Wettergefahren-Frühwarnung | Tropischer Wirbelsturm "Meranti" - Taiwan/China - 13.-16.09.2016
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Samstag, 17. September 2016, 12:50 MESZ



Tropischer Wirbelsturm
Taifun "Meranti"

Taiwan/Ostchina

13.-16.09.2016


Satellitenbild, 13.09.2016
Quelle: NOAA NNVL

Mitte September wurde Taiwan von einem tropischen Wirbelsturm namens "Meranti" heimgesucht, der zeitweilig als Supertaifun der höchsten Kategorie 5 über dem Westpazifik seine Kreise zog und mit seinem Wirbelzentrum nur knapp südlich an Taiwan vorbeizog. In abgeschwächter Form ging "Meranti" in Ostchina mit Kategorie 2 an Land. Der Taifun war mit 1-min-Mittelwinden von maximal 165 kt (306 km/h) der bis dato stärkste tropische Wirbelsturm des Jahres 2016. Sintflutartige Regenfälle, Überflutungen, Erdrutsche und heftige Windböen verursachten schwere Schäden. Mindestens 15 Menschen kamen in Taiwan und China ums Leben.


Wetterlage und Entwicklung

Am 8. September wurde westlich von Guam eine tropische Störung, die rasch organisierte Regenbänder bildete und vom Joint Typhoon Warning Center (JTWC) zu einer tropischen Depression erklärt wurde und die Bezeichnung "16W" erhielt. Auf einer westnordwestlichen Zugbahn intensivierte sich das System im Bereich schwacher vertikaler Windscherung und hohen Wassertemperaturen um 30 °C. Am 10. September stufte die Japan Meteorological Agency (JMA) das Tief zu einem Tropensturm herauf und vergab ihm den Namen "Meranti". Am Folgetag erreichten die mittleren Windgeschwindigkeiten Taifunstärke. Am 12. September erhielt der tropische Wirbelsturm den Status eines Supertaifuns. Um 12 UTC desselben Tages klassifizierte das JTWC "Meranti" in die höchste Kategorie 5 auf der Saffir-Simpson-Skala - als vierter im Jahr 2016 dieser Kategorie weltweit. Zuvor waren im Februar "Winston" im Südwestpazifik, im Mai "Fantala" im Südwestindik und zuletzt im Juli Super-Taifun "Nepartak" aktiv. Letzterer suchte ebenfalls Taiwan heim. Durchschnittlich treten weltweit pro Jahr vier bis fünf tropische Wirbelstürme der höchsten Kategorie auf.

Satellitenbilder und Radarbilder | Quellen: Digital Typhoon, CWB
10.09.2016, 00 UTC 11.09.2016, 00 UTC 12.09.2016, 00 UTC 13.09.2016, 00 UTC 14.09.2016, 00 UTC 15.09.2016, 00 UTC
13.09.2016, 17 UTC 13.09.2016, 23 UTC 14.09.2016, 05 UTC 14.09.2016, 11 UTC 14.09.2016, 17 UTC 14.09.2016, 23 UTC

Auf dem Satellitenbild war ein eindrucksvoller Wolkenwirbel rund 700 Kilometer östlich der philippinischen Hauptinsel Luzon zu sehen. Konzentrisch angeordnete Wolken- und konvektive Niederschlagsbänder traten deutlich hervor. Der Durchmesser des Gesamtsystems betrug zirka 1000 Kilometer. Am 13. September erreichte der Taifun seinen Höhepunkt. Um 18 UTC wurden vom JTWC mittlere Windgeschwindigkeiten (1-min-Mittel) von 165 kt (306 km/h) analysiert. Der japanische Wetterdienst JMA bezifferte die mittleren Winde im 10-minütigen Mittel auf 120 kt (222 km/h) bei einem minimalen Kerndruck von 890 hPa. Das Auge des Taifuns mit den höchsten Windgeschwindigkeiten in der sogenannten Augenwand zog dabei nur knapp südlich an Taiwan vorbei. Nach JTWC-Windanalysen ist "Meranti" der bis dato stärkste tropische Wirbelsturm des Jahres 2016. Mit einer Verlagerungsgeschwindigkeit von rund 20 km/h steuerte der Wirbelsturm auf die ostchinesische Küste zu. In Xiamen (chinesische Provinz Fujian) ging der Taifun mit Windgeschwindigkeiten von 93 kt (173 km/h) nach Angaben des chinesischen Wetterdienstes am 14. September um 19:05 UTC an Land. Bedingt durch kühlere Meeresoberflächentemperaturen und aufgrund der Interaktion mit den Landmassen schwächte sich der Wirbelsturm rasch ab.

Kerndruckverlauf, Zugbahn und Meeresoberflächentemperatur (14.09., 22:33 UTC) | Quellen: Digital Typhoon, CIMSS

Windfelder | Quelle: NOAA SSD
13.09.2016, 12 UTC 14.09.2016, 06 UTC 14.09.2016, 18 UTC

Auswirkungen

"Meranti" hinterließ in Taiwan und Ostchina zum Teil schwere Schäden. Sintflutartige Regenfälle und heftige Windböen verursachten Überflutungen, hohen Wellengang und Erdrutsche. In Pingtung ganz im Süden Taiwans fielen binnen 16 Stunden (bis 08:10 UTC am 13.09.) eine 714,0 mm Regen. Innerhalb von 25 Stunden (bis 17:00 UTC am 14.09.) registrierte Xidawushan 808,0 mm Niederschlag. Unzählige Straßen wurden überflutet und Bäume stürzten um.
Auch in China fielen gebietsweise fast 300 mm Regen innerhalb von 24 Stunden. Zeitweise waren über 3,2 Mio. Chinesen ohne Strom. In Xiamen City beispielsweise kam es zu massiven Stromausfällen, schweren Behinderungen im Zugverkehr und einer zeitweiligen Unterbrechung der Wasserversorgung. Über 400.000 Menschen mussten in Ostchina ihre Häuser verlassen. Ein reißender Fluss zerstörte in Xinhua eine 871 Jahre alte Brücke. Die Behörden in Fujian gehen von Schäden im Bereich von rund 250 Mio. USD aus (Quelle: www.news.com.au). In den ostchinesischen Provinzen Fujian und Zhejiang kamen mindestens 15 Menschen ums Leben. Zahlreiche Menschen werden vermisst. Zuvor wurden in Taiwan infolge des Taifuns dutzende Menschen verletzt.

Niederschlagskarten | Quellen: CWB, TRMM
24-h-RR bis 14.09.2016, 16 UTC 24-h-RR bis 14.09.2016, 16 UTC 24-h-RR bis 15.09.2016, 16 UTC 72-h-RR bis 15.09.2016, 12 UTC


25-h-Niederschlagssummen bis 14.09., 17 UTC in Taiwan (l.) und 24-h-Niederschlagsmengen bis 15.09., 18 UTC in China (r.)
Datenquellen: CWB, weather.com.cn
Ort Menge
Xidawushan
Shiwen
Dahanshan
Jinjhenshan
Tianxiang
Lili
Xinwu-3
Nan'e
Kenlei
Jiutaiwu
Chunri
Wuling
Funan
808,0 mm
661,0 mm
638,0 mm
602,0 mm
600,0 mm
575,5 mm
574,0 mm
554,0 mm
543,5 mm
532,5 mm
528,5 mm
522,0 mm
521,0 mm
Ort Menge
Zherong
Fenghua
Ninghai
Quanzhou
Wencheng
Yuyao
280,1 mm
268,4 mm
259,8 mm
247,8 mm
245,9 mm
224,7 mm


Radarbildanimation 13.-15.09.2016 (Lokalzeit = UTC+8) | Quelle: CWB


Text: SB
17. September 2016