Mindestens sieben Menschen kamen Mitte Mai 2010 bei großflächigen Überschwemmungen und Hochwasser infolge intensiver
Regenfälle in Südost- und Osteuropa ums Leben. Örtlich fielen mehr als 150 mm Regen innerhalb eines Tages. Binnen drei
Tagen kamen zum Teil mehr als 300 mm zusammen.
Wetterlage und Entwicklung
Am 13. und 14. Mai 2010 erstreckte sich ein langwelliges Höhentrogsystem von Island über die Britischen Inseln bis nach
Südwesteuropa und Nordafrika. Besonders markant ausgeprägt war dessen Südteil mit einem abgeschlossenen kleinen Höhentief
über Frankreich. Zum 15. schwenkte die Hauptachse des Troges ostwärts zum westlichen Mittelmeerraum und interagierte dort
mit einem sich von Algerien und Tunesien aus nordostwärts verlagernden, zunächst flachen Tiefdruckgebiet. Es wurde auf den
Namen "Yolanda" getauft. Unter moderater Vertiefung um etwa 10 hPa zog es über die Mitte Italiens und die Adria
hinweg nordostwärts und verweilte vom 16. bis zum 19. quasistationär unter einem umfangreichen und aus dem Südteil des
Troges hervorgegangenen Höhentief über dem ukrainisch-rumänischen Grenzgebiet. An seiner Ostflanke lenkte "Yolanda"
warme und über dem östlichen Mittelmeer und Schwarzen Meer mit reichlich Feuchtigkeit angereicherte Luft in einem großen
Bogen nach Norden und Nordwesten. Kräftige und anhaltende Niederschläge fielen im Übergangsbereich zu der auf der
Südwestseite des Tiefs von Nordwesten her einströmenden kühlen Meeresluft, wo sich die Warmluftadvektion konzentrierte und
einen maximalen Beitrag zu großräumigen Hebungsvorgängen leistete.
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Bodendruckanalysen vom 15. bis 19.05.2010 | Quelle: FU Berlin / DWD |
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| 15.05.2010, 00 UTC |
16.05.2010, 00 UTC |
17.05.2010, 00 UTC |
18.05.2010, 00 UTC |
19.05.2010, 00 UTC |
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850-hPa-Geopotential und -Temperatur vom 15. bis 19.05.2010 | Quelle: Wetterzentrale |
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| 15.05.2010, 00 UTC |
16.05.2010, 00 UTC |
17.05.2010, 00 UTC |
18.05.2010, 00 UTC |
19.05.2010, 00 UTC |
Besonders betroffen von den Regenfällen war ein Streifen von Kroatien über Slowenien, den Westen Ungarns, die Slowakei und
Tschechien bis nach Südpolen. Hohe Niederschlagssummen in Zusammenhang mit "Yolanda" wurden am 16. zunächst aus
Kroatien gemeldet. In Daruvar, einer Kleinstadt im kroatischen Slawonien, fielen innerhalb von 24 Stunden bis zum 16., 06 UTC
82 mm. Im Verlauf verlagerte sich der Schwerpunkt der Niederschlagsaktivität nach Norden. Die größten Mengen wurden dabei in
den Beskiden im Süden Polens und in der Slowakei gemessen. In Bogdanówka gingen laut dem polnischen Institut für
Meteorologie und Wasserwirtschaft 186 mm binnen 24 Stunden zwischen dem 16., 06 UTC und dem 17., 06 UTC nieder. Der Ort liegt
etwa 50 Kilometer östlich der 175.000-Einwohner-Stadt Bielsko-Biała, wo sich innerhalb von knapp drei Tagen 286 mm
summierten. Auf dem Lysá hora, 1.325 Meter hoch und etwa vier Kilometer östlich von Ostravice im Osten Tschechiens
gelegen, konnten zwischen dem 16., 06 UTC und dem 19., 06 UTC 314 mm verzeichnet werden - teilweise in Form von Schnee
(insgesamt 50 cm Neuschnee). Verbreitet fielen zwischen 50 und 100 mm innerhalb eines Tages; das entspricht in etwa
dessen, was in diesen Regionen sonst im gesamten Monat Mai an Niederschlag zu erwarten ist.
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Überschwemmungen in Trebišov (Ostslowakei) und Bohumín (Tschechien). Quellen: AP, REUTERS |
Bei Überschwemmungen und Hochwasser an den Flüssen Oder und Weichsel starben mindestens sieben Menschen. In Kleinpolen
erreichte die Weichsel örtlich noch nie da gewesene Rekordstände. Aus Kraków (Krakau) wurde der höchste Pegel seit 40
Jahren gemeldet. Sandomierz, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Krakau gelegen, wurde weitgehend überflutet. Knapp 3.000
Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Ähnliche Berichte lagen aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn vor, wo
es ebenfalls zu großflächigen Überschwemmungen und Hochwasser an mehreren, zumeist kleineren Flüssen kam. Der Gesamtschaden
belief sich ersten Schätzungen zufolge auf mehrere Milliarden Euro.
Ein Teiltief von "Yolanda" führte vom 18. bis zum 20. unterdessen auch in Deutschland von Nordost nach Südwest
fortschreitend zu kräftigen Regenfällen. In Teilen Brandenburgs (z. B. Angermünde 42 mm), Thüringens (z. B. Geisa 53 mm) und
im Norden Baden-Württembergs (z. B. Ladenburg 39 mm) kamen innerhalb von jeweils 24 Stunden beachtenswerte Mengen
zusammen. Einem Vergleich mit den osteuropäischen Summen hielten diese aber nicht stand, auch wurde über Schäden nichts
bekannt.
Wetterwerte
Nachstehend eine Auswahl gemessener Niederschlagsmengen in Südost-/Osteuropa vom 15. bis 19.05.2010, jeweils bis 6 UTC.
Quelle: DWD
| Ort |
16. |
17. |
18. |
19. |
Summe |
Lysá hora (CZ) Kraków (PL) Lomnický (SK)
Daruvar (HR) Pécs (H) |
16 mm 44 mm 9 mm 82 mm 47 mm |
164 mm 54 mm 66 mm 30 mm 59 mm |
100 mm 28 mm 25 mm 7 mm 12 mm |
50 mm 14 mm 23 mm 2 mm 2 mm |
330 mm 140 mm 123 mm 121 mm 120 mm |
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Pegelentwicklungen/Wasserabläufe
Quelle: Polnisches Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft
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| Sandomierz, 13.-20.05.2010 |
Kraków-Bielany, 13.-20.05.2010 |
Satellitenbilder
... von jeweils 12 UTC
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15.05., MS-8 VIS/IR
Quelle: F. Valk |
16.05., MS-8 VIS/IR
Quelle: F. Valk |
17.05., MS-8 VIS/IR
Quelle: F. Valk |
18.05., MS-8 VIS/IR
Quelle: F. Valk |
19.05., MS-8 VIS/IR
Quelle: F. Valk |
Text: CE
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In Zusammenarbeit mit:
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