren-Frühwarnung | Starkniederschläge - Mitteleuropa - 11.-12.11.2017
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Dienstag, 14. November 2017, 23:00 MEZ



Starkniederschläge

Mitteleuropa

11.-12.11.2017


Satellitenbild, 12.11.2017, 13 UTC
Quelle: Sat24


Mitte November 2017 zogen zwei Randtiefs südlich des skandinavischen Tiefdruckkomplexes über Süddeutschland von West nach Ost. Das zweite Randtief war ex-Tropensturm Rina, der 17. benannte Sturm der atlantischen Hurrikansaison 2017. Dabei wurde subtropische Atlantikluft mitgeführt, welche zu deutlich kühlerer Polarluft über Norddeutschland eine Luftmassengrenze ausbildete. Es resultierten ergiebige und anhaltende Niederschläge, die bis in die Hochlagen als Regen niedergingen. Im Schwarzwald summierte sich der Regen auf fast 150 mm in 48 Stunden (Feldberg: 140,1 mm). Die Pegel an kleineren Flüssen und Bächen stiegen rasch an, die Kleine Wiese vermeldete das Erreichen einer 20-jährlichen Hochwassermarke. Erst nach Durchzug der Kaltfront am 12. November, welche in der Donauregion mit Gewittern einherging, ließen tiefere Temperaturen Neuschneemengen bis 28 cm (Balderschwang) zu. Zeitweise verstärkte sich der Luftdruckgradient durch die Randtiefs markant - mit schweren Sturmböen in München (94 km/h) und Orkanböen auf dem Feldberg (130 km/h).


Ende der ersten Novemberdekade 2017 befand sich Tropensturm Rina vergleichsweise weit nördlich auf dem Atlantik und zog an Neufundland vorbei, dort setzte die Umwandlung zu einem außertropischen Tiefdruckgebiet ein sowie die Aufnahme in die Frontalzone der mittleren Breiten (09.11.). Zu diesem Zeitpunkt befand sich Mitteleuropa noch unter leichtem Höhentiefeinfluss. An der Ostflanke des kräftigen Höhenrückens vor Westeuropa dehnte sich vom 10. auf den 11. November ein Trog vom Nordmeer über Skandinavien bis ins östliche Mitteleuropa aus. Ein kräftiger Jetstream-Ast befand sich dabei im 300 hPa-Niveau zunächst mit Geschwindigkeiten bis über 300 km/h westlich von Schottland und verlagerte sich unter Abschwächung nach Mitteleuropa, wo er noch Geschwindigkeiten von 200-240 km/h inne hatte. Im Bodendruckfeld zog am 10. November zunächst Tief "Michael" mit seinem Frontensystem über Deutschland hinweg, am 11. November folgte "ex-Rina" mit hoher Verlagerungsgeschwindigkeit nur noch abgeschwächt als Welle. Am 12. November leitete Tief "Numa", in der Höhe korrespondierend mit einem Kurzwellentrog und einem rückseitigen Jetstreak, wie schon eine Woche zuvor einen Kaltlufteinbruch ein. Dieses Mal war neben Mistral und einer erneuten Zyklogenese im westlichen Mittelmeerraum noch etwas kältere Luft bis -5 °C in 850 hPa von der Partie.

Vorderseitig der benannten Welle wurden sehr milde Luftmassen (0 °C bis 5 °C in 850 hPa) von Frankreich in den Westen und Süden Deutschlands transportiert und über die rückseitig von Tief "Michael" eingeflossene kalte Meeresluft (um -3 °C in 850 hPa) gehoben. Die Niederschläge fielen überwiegend auf der warmen Seite der Frontalzone, mit der ausgeprägten westlichen Strömung mit reichlichem Feuchtenachschub resultierten ergiebige Regenfälle vor allem im Weststau bis in höchste Mittelgebirgslagen (über 1500 Meter Höhe). Südlich einer Linie Karlsruhe-Regensburg waren tagsüber zweistellige Temperaturen zu verzeichnen.
Der Vorstoß eines markanten Kurzwellentrogs von den Britischen Inseln her brachte Hebung durch Überlagerung von Höhendivergenz im Ausströmbereich des Jetstreams und mit der Höhe zunehmender positiver Vorticityadvektion. In Bodennähe resultierte daraus die Entstehung des abgeschlossenen Bodentiefs "Numa" über Süddeutschland. Gleichzeitig wurde der Trog von starker Kaltluftadvektion überlaufen. Die Temperaturen auf dem Feldberg sanken so von +4 °C auf -6 °C von 8 bis 22 Uhr am 12. November. Deutlich ungewöhnlicher zeigten sich die hohen Regensummen, die durch zuvor vom Atlantik herangeführten für November milden Luftmassen viel Neuschnee selbst in den Gipfellagen verhinderten. In Balderschwang fiel nur rund ein Achtel bis ein Viertel des Niederschlags als Schnee, meist war es deutlich weniger. Der Regen fand rasch den Weg in die kleineren Flüsse, ein größeres Hochwasser an größeren Flüssen blieb durch die zuvor eher durchschnittlichen Pegelstände aus.

500 hPa Geopotential und Bodendruck, 850 hPa-Temperatur und Geopotential, Vorticity- und Schichtdickenadvektion | Quellen: Wetter3
11.11., 06 UTC 11.11., 18 UTC 12.11., 06 UTC 12.11., 18 UTC


Ausgewählte 48 h-Regenmengen bis 13.11.2017, 06 UTC
Datenquelle: DWD JavaMap
Ort RR
Feldberg/Schwarzwald
Säntis (CH)
Todtmoos
Baiersbronn-Mitteltal
Baiersbronn-Ruhestein
Balderschwang
Simonswald-Obersimonswald
Freudenstadt
Elzach-Fisnacht
Rheinfelden
140,1 mm
140,0 mm
138,6 mm
124,7 mm
122,6 mm
111,5 mm
109,9 mm
95,6 mm
88,4 mm
65,9 mm


Text: FB
14. November 2017