Wettergefahren-Frühwarnung | Hurrikan "Gordon" - Azoren - 20.08.2012
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Mittwoch, 22. August 2012, 13:35 MESZ


Tropischer Wirbelsturm 08L
Hurrikan "Gordon"


Azoren
20.08.2012


Satellitenbild: 18.08.2012, MODIS/LANCE
Hurrikan "Gordon"
Quelle: NASA Earth Observatory


Der tropische Wirbelsturm "Gordon" war nach "Chris" und "Ernesto" Hurrikan Nummer 3 der laufenden Saison auf dem Atlantik und wurde auf seinem Höhepunkt als Hurrikan der zweiten Kategorie eingestuft. Damit war "Gordon" rein faktisch kein sonderlich starker Wirbelsturm, jedoch machte ihn seine Zugbahn, die ihn bis zu den Azoren führte, zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Von Starkregen und Orkanböen betroffen waren die Azoren-Inseln Sao Miguel und Santa Maria.


Wetterlage und Entwicklung

Zugbahn "Gordon"
Quelle: weather.unisys.com
"Gordon" hatte seinen Ursprung Anfang August als tropische Depression (Invest 93L) zwischen den Kapverdischen Inseln und der Westküste Afrikas. Die zuvor recht organisierte Konvektion im Bereich des Tiefdrucksystems, welches sich auf einer nordwestlichen Zugbahn befand, baute sich aufgrund schlechter werdender Voraussetzungen (kühlere Wassertemperaturen) zunächst ab. Nachdem sich das System nach Norden verlagert hatte, wurde es am 15. August etwa auf 55 West und 30 Nord 1000 Kilometer östlich von Bermuda wieder als tropische Depression klassifiziert. Über nun ideal temperiertem Wasser (27 Grad Celsius) konnte sich das System rasch intensivieren und wurde bereits am 16. August als achter tropischer Sturm der laufenden Saison eingestuft. Nun schlug der Sturm eine ungewöhnliche, sehr seltene Zugbahn ein. Zwischen 16. und 19. August verlagerte er sich etwa entlang des 35. Breitengrades nach Osten. Am 18. August sank der Kerndruck unter 990 hPa und die Mittelwinde erreichten Werte von 65 Knoten (120 km/h). Hurrikan "Gordon" war geboren.


Satellitenbilder 18.-20.08.2012, GOES-VIS/MET-9 | Quelle: NASA/Eumetsat
18.08.2012, 9:45 UTC 19.08.2012, 9:15 UTC 20.08.2012, 9:00 UTC

Trotz der nun wieder deutlich schlechter werdenden Voraussetzungen konnte sich "Gordon" in der Nacht vom 18. auf den 19. August zu einem Hurrikan zweiter Kategorie verstärken. "Gordon" entwickelte ein Auge, welches man auf den Satellitenbilder gut erkennen konnte. Auf seinem Höhepunkt erreichte der Kerndruck einen Wert von 965 hPa, die Mittelwinde Geschwindigkeiten bis 95 Knoten (176 km/h). Unter leichter Abschwächung zog "Gordon" als Hurrikan erster Kategorie am Vormittag des 20. August über die östlichste Azoren-Insel Santa Maria hinweg. Noch am Nachmittag desselben Tages wurde "Gordon" zu einem tropischen Sturm heruntergestuft und erreichte am 22. August schließlich als außertropisches Tiefdruckgebiet die Küste Portugals. Durch seine Zugbahn über den 35. Breitengrades hinweg gilt "Gordon" als einer der nördlichsten je im Atlantik registrierten Hurrikane. Der Punkt seiner Bildung auf 34 Nord stellt sogar einen Allzeitrekord Atlantischer Hurrikane dar. Bisher wurde der Rekord von "Vince" gehalten, der im Jahre 2005 als Hurrikan die Iberische Halbinsel erreichte.

TRMM Niederschlagsanalyse am 19.08.2012, 01:10 UTC | Quelle: NASA TRMM Mission


Auswirkungen und Daten

Zugbahndaten "Gordon"
Quelle: weather.unisys.com
Besonders betroffen von Hurrikan "Gordon" waren die Azoren-Inseln Santa Maria und Sao Miguel im Südosten des Archipels. Starkregen und Sturmflut sorgten für schwere Überschwemmungen. Im Kreis Sao Roque (Sao Miguel) wurden Häuser bis in den zweiten Stock überflutet. Gebietsweise fiel der Strom aus. Auf Santa Maria ist vor allem die Landwirtschaft stark betroffen. Ein Großteil der Maisernte wurde vernichtet. Mais gilt als unersetzbarer Futterbestandteil auf den Azoren. Zahlreiche Landwirte fordern nun staatliche Hilfe an. Schäden gibt es auch entlang der Küstenstreifen, wo etliche Befestigungsmauern in Mitleidenschaft gezogen wurden. Insgesamt halten sich die Auswirkungen des Hurrikans allerdings in Grenzen, was auch auf die sehr gute Vorbereitung zurückzuführen ist. Bemerkenswerte Wetterwerte zeichnete nur die Station Santa Maria auf. Am 20. August, als "Gordon" die Insel erreichte, fielen binnen weniger Stunden 70 mm Regen und Orkanböen bis 119 km/h wurden erfasst.





Text: AL
22. August 2012


In Zusammenarbeit mit:
Lacunosa Wetterberatung