Wettergefahren-Frühwarnung | Schnee, Kälte, Wärme - USA - Februar 2015
Wettergefahren-Frühwarnung - Übersicht

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Donnerstag, 26. Februar 2014, 00:10 MEZ


Extreme Kälte, Schnee

USA

Februar 2015


Abweichung 2-m-Temperatur vom langjährigen Mittel
(1979-2000) am 20.02.2015
Quelle: The Climate Reanalyzer

Der Februar 2015 wird den USA als Monat der Extreme in Erinnerung bleiben. Extreme Kälte bestimmte das Wetter insbesondere ab der 2. Februardekade in den östlichen Bundesstaaten. Zahlreiche Stationen verzeichneten neue Rekorde der Tiefsttemperatur für den Monat Februar. Nach Angaben von The Weather Channel starben bislang 22 Menschen an Unterkühlung. In Neuengland wurden neue Rekorde in der Schneehöhe aufgestellt. In Boston fiel in diesem Februar so viel Schnee wie in keinem Februar zuvor. Im Westen der USA war es in diesem Februar dagegen an manchen Orten noch nie so warm als in diesem Jahr.



Entwicklung der Wetterlage im Februar

Nach dem verheerenden Schneesturm "Juno", der Ende Januar 2015 über die Bundesstaaten Neuenglands hinwegfegte, bildeten sich in der ersten Februardekade im Lee der Rockey Mountains weitere Schneetiefs, die sich auf der Vorderseite durchschwenkender Höhentröge auf ihrem Weg ostwärts Richtung Atlantikküste intensivierten und gebietsweise erneut heftige Schneefälle mit sich führten. Damit stiegen sowohl die Gesamtschneehöhen, als auch die akkumulierten Neuschneesummen insbesondere in Teilen Neuenglands in den Rekordbereich.
500 hPa-Geopotentialanomalie
10.02. - 23.02.
© NOAA Earth System Research Labroratory
Derweil sammelte sich über Kanada bereits tiefes Geopotential mit hochreichend arktischer Kaltluftmasse an, die jedoch zunächst nur zeitweise den Norden und Nordosten der USA erfasste. Ab der zweiten Februardekade stellte sich jedoch ein äußerst stabiles Strömungsmuster ein, das den Bundesstaaten im Osten bis zum Ende des Monats eine intensive Kälteperiode bescherte, im Westen dagegen für extrem milde Temperaturen sorgte. Über dem Westen Nordamerikas und dem nordostpazifischen Raum wölbte sich ein mächtiger Höhenrücken nach Norden auf und reichte mit seiner Amplitude zeitweise bis in den Norden Alaskas. Als Gegenspieler verlagerte sich der Kältepol mit tiefen Geopotential über Kanada südwärts bis in den Osten der USA. In Folge dieses Strömungsmusters wurde der Osten der Vereinigten Staaten bis Monatsende in mehreren Schüben mit Kaltluft geflutet.


850-hPa-Temperatur vom 25.01. bis 28.01.2015 | Quelle: wetter3.de
13.02.2015, 00 UTC 15.02.2015, 00 UTC 17.02.2015, 00 UTC 19.02.2015, 00 UTC
21.02.2015, 00 UTC 23.02.2015, 00 UTC 25.02.2015, 00 UTC 27.02.2015, 00 UTC


GOES-12 (01.02.) und GOES-13 Satellitenbilder IR-Kanal | Quellen: Ferdinand Valk, GOES NASA NOAA
"Linus": 01.02.2015, 00:00 UTC "Marcus": 09.02.2015, 14:45 UTC "Neptune": 15.02.2015, 14:45 UTC "Octavie": 16.02.2015, 17:45 UTC "Pandora": 21.02.2015, 20:45 UTC


Rekordschneehöhen in Neuengland

Satellitenbild USA
15.02.2015, 20:45 UTC
© NOAA Earth Observatory
Nach Tief "Juno" am 27. Januar, der mit einem Blizzard über die Bundesstaaten Neuenglands zog bildete sich bereits am 01. Februar im Lee der Rockey Mountains Tief "Linus" aus, das sich auf seinem Weg nach Osten intensivierte und am 02. Februar etwa auf einer Höhe von New Jersey bis nach Maryland den Atlantik erreichte. Dort schlug das Tief eine küstenparallele Zugbahn ein, und verlagerte sich bis zum 03. Februar in Richtung Neufundland. An seinen Frontensystemen, die feuchtwarme Luftmassen im Süden von kalter Luft im Norden trennten, bildeten sich kräftige Niederschläge aus, die auf der warmen Seite als Regen, auf der kalten Seite als Schnee niedergingen. Im Übergangsbereich fiel zum Teil gefrierender Regen. Am meisten Schnee ging in einem Streifen von New Mexico bis zu den Großen Seen und weiter bis nach Neuengland nieder. Örtlich fielen bis zu einem halben Meter Neuschnee. Mit 49 cm Neuschnee erlebte Chicago den bislang fünftheftigsten Schneesturm seit Beginn der Aufzeichnungen 1871. Zahlreiche Schulen blieben geschlossen. Im Bundesstaat Illinois waren mehr als 10 000 Menschen vorübergehend ohne Strom.
Vom 08. bis zum 10. Februar gelangte besonders Neuengland vorderseitig eines Troges wieder in den Bereich großräumiger Hebungsprozesse, die auf der kalten Rückseite von Tief "Marcus" in weiten Teilen der Neuenglandstaaten zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen für heftige Schneefälle sorgten. Mit einer Neuschneehöhe von 60 cm zwischen dem 07. und 10. Februar in Boston reihte sich dieses Schneefallereignis dort auf Platz 7 seit Beginn der Aufzeichnungen ein. Damit war es in Boston nach dem Blizzard "Juno" das zweite Schneefallereignis, das unter den Top-10 landete. Am 09. Februar lag in Boston mit 94 cm die höchste Schneedecke, die dort je gemessen wurde. In Folge weiterer Schneefälle, die insbesondere mit Sturmtief "Neptune" am 15. Februar einhergingen, summierte sich die tägliche Neuschneemenge in Boston bis zum 25. Februar auf 165 cm. Damit liegt die aufsummierte Neuschneemenge im Monat Februar in diesem Jahr bereits jetzt auf Platz 1.

24-h-Schneefallmengen bis zum Termin | Quelle: NOHRSC
02.02.2015, 06 UTC 03.02.2015, 06 UTC 10.02.2015, 06 UTC
16.02.2015, 06 UTC 17.02.2015, 06 UTC 22.02.2015, 06 UTC


Neuschneesummen in Folge einzelner Schneefallereignisse
Datenquelle: HPC NOAA
Ort: USA Neuschnee (Tief "Linus")
Leominster (MA)
Sauk Village (IL)
Webster (NY)
La Porte (IN)
Chicago O'Hare International Airport (IL)
Fitchburg (MA)
Battle Creek (MI)
Highwood (IL)
Eastport (ME)
53 cm
51 cm
50 cm
49 cm
49 cm
48 cm
47 cm
46 cm
46 cm
Ort: USA Neuschneehöhe (Tief "Neptune")
Robbinston (ME)
Lubec (ME)
York Beach (ME)
Eastport (ME)
Acushnet (MA)
Ipswich (MA)
Seabrock (NH)
East Boston (MA)
65 cm
61 cm
61 cm
59 cm
56 cm
56 cm
51 cm
41 cm

Ort: USA Neuschneehöhe (Tief "Octavia")
Logan (WV)
Oceana(WV)
Beattyville (KY)
Estill (KY)
Pikeville (KY)
Mount Mitchell State (NC)
Scott City (MO)
Sacramento (IL)
Powhatan (VA)
38 cm
37 cm
36 cm
36 cm
36 cm
34 cm
30 cm
30 cm
27 cm
Ort: USA Neuschneehöhe (Tief "Pandora")
Cherry Grove (WV)
Mustoe (VA)
Middlebrook (VA)
Afton (VA)
Damascus (MD)
Clarksburg (MD)
Springfield (IL)
Washington DC National Zoo
NJC Central Park (NY)
46 cm
42 cm
38 cm
37 cm
33 cm
31 cm
30 cm
11 cm
10 cm


Extreme Kälte und Schnee im Osten - Rekordwärme im Westen

Die außergewöhnliche Kälteperiode begann in weiten Teilen der östlichen Bundesstaaten am 12. Februar, als ein erster Schwall kontinentaler Kaltluft, die sich über Kanada angesammelt hatte, zwischen einem Hoch, das sich etwa von Zentralkanada bis zu den Dakotas erstreckte, und tiefem Luftdruck über Neuengland nach Süden vorstieß. Kräftige Warmluftadvektion westlich des Hochs führte zum Aufbau eines mächtigen Höhenrückens der bis nach Alaska reichte, wohingegen der Ausbruch der arktischen Kaltluftmasse einen Trog über den östlichen Bundesstaaten der USA amplifizierte. Vorderseitig des Höhenrückens
30-tägige Durchschnittstemperatur und
Abweichung vom langjährigen Mittel bis
zum 23.02.
© NOAA Climate Prediction Center
konnte sich das Hoch über Zentralkanada immer wieder regenerieren, womit der Osten der USA bis Monatsende immer wieder von Kaltluft geflutet wurde. Mit dem ersten Kaltluftvorstoß sanken die Temperaturen in der Nacht zum 12. Februar westlich der Großen Seen nahe der kanadischen Grenze bereits knapp an die -30 Grad-Marke heran. Tagsüber stiegen die Temperaturen in Neuengland örtlich nur knapp über -20 °C, wie beispielsweise mit -19 °C am Newport State Airport (VT). Rückseitig von Sturmtief "Neptune", das mit heftigen Schneefellen und starken Windböen über Neuengland und den Osten Kanadas hinwegfegte, folgte am 15. Februar bereits der nächste Vorstoß arktischer Luftmassen. Im 850 hPa-Niveau erreichte die -25 Grad-Isotherme das Gebiet um die Großen Seen und am Boden gingen die Temperaturen in der Nacht auf den 16. Februar in diesem Bereich örtlich unter -30 °C zurück, zum Beispiel mit -37,8 °C am Watertown International Airport (NY).
An der Luftmassengrenze zur wärmeren und feuchten Luft über dem Golf von Mexiko bildete sich am 16. Februar Tief "Oktavia" aus, das vor allem den Bundesstaaten von Oklahoma bis nach Virginia und North Carolina beachtliche Neuschneemengen bescherte. In Kentucky und West-Virginia fielen örtlich über 30 cm Neuschnee. Erneut waren chaotische Straßenverhältnisse, Schul- und zum Teil Stromausfälle die Folge. Einige Bundesstaaten riefen den Notstand aus.
Unter den weiträumigen Schneeflächen konnte sich die Luft während des nächsten Kaltluftvorstoßes ab dem 18. Februar noch stärker auskühlen. Im 850 hPa-Niveau gingen die Temperaturen im Bereich der großen Seen auf -30 °C zurück, die -10 Grad-Isotherme erreichte die Nordgrenze Floridas. Die Tage zwischen dem 18. und dem 20. Februar stellten sich als Höhepunkt der Kältewelle heraus. An 562 Messstationen wurden am 20. Februar neue Tagesrekorde der Tiefsttemperatur aufgestellt, Einige Stationen verzeichneten neue Rekorde der Tiefsttemperatur für den Monat Februar. Sogar in Florida sanken die
Tiefsttemperaturen am 20.02.2015
© DWD Javamap
Temperaturen zum Teil unter den Gefrierpunkt. Einen Tiefstwert von -4,4 °C maß beispielsweise die Station Jacksonville im Norden Floridas. Im Bereich der großen Seen knackten gleich mehrere Stationen die -30 Grad-Marke. Besonders dem Nordosten der USA blieb die Kälte auch in den folgenden Tagen erhalten. Rund um die Großen Seen sowie im Nordosten könnte der Februar in diesem Jahr einer der kältesten seit Beginn der Aufzeichnungen werden. In Bangor (ME) beispielsweise lag die durchschnittliche Temperatur im Februar bis zum 19.02. bei -14,8 °C und damit 7,9 K unter dem langjährigen Mittel von -6,9 °C. Nach Angaben von The Weather Channel starben bislang 22 Menschen an Unterkühlung.
Im Kontrast zum Osten verlief der Monat im Westen der USA, der im Bereich des Höhenrückens häufig im Zustrom warmer Luftmassen lag, bislang erheblich zu warm. In Evanston (WY) lag die durchschnittliche Temperatur im Februar bis zum 19.02. bei +3,3 °C und damit 8,7 K über dem langjährigen Mittel von -5,4 °C. Insgesammt wurden 39 neue Temperaturrekorde für den Monat Februar gebrochen.

Temperaturverläufe an ausgewählten Orten | Quelle: CPC
Boston (MA) Washington DC Chicago (IL) Salt Lake City (UT)

Auswahl neuer Monatsrekorde der Tiefsttemperatur vom 01.02. bis 21.02.2015
Auswahl neuer Monatsrekorde der Höchsttemperatur vom 01.02. bis 21.02.2015
Datenquelle:NOAA/NCDC
Ort: USA Tmin Datum alt (Jahr)
Watertown International Airport (NY)
Jamestown (NY)
Chardon (OH)
Linsville (PA)
Mount Sterling (KY)
Ford City (PA)
Erie International Airport (PA)
Dubois Jefferson Co. Airport (PA)
Brookport Dam (IL)
Detroit Willow Run Airport (MI)
Dearborn (MI)
Lock Haven Sewage Plant. (PA)
Lynchburg (VA)
-37,8 °C
-35,0 °C
-33,9 °C
-32,8(°C
-32,8 °C
-30,6 °C
-27,8 °C
-27,2 °C
-26,7 °C
-26,1 °C
-25,6 °C
-24,4 °C
-23,9 °C
16.02.
17.02.
20.02.
20.02.
20.02.
21.02.
16.02.
16.02.
19.02.
16.02.
16.02.
16.02.
20.02.
-37,2 °C (2007)
-34.4 °C (1979)
-32,2 °C (1979)
-31,1 °C (1948)
-30,0 °C (1899)
-29,4 °C (1961)
-27,2 °C (1979)
-23,9 °C (1979)
-22,8 °C (1985)
-23,3 °C (2011)
-24,4 °C (1985)
-22.8 °C (2014)
-23,3 °C (1996)
Ort: USA Tmin Datum alt (Jahr)
Seattle Boeing Field (WA)
Upper Sand Wash (UT)
Kettleman City (CA)
Livingston (TX)
Signal Peak Monroe (UT)
South Lake Tahoe Airport (CA)
Alberton (MT)
Tejon Rancho (CA)
Spring Valley (NV)
27,2 °C
18,9 °C
26,7 °C
35,0 °C
16,7 °C
18,3 °C
16.6 °C
30,0 °C
23,3 °C
12.02.
14.02.
05.02.
16.02.
14.02.
13.02.
07.02.
05.02.
14.02.
21,1 °C (1963)
15.6 °C (2014)
24,4 °C (1961)
32,8 °C (1986)
15,0 °C (1995)
16,7 °C (1977)
15,0 °C (1963)
28,9 °C (2002)
22,2 °C (1986)



Text: MB
26. Februar 2015