Wettergefahren-Frühwarnung | Kräftige Gewitter - USA - 08.-10.04.2015
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Sonntag, 12. April 2015, 14:10 MESZ


Kräftige Gewitter

USA

08.-10.04.2015


Tornado bei Kirkland (IL)
09.04.2015
Quelle: wunderground.com

Zum Ende der ersten Aprildekade entluden sich in den mittleren Landesteilen der USA verbreitet schwere Gewitter. Bereits am 8. April richteten Gewitter vom Norden Texas über Oklahoma und Kansas bis nach Ohio besonders durch Hagel, der stellenweise Korndurchmesser bis zu 10 cm erreichte, Schäden an. Am 9. April entwickelten sich entlang einer Kaltfront erneut heftige Gewitter. In Illinois verwüstete ein Tornado die Ortschaft Fairdale. Zwei Menschen verloren dabei ihr Leben.



Wetterlage und Entwicklung

Alljährlich nimmt im Frühjahr in den USA die Gewittertätigkeit deutlich zu und nicht selten entwickeln sich zum Teil schwere Unwetter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen sowie einzelnen Tornados. Nachdem die Gewittersaison in diesem Jahr Ende März außergewöhnlich spät begann, kam es zum Ende der ersten Aprildekade von Texas bis zu den Großen Seen verbreitet zu schweren Gewittern. Die Voraussetzungen dafür wurden durch einen Höhentrog geschaffen, der sich ab dem 07. April langsam von der Pazifikküste ostwärts verlagerte. Stromab formierte sich im Lee der Rockey Mountains ein Bodentiefdruckkomplex, an dessen Vorderseite in den unteren Luftschichten sehr feuchte und warme Luftmassen aus dem Golf von Mexiko nach Norden bis zu den Großen Seen transportiert wurden. Zusammen mit kälterer und trockenerer Luft, die in der Höhe mit der Annäherung des Höhentrogs von Westen einsickerte, führte dies zu einer großen potentiellen Instabilität in der Atmosphäre und damit zu besten Bedingungen für hochreichende Konvektion. Die CAPE (Convectively available potential energy), die Energie, die für die Konvektion zur Verfügung steht, erreichten vom 07. bis zum 09. April zum Teil Werte über 2000 J/kg. Um Konvektion auszulösen ist neben einer labil geschichteten Atmosphäre noch ein zusätzlicher Hebungsantrieb nötig. Dieser wurde zum einen großflächig vorderseitig des Höhentrogs bereitgestellt, zum anderen wurde die Luft durch bodennahe Konvergenzlinien zum Aufsteigen gezwungen.

Analysekarten sowie Radiosondenaufstiege am 09.04., 00 UTC (oben) und am 10.04., 00 UTC (unten) | Quellen: wetter3.de, University of Wyoming
500-hPa-Geopotential und -Bodendruck 850 hPa pseudopotentielle Temperatur Cape und Lifted Index Radiosondenaufstieg Topeka (KS)
500-hPa-Geopotential und -Bodendruck 850 hPa pseudopotentielle Temperatur Cape und Lifted Index Radiosondenaufstieg ILX Lincoln (IL)

Radarfilm: Superzelle über Illinois
09.04., 22 UTC - 10.04., 02 UTC
© NCAR
Entlang einer sogenannten "dry line", die die feuchtwarme Luft aus dem Golf von Mexiko von ebenfalls warmer aber deutlich trockenerer Luft über dem trockenen Südwesten der USA trennte, entstanden bereits am 8. April schwere Gewitter. Auch an der Warmfront des Tiefs, die sich am 8. April etwa von Kansas ostwärts bis nach Ohio erstreckte entluden sich zahlreiche Gewitter. Vielerorts kam es zu Schäden vor allem durch großkörnigen Hagel. Von Hagel mit deinem Korndurchmesser von etwa 10 cm wurde aus Sullivan (MO) berichtet. Einzelne Tornados wurden bevorzugt in Kansas gesichtet. Noch bessere Bedingungen für die Ausbildung von Tornados lagen am 9. April vor. Der Höhentrog verlagerte sich weiter ostwärts und seine Achse erstreckte sich 10. April, 00 UTC etwa von Iowa bis nach Arkansas. Im Bereich des Höhentrogs nahm der Wind mit der Höhe stark zu, was die Ausbildung rotierender Superzellen, in denen bevorzugt Tornados entstehen, begünstigte. Das Bodentief zog von den mittleren Plains nordostwärts zu den Großen Seen und besonders im Vorfeld der Kaltfront, die sich etwa von Illinois bis in den Nordosten Texas erstreckte und langsam ostwärts zog, lebte die Gewittertätigkeit im Laufe des Tages stark auf. Hagel und Sturmböen richteten erneut Schäden an. Besonders Betroffen war der Bundesstaat Illinois, wo ein Tornado der Stärke F4 auf der Fujita-Skala eine Schneise der Verwüstung nach sich zog. Teile Ortschaft Fairdale (IL), etwa 100 Kilometer westlich von Chicago, wurden dem Erdboden gleichgemacht. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben. Insgesamt wurden am 9. April in den Bundestaaten Illinois, Iowa und Missouri 16 Tornados gesichtet.

Im Storm Prediction Center eingegangene Unwettermeldungen und Niederschlagsradarbilder USA | Quelle: SPC, NCAR
08.04.2015 09.04.2015 09.04., 02 UTC Radarfilm vom 09.04., 18:30 UTC bis 10.04., 06 UTC

GOES-13-Satellitenbilder (ir) | Quelle: NASA NOAA GOES Project
09.04., 01:45 UTC 10.04., 02:00 UTC

Zugbahn des Tornados, der über Fairdale zog | Quelle: Nasa Earth Observatory


Text: MB
12. April 2015